Virtueller Kaminabend

Man lobt sich ja nur ungerne selber. Deshalb habe ich mich lange gescheut, von einer Idee zu berichten, die ich in diesen Tagen gehabt und umgesetzt habe. Aber das Ergebnis war, nicht nur aus meiner Sicht, so bemerkenswert, dass ich mich nun doch durchgerungen habe, es hier vorzustellen. Vielleicht greift es ja der eine oder andere Leser auf und bringt ein wenig Freude in seine Umgebung. Also: Vor der Corona-Krise habe ich drei bis vier Mal im Jahr Freunde eingeladen und bekocht. Das Ganze lief unter der Überschrift Kaminabend ab, obwohl dieser in den meisten Fällen gar nicht brannte. Wie auch immer, das Corona-Virus machte diese Art der Einladung unmöglich. Aber kampflos wollte ich mich nicht geschlagen geben und nicht akzeptieren, dass dieses Virus unser Leben nun gänzlich bestimmt. Deshalb habe ich mir (aus)gedacht, einfach einen mentalen Kaminabend abzuhalten, der allerdings nicht ohne die wesentliche Zutat vonstatten gehen soll: Nämlich mein Essen! Und so habe ich meine Freunde zu einem virtuellen Kaminabend eingeladen, an dem sie zu Hause bleiben konnten bzw. mussten, ich aber das zentrale Element unserer Kaminabende sozusagen frei Haus geliefert habe: Nämlich ein gutes Essen! Das Essen habe ich an dem Abend in der Zeit zwischen 18.30 und 19.00 Uhr ausgeliefert – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregel. Es gab ein asiatisches Drei-Gang-Menu: Garnale à la T.R., asiatischer Schweinebauch und Macha Creme brûlée. Für den Freund, der leider eine knappe Stunde entfernt am anderen Ende der Stadt wohnt, haben wir eine andere Lösung gefunden. Da kein Botendienstleister wirklich garantieren konnte, dass das Essen nicht doch einmal auf dem Kopf landet, habe ich organisiert, dass er von einem asiatischen Lokal, das sich bei ihm direkt gegenüber befindet, versorgt wird. Auch für den einzigen Vegetarier habe ich statt des Schweinebauchs eine Tofu-Lösung kreiert. Nach dem Essen haben wir uns dann um 20.20 Uhr zu einer gemeinsamen Telefonkonferenz zusammengeschaltet und über eine Stunde miteinander gesprochen. Was soll ich sagen? Ich lasse jetzt einmal meine Gäste sprechen: „Euch noch einmal vielen, vielen Dank für den wunderschönen Abend. Auch wenn wir nicht zusammen waren, es war – Dank Eurer Initiative – ein Abend, über den wir alle (hoffentlich!) noch in 10 Jahren erzählen werden. Kulinarisch sensationell! Dazu vermutlich bei allen ein guter Wein. Anschließend eine interessante Konversation. Eigentlich so, wie es bei Euch immer ist. Doch diesmal war es anders! Vielleicht waren wir sogar näher beieinander als sonst! DANKE!!!“ – “Die starken Eindrücke vom letzten Freitag haben sich bei uns jetzt erst richtig gesetzt. Der gemeinsame Genuss des köstlichen Mahls – wenn auch an verschiedenen Orten – und die anschließende Telefonkonferenz haben bei uns ein unerwartet starkes Gemeinschaftsgefühl hervorgerufen. Für uns war es auch deshalb ein besonderes Erlebnis, weil wir uns aus diesem Anlass zum ersten Mal seit Beginn des ‘Hausarrests’ schön gemacht haben. Ihr habt uns mit Eurer Fantasie, Eurer Freundschaft und Euren Kochkünsten dafür einen tollen Anlass geliefert. Nochmals vielen herzlichen Dank!”

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