Das 21. Jahrhundert lässt grüßen

Einen Liebesbrief an Oma und Opa schreiben, gehört nach Ansicht einer der vielen Familienzeitschriften zu den “10 Dingen, die Sie unbedingt mit Ihrem Kind gemacht haben sollten.” Danach braucht man dazu: Briefpapier, Buntstifte, Briefumschlag, ein Foto des Kindes mit seinen Großeltern und Klebstoff. “Warum sind Oma und Opa eigentlich so toll?”, soll man jetzt das Kind fragen, ihm fielen bestimmt ganz viele Dinge ein – vom Süßigkeiten-Dauerabo bis zu endlosen Spielstunden. Dass das Mädchen in der nebenstehenden Illustration so aussieht, als wenn es dem Vater, während es an die Oma denkt, die Zunge rausstreckt, hat in der Redaktion wohl niemand gesehen und soll hier auch weiter keine Rolle spielen. Denn auf das Briefpapier könne das Kind nun malen, was ihm an den Großeltern am besten gefalle. Noch das Foto aufkleben und alles in einen frankierten Briefumschlag stecken, lautet die weitere Empfehlung, bevor es abschließend heißt: “Und ab geht die Post: Schnell zum Briefkasten und den Liebesbrief abschicken.” Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht, wer die genaue Zielgruppe dieser Zeitschrift ist. Aber unsere Enkel, die zwar auch für Oma und Opa gerne malen und basteln, kommunizieren mit uns in aller Regel, wenn wir nicht gerade über das Festnetz telefonieren, über FaceTime oder Skype. Das 21. Jahrhundert lässt grüßen.

“Schon euren Urlaub festgelegt?”

Dieser Tage gewährte ein älterer Herr, der auch Großvater war, einer illustren Herrenrunde einen amüsanten Einblick in sein Privatleben: Eines Abends habe das Telefon geklingelt und eine seiner verheirateten Töchter sei am Telefon gewesen. “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?”, habe sie gefragt. Das “Wieso” sei dahingehend beantwortet worden, dass das junge Paar gerne den Kombi der Großeltern für die eigene Urlaubsreise in den fernen Süden Europas habe ausleihen wollen. Der eigene Wagen sei nämlich zu klein, zu unbequem, zudem stehe eine Inspektion an und es könne durchaus sein, dass der Motor, der ohnehin so komische Geräusche mache, bei dieser Gelegenheit ausgetauscht werden müsse. Und es wäre toll, wenn Opa das in der Zwischenzeit erledigen könne. Wie denn das Paar diesen doch sicher anstrengenden Urlaub mit den Kindern zu bewerkstelligen gedenke, habe er dann wissen wollen. “Überhaupt nicht”, sei die fassungs- wie verständnislose Antwort gewesen, vielmehr wolle man die Kinder bei den Großeltern lassen. “Ja und wann wollt ihr die Enkel bringen?”, habe die doch wohl berechtigte, weil nicht unbedeutende Frage gelautet. “Heute Abend”, sei die irgendwie sehr selbstverständlich klingende Antwort gewesen. Nun, um es kurz zu machen: Dem Anliegen, obwohl doch etwas kurzfristig, konnte und wollte sich der Großvater mit seiner Frau nicht widersetzen. Und als Oma und Opa dann, so berichtete der Großvater unter dem schallenden Gelächter der Runde weiter, sich an die dringend notwendigen Vorbereitungen gemacht hätten, habe erneut das Telefon geklingelt und die andere verheiratete Tochter mit Kindern sei in der Leitung gewesen: “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?” Was soll ich sagen? Eine schöne Geschichte oder wie im wirklichen Leben – wohl dem, der nerven- und leistungsstarke Großeltern hat.