Twitter & Co.: Bin dann mal weg

Die Liste der Mahner und Warner wird länger und länger. War es Ende letzten Jahres der Erfinder der Musik-Tauschbörse Napster und frühere Präsident von Facebook, Sean Parker, der vor den Folgen der Nutzung Sozialer Medien warnte, ist es heute der US-amerikanische Netzpionier Jaron Lanier, der zum Auftakt der Cebit empfahl, Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. zu verlassen. Auch Opa, bislang auf Facebook, Twitter und Instagram sowie XING und LinkedIn vertreten, hat aus den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate die Konsequenz gezogen und sich von allen Plattformen abgemeldet: Ich bin dann mal weg! Das ist mir wahrlich nicht leicht gefallen. Aber die Datenschutz-Grundverordnung, die seit 25. Mai 2018 gilt, und das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach nicht nur Facebook, sondern auch die Seitenbetreiber einer Fanpage verantwortlich sind für die Einhaltung des Datenschutzes, haben mich mehr oder weniger zu diesem Schritt gezwungen. Denn mittlerweile ist es fast unmöglich, allen rechtlichen Vorgaben gerecht zu werden und die Vorschriften korrekt umzusetzen. Dabei sollten eigentlich die Großen an die Kette gelegt werden, getroffen hat es zunächst aber erst einmal die Kleinen, die scharenweise das Handtuch werfen und sich in die digitale Steinzeit verabschieden. Damit ich an dieser Stelle nicht falsch verstanden werde. Auch ich bin für den Datenschutz – sehr sogar. Aber wenn wir die Latte so hoch legen, wie es Brüssel getan hat, dann ist das weltfremd und schadet nur der Konkurrenzfähigkeit Europas. Was soll ich sagen? Das war einmal mehr ein klassischer Fall von gut gedacht, aber schlecht gemacht. Die Datenschützer in Brüssel haben mit ihrer Aktion das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Vor allem Kleine und Mittlere Unternehmen haben nun das Nachsehen und müssen die Suppe auslöffeln, die ihnen da eingebrockt wurde. Ob es noch gelingt, das eigentliche Ziel, nämlich Facebook und Co. in ihrer Datensammelwut zu zähmen, ist mehr als zweifelhaft. Auf der Strecke bleibt die Digitalisierung, die für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft so wichtig wäre. Mehr als dumm gelaufen, kann man da nur sagen.

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