“Historisches” aus Saudi-Arabien

Die Welt wandelt am Abgrund eines Atomkrieges, nachdem sich zwei Irre in Washington und Pjöngjang jeweils mit Verbalinjurien belegen. Währenddessen scheint Deutschland nach der Bundestagswahl vom vergangenen Sonntag angesichts des Rechtsrucks in Stockstarre zu verharren und weiß nicht so recht, wie es damit umgehen soll. Manche träumen dabei von einem politischen Ausflug in die Karibik, genauer gesagt nach Jamaika, und hoffen, dass nicht irgendein Wirbelsturm dort über sie hinwegfegt. Und auch andere Länder blicken in eine ungewisse Zukunft. Nehmen wir nur Frankreich. Dort skizziert Präsident Emmanuel Macron seine Vision von einem neuen Europa und seine Arbeiter gehen gegen die Arbeitsmarktreform lautstark auf die Straße. Ausgang ungewiss. Einen Hoffnungsschimmer aber gibt es: Saudi-Arabien. Der wahhabitische König Salman hat in seiner unendlichen Weisheit eine “historische Entscheidung”, wie Medien schreiben, getroffen: Als letztes Land weltweit erlaubt es seinen Frauen das Autofahren. Und die ganze Welt jubelt. Was soll ich sagen? Selbige muss wirklich aus den Fugen sein. Gernot Hassknecht alias Hans-Joachim Heist aus der heute-show würde cholerisch schreien: „Ja geht’s noch!?!“ Denn in dem streng islamisch konservativen Land unterliegen Frauen immer noch zahlreichen Beschränkungen: Nach wie vor muss ein männlicher Vormund – meistens der Vater, Ehemann oder Bruder – erlauben, dass eine Frau studieren oder reisen darf. Frauen müssen entweder für viel Geld einen Privatchauffeur nehmen. Oder ihr Mann muss sie fahren. Unklar war zunächst auch, ob die Frauen auch für den Erwerb des Führerscheins die Erlaubnis ihres Vormunds brauchen. Und abgesehen davon sollten wir nicht vergessen, dass der Internet-Aktivist und Blogger Raif Badawi, der wegen „Beleidigung des Islam“ zu 10 Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt ist, immer noch im Gefängnis sitzt. Vor diesem Hintergrund sieht das doch sehr nach einer PR-Aktion des saudischen Königshauses aus. Und mit PR kennt sich Opa nun wirklich aus. Wenn der Inhalt nicht stimmt, kann auch die beste Verpackung nicht helfen.

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