Struwwelpeter: Ja oder nein?

Ich weiß, an diesem Beitrag werden sich die Geister scheiden. Denn was Oma mit unseren Enkeln getan hat, wird seit einiger Zeit heiß diskutiert: Sie hat den Struwwelpeter vorgelesen, von vorne bis hinten. Es begann auf Wunsch der beiden Kurzen mit Hanns Guck-in-die-Luft und dem Zappel-Philipp. Dann wollten Sie auch alle anderen Geschichten hören: Angefangen beim Struwwelpeter höchstselbst, gefolgt vom bösen Friederich, Paulinchen, den schwarzen Buben, dem wilden Jäger, dem Daumenlutscher und Suppenkasper sowie zu guter oder schlechter Letzt dem fliegenden Robert. Für einige Eltern ist das der pure Horror. Bei einer Umfrage schrieb ein Teilnehmer: „So schön manche dieser Geschichten auch sind, für Kinder sind sie meiner Meinung nach nicht. Denn die Brutalität ist so eindeutig! Daumen abschneiden, Katzen und Kinder verbrennen, Leute ertrinken, …. da kann man die Kids gleich Terminator anschauen lassen.“ Ein anderer äußerte sich so: „Nicht, dass dieses Buch nur so vor Gewalt trieft, man versucht Kinder durch Angst gefügig zu machen! Das kann nicht der richtige Weg sein!“ Die Gegenmeinung artikulierte sich folgendermaßen: „Die Geschichten im Struwwelpeter sind kurz und treffen haargenau den Kern sehr vieler kindlicher Verhaltensweisen. Sie sind prägnant und erhalten sehr viel Wahrheit. Meine Tochter konnte sich gut mit den Geschichten identifizieren und hat sofort verstanden, warum bestimmte Dinge einfach absolut verboten verboten und noch einmal verboten sind – ohne wenn und aber! Weil sie einfach gefährlich für das eigene Leben sind oder für das Leben anderer Personen, oder verletzend für andere.“ Etwas später hieß es: „Und was können wir Erwachsenen der heutigen Elterngeneration aus diesem Buch lernen? Dass die Kinder früherer Generationen genau dieselben unerwünschten und teilweise haarsträubend gefährlichen Verhaltensweisen an den Tag legten, wie es unsere Kinder heute tun (Suppenkasper, Zappelphilipp, Hans-Guck-in-die-Luft, Friederich der Wüterich … usw.). Von wegen, früher haben die Kinder das nicht gemacht!“ Was soll ich sagen? Opa hat dazu eine eindeutige Meinung und schließt sich Oma voll und ganz an. Aber was denken Sie? Lesen Sie Ihren  Kindern bzw. Enkelkindern den Struwwelpeter vor? Ich freue mich auf eine anregende Diskussion.

0001_struwwelpeter.indd                                                                          Der berühmteste deutsche Kinderbuchklassiker – hier das Cover eines im Loewe Verlag erschienenen Nachdrucks der Frankfurter Erstausgabe – sorgt für heiße Diskussionen in der heutigen Elterngeneration.

8 Gedanken zu „Struwwelpeter: Ja oder nein?

  1. Es stimmt schon,dass das alles sehr gefährliche Dinge sind,die die Kinder da machen und vielleicht wurde das ein oder andere Kind früher so bestraft.Für Kinder im Vorschulalter kann man das aber verständlich erklären und darüber diskutieren,damit sie Lügen und Wahrheiten auseinander halten können.Märchen der Grimm’s sind auch teilweise grausam.

  2. Pingback: Liese, pfui wie siehst du aus? | Nonna Mia

  3. Guten Morgen,
    ja, am Struwwelpeter scheiden sich die Geister…
    Ich werde den Struwwelpeter meinen Enkeln nicht vorlesen. Nicht weil die Geschichten grausam sind – das sind sie im Märchen oft auch – sondern weil sie im Gegensatz zum Märchen meist nicht gut aus gehen. Das Märchen zeigt Wege auf, wie sich der oder die Hauptfigur aus schwierigen Situationen befreit. Im Struwwelpeter endet die Sache böse. Ich finde, dass man Kindern keine heile Welt vorspiegeln muss, denn die gibt es nicht. Aber ich finde, sie haben es verdient, dass eine Geschichte gut endet. Der Struwwelpeter ist darauf ausgelegt, Kindern mit angstmachenden Geschichten in Schach zu halten. Wer am Daumen lutscht, dem fehlt unter Umständen nachher der Daumen. Diese Geschichte ist mit Sicherheit kein geeignetes Mittel, um Kinder vom Daumenlutschen abzuhalten. Obwohl der Struwwelpeter auch bei mir im Bücherregal steht (so wie die meisten meiner Kinderbücher) kommt von mir ein eindeutiges NEIN zum Struwwelpeter. Ich wünsche einen schönen Tag mit oder ohne Struwwelpeter 😉

  4. Natürlich werde ich meinen Kindern diese Geschichten vorlesen! Ich versteh garnicht, was sich die Leute heutzutage so aufregen. Wenn diese Geschichten so schlimm wären, dann wäre doch die komplette Generation verkommen…

    • Über verkommen kann man diskutieren…Jedoch ist von dieser Generation ein goßer Teil Dauergast beim Therapeuten…Der Struwwelpeter sowie die Erziehungshaltung, die dahinter steckt, hat mit Sicherheit nicht wenig zu dieser Entwicklung beitgetragen.

      • Kinder die in vernünfigten Familienverhältnissen aufwachsen, lernen sehr wohl zu unterscheiden zwischen richtig und falsch, zwischen Geschichte und Realität … wenn es die Eltern ihnen vernünftig vermitteln !
        Leute die zum Therapeuten gehen sind nicht stark genug, um mit den Problemen des Alltags selbst fertig zu werden oder sie sind schon von Geburt an krank.
        Meine Kinder dürfen auch Computerspiele für 18+ spielen und verhalten sich innerhalb der Gesellschaft trotzdem vorbildlich !

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