Puppenklamauk

Opa kennt Bettina Böttinger, die bekannte WDR-Moderatorin, schon lange. Mehr als das, wir sind als Kinder miteinander aufgewachsen. Später, nach der Schulzeit, fanden wir beide während unseres Studiums unabhängig voneinander und auf unterschiedlichen Wegen zum Journalismus. Während Opa weitgehend den Printmedien treu blieb und am Ende – wie man so schön sagt – auf der anderen Seite des Schreibtisches gelandet ist und seine Brötchen mit Kommunikationsberatung verdient, hat meine Nenn-Halbschwester eine beachtliche Karriere beim Fernsehen hingelegt und ist heute eine der besten Moderatorinnen im deutschen Fernsehen. Warum ich das erzähle? Durch Zufall entdeckte ich im Fernseh-Programm am Donnerstagabend – also gestern – eine Sendung, in der Bettina auftrat: Die Wiwaldi Show, die einzige Show im deutschen Fernsehen, die von einem Hund moderiert wird. Da ich diese Show noch nie gesehen hatte, wunderte ich mich schon ein wenig, zumal der Sendebeginn auch noch mit 23.15 Uhr angegeben war. Dass sich der wegen eines Brennpunktes auch noch 15 Minuten nach hinten verschob, sei nur am Rande erwähnt. Nun zur Sendung selbst: Es war schon harte Kost um diese Uhrzeit. Man kann es nicht anders beschreiben als Puppenklamauk, bei dem Oma und Opa sich die ganze Zeit gefragt haben, warum das nun um diese Uhrzeit ausgestrahlt werden muss und was der tiefere Sinn des Ganzen ist. Wäre die Sendung nachmittags auf RTL oder einem anderen Privatsender gelaufen, hätten wir es vielleicht verstanden. Aber nicht einmal dem mutmaßlichen Qualitätsanspruch von KiKA, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal von ARD und ZDF für Kinder und Jugendliche, wurde die Show gerecht, vom immer wieder beschworenen Qualitätsanspruch des Ersten ganz zu schweigen. Dass Bettina während der gesamten Sendung gute Miene zum bösen Spiel gemacht hat, ehrt sie und beweist ihre Professionalität. Was soll ich sagen? Ob ich die Sendung, die ich auch noch aufgenommen habe, meine Enkeln zeigen werde, glaube ich ich. Oma und Opa verzweifeln vielmehr immer öfter an dem, was mit unseren Fernsehgebühren finanziert wird.

PS: Wer sich unbedingt selbst ein Bild machen will, kann das tun. Die Sendung befindet sich noch in der Mediathek.

Ein Gedanke zu „Puppenklamauk

  1. Danke für den Beitrag, sehr geehrter Herr Untermann. Die Verdummung der Bevölkerung durch die Staatsmedien hat doch aber schon lange Methode, da habe ich keinen Zweifel. Zweifel habe ich allerdings daran, ob es wirklich ein Ausweis von Professionalität ist, daß Ihre Freundin gute Miene zum blöden (!) Spiel machte – oder ob es nicht vielmehr ein Ausweis größter eigener Dummheit ist, sich für eine solche Sendung, die vermutlich nicht live war, herzugeben statt einfach aufzustehen. Ich darf daran erinnern, daß die Tagesschaumitarbeiter, die sich wohl eine fürstliche Extragage für die Mitwirkung am Til Schweiger-Tatort haben bezahlen lassen, hinterher auch ganz empört waren, weil sie angeblich nicht wußten, wofür sie sich hergegeben hatten. Letzter Punkt: Nur einmal habe ich das Wort „Blöd“ hier nicht ersetzt. Ich muß da immer an Goethe denken und den Satz: „Das Mädchen war so blöde, es hatte keine Rede“. Zu Goethes Zeit bedeutete „blöd“ noch „schüchtern“. Ihnen und Ihrer Familie an dieser Stelle noch ein gesundes Neues Jahr und ein schönes Wochenende!

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