UEFA lässt dem Ball die Luft raus

Während die Fußball-Europameisterschaft heute mit dem ersten Halbfinale, in dem sich Portugal und Wales gegenüberstehen, in die Endphase geht, versucht sich die UEFA in der Disziplin „Spielverderber“. So hat der europäische Fußball-Dachverband erst einmal eine kleine, zehn Sekunden dauernde Video-Collage des deutschen Webkünstlers Kurt Prödel im Netz löschen lassen, in dem dieser alle deutschen Elfmeterschüsse auf das Tor von Gianluigi Buffon beim EM-Viertelfinale gegen Italien übereinander gelegt hat – auf so gut wie allen Plattformen. So ganz haben es die Herren an ihrem grünen Tisch dann aber doch nicht geschafft, das Filmchen zu verbannen. Abgesehen davon, dass die Bilder nach wie vor an der einen oder anderen Stelle (noch) zu sehen sind, hat Prödel auf seiner Facebook-Seite den Bericht des ZDF-Morgenmagazins von Montag über sein Video eingestellt. Darin wird der Clip ebenfalls gezeigt, denn ARD und ZDF dürfen diese Bilder übertragen. Und inwieweit die UEFA-Verantwortlichen mit ihrem anderen Anliegen, das überwiegend auf Kritik gestoßen ist, erfolgreich sein werden, werden wir bereits heute Abend sehen können. Denn auch Gareth Bales Tochter Alba gehört zu eben den Kindern, die der UEFA ein Dorn im Auge sind und der Verband nach den Spielen nicht mehr auf dem Feld sehen will. Doch dass sich der walisische Stürmer von den Funktionären beeindrucken lässt, erscheint eher unwahrscheinlich – und ist auch zu hoffen. Denn gerade die Fernsehbilder von den Vätern mit ihren Kindern symbolisieren, dass Fußball Sport, Spaß und Spiel sowie ein großes Familienereignis ist. Dass sich die Fußballverantwortlichen hinter Sicherheitsbedenken, Stadien seien nicht der sicherste Platz für Kinder, verstecken, schlägt dem Fass den Boden aus, oder um es in der Fußballersprache zu sagen, lässt dem Ball die Luft raus. Denn wenn dem tatsächlich so wäre, wieso gilt dann nicht in allen Stadien Europas eine Altersbeschränkung von 16 oder 18 Jahren und wieso laufen dann vor jedem Spiel Kinder mit dem Schiedsrichtergespann und den Spielern aufs Feld? Was soll ich sagen? Es ist schon traurig, wie weit sich die Fußballverbände – die FIFA ist ja auch nicht besser – von ihrem Sport und den Menschen entfernt haben. Genauso traurig ist aber auch, dass daran wohl nichts mehr zu ändern ist. Denn zu hoffen, dass sich alle einig sind und weder ins Stadion gehen noch vor dem Bildschirm sitzen, wenn die Kugel rollt, ist ebenso unrealistisch wie die Hoffnung, dass Journalisten und sonstige Medienschaffenden so viel Druck aufbauen können. Insofern werden wir alle weiter damit leben müssen.

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