Aber auch gar nichts verstanden

Dieser Mensch hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. „Ich muss und werde mich für mein Privatleben nicht entschuldigen oder rechtfertigen“, sagt der seit Monaten untergetauchte Sebastian Edathy, gegen den die Staatsanwaltschaft Hannover nach wie vor wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt und über den ich schon einmal geschrieben habe. Und er geht in der aktuellen Ausgabe des Magazins Der Spiegel, das ihm nach meinem Geschmack eine ziemlich unkritische bzw. kritiklose Plattform bietet, noch weiter: „Ich bin nicht pädophil“, behauptet er und fährt fort: „In der Kunstgeschichte hat der männliche Akt, auch der Kinder- und Jugendakt, eine lange Tradition. Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber.” Das ist schon starker Tobak für jemanden, der sich Bilder gekauft hat, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft “nackte Knaben, die toben, spielen, sich darstellen – alles mit Bezug zu den Genitalien” zeigen – und zwar in Kanada, ausgerechnet dort, wo genau solche Bilder strafbar sind. Abgesehen einmal davon, dass es ausgesprochen kulturlos und vermessen ist, derartige Schmuddelbilder mit der Kunst eines Michelangelos oder Caravaggios auf eine Stufe zu stellen, muss doch ein ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter, der zwischenzeitlich auch einmal Mitglied des Rechtsausschusses war, wissen, dass die inkriminierten Bilder in aller Regel rechtswidrig zustande gekommen sind. Hierzulande käme jeder Fotograf, der solche Bilder schießt, zu Recht in des Teufels Küche, und, sollten die Eltern dem zugestimmt haben, auch diese. Denn es geht nicht um das sexuelle Selbstbestimmungsrecht Edathys, sondern um den Persönlichkeitsschutz von Kindern und Jugendlichen. Was soll ich sagen? Ich kann es nur noch einmal wiederholen: Dieser Mensch hat nichts, aber auch gar nichts verstanden.

PS: Ein ausgesprochen lesenswerter Artikel über „Die Grenzen des Erlaubten“ in der Kunst findet sich in der Stuttgarter Zeitung.

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