Erdogan wie Pippi Langstrumpf

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kommt einem so langsam vor wie Pippi Langstrumpf. Deren Lied geht ja bekanntlich so:

Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …
Hey – Pippi Langstrumpf hollahi-hollaho-holla-hopsasa
Hey – Pippi Langstrumpf – die macht, was ihr gefällt.

Jedenfalls macht sich Erdogan im Moment die Welt, wie sie ihm gefällt, und macht, was ihm gefällt. Dabei hat er offensichtlich jedes Maß verloren. Selbst Oma, die ansonsten eher besonnen und ruhig ist, ist derzeit außer sich, nachdem der türkische Staatspräsident ihre Landsleute als „Faschisten und Nazis“ beschimpft und den Niederlanden Staatsterrorismus vorgeworfen hat. Derartige Äußerungen sind alleine schon deswegen bemerkenswert, als die Türkei gegenwärtig alles andere ist als eine lupenreine Demokratie mit rechststaatlicher Sicherheit und garantierter Meinungs- und Pressefreiheit. Vielmehr führt sich Erdogan wie ein Despot auf, der nach dem Motto agiert: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Und diejenigen entsorgt er gnadenlos. Die Liste der Journalisten, die er ins Gefängnis gesteckt hat, wird immer länger und hat die 100er Grenze längst überschritten. Wie viele Menschen sonst noch in irgendwelchen Verliesen ohne die Möglichkeit eines Rechtsschutzes verkommen, kann nur befürchtet werden. Und mit dem Referendum, für das die türkische Regierung so verzweifelt Wahlkampf macht, will Erdogan noch mehr Macht an sich reißen. Vor diesem Hintergrund kann man dem Publizisten Hendryk M. Broder, der endlich „klare Kante“ fordert, nur zustimmen. Denn: „Da entsteht eine brutale Diktatur – und wir sollen deeskalieren“, warnt er davor, dass eine Appeasement-Politik gegen totalitäre Herrscher noch nie etwas genutzt hat. Was soll ich sagen? Es ist anerkennens- und lobenswert, dass jetzt das kleine Saarland alle Wahlkampfauftritte von ausländischen Politikern verboten hat. Es wäre aber sicherlich an der Zeit, dass Angela Merkel im Bundeskanzleramt in Berlin endlich mit der Faust auf den Tisch haut und dem Herrn in Ankara unmissverständlich zu verstehen gibt: Jetzt reicht’s!

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