Günter Bannas – Machtverschiebung

Wenn der Schauspieler David Niven als der Inbegriff eines britischen Gentlemen’s galt, dann war Günter Bannas das Vorbild für einen politischen Journalisten alter Schule. „Wir verabschieden eine Institution“, hatte Berthold Kohler, der für die Politik zuständige Herausgeber der F.A.Z., bei der Verabschiedung im März vergangenen Jahres gesagt, bei der alles, was damals im Politikbetrieb Rang und Namen hatte, zugegen war. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen, in der Bannas das getan hat, was er am besten konnte und augenscheinlich immer noch kann: Seine Beobachtungen zu Papier zu bringen. Auf 336 Seiten breitet er die Bundespolitik vor den Lesern aus, beschreibt und analysiert den Wechsel vom Rhein an die Spree, vergleicht die „Bonner Käseglocke“ mit der „Berliner Blase“, nimmt Parteien wie Protagonisten unter die Lupe, zeichnet Entwicklungen nach und endet im Heute und Jetzt, in dem AKK sozusagen beim Kanzleramt ante portas steht. Das alles geschieht mit einer Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit und Sicherheit, die einen an einen alten DSF-Werbespruch denken lässt: “Mitten drin statt nur dabei.” Und über jeder Zeile dieses Buches steht gleichsam als ungeschriebenes Gesetz eine Aussage des verstorbenen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Um zu verdeutlichen, mit welcher Akribie der gebürtige Kasselaner zu Werke geht, ein Zitat: „Wer Kanzler werden will, muss es mit Haut und Haaren wollen. Sie oder er darf nicht nur so tun, als wolle er in das wichtigste politische Amt aufsteigen, das in der Bundesrepublik Deutschland zu vergeben ist. Irgendwann würde er entlarvt. Er hat zu gewärtigen, dass Freunde zu Feinden werden. Üble Nachreden darf er nicht fürchten. Persönliche Einschränkungen hat er zu ertragen und auch die permanente Beobachtung durch die Medien. Diese sind mal wohlwollend, mal ehrfürchtig, mal aber auch distanzlos, übergriffig, ins Persönliche gehend. Die Launen der Medien sind, wie die Stimmungen im Volk, nicht zu kalkulieren. Was gestern noch gut und richtig war, kann morgen schlecht und falsch sein. Was heute modern wirkt, erscheint morgen vielleicht gestrig. Fotos, die einst schön und sympathisch wirkten, können alsbald als arrogant aufgenommen werden. Wer Kanzler werden will, muss das alles ertragen. Er darf sich nicht einmal beschweren.“ Was soll ich sagen? Beschweren wird sich auch kein Leser, wenn er „Machtverschiebung“ gelesen hat. Vielmehr wird er zufrieden feststellen, dass sich sein Blick auf die Dinge, die politischen vielleicht verschoben hat und dabei aber sicher schärfer geworden ist. Mehr kann man von einem politischen Sachbuch nun wirklich nicht erwarten.

Günter Bannas, Machtverschiebung – Propyläen Verlag, Berlin, 2019, 366 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3549100042

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