„Komm’, wir essen jetzt, Opa!“

Dass Rechtschreibung und Interpunktion von Bedeutung sind, wissen wir spätestens seit unserer Schulzeit. Denn die Noten hängen ja nicht ganz unwesentlich davon ab, inwieweit man in der Lage ist, die Wörter richtig zu schreiben und die Satzzeichen korrekt zu setzen. Später, im echten Leben dann, ist es ebenfalls von Vorteil, wenn man mit den Regeln der deutschen Sprache nicht auf Kriegsfuß steht. Auch wenn sich der Sinn der Groß- und Kleinschreibung nicht allen und nicht immer erschließt, kann sie manchmal doch ganz entscheidend sein. Immerhin macht es einen Unterschied, ob „der gefangene Floh“ im Mittelpunkt steht oder „der Gefangene floh“. Auch ist es nicht dasselbe, wenn es heißt: „Er verweigerte Speise und Trank“ bzw. „Er verweigerte Speise und trank“. Ähnlich sieht es aus, wenn da steht: „Der Junge sieht dir ungeheuer ähnlich“ bzw. „Der Junge sieht dir Ungeheuer ähnlich“. Von völlig unterschiedlichen Sachverhalten kann man ausgehen bei Beschreibungen wie: „Vor dem Haus sah sie den geliebten Rasen“ oder „Vor dem Haus sah sie den Geliebten rasen“ bzw. „Er hat in Berlin liebe Genossen“ oder „Er hat in Berlin Liebe genossen“. Doch es ist nicht nur die Rechtschreibung, die zuweilen den kleinen Unterscheid macht. Auch die Interpunktion hat durchaus ihren Sinn. „Schüler sagen, Lehrer haben es gut“ ist das genaue Gegenteil von „Schüler, sagen Lehrer, haben es gut.“ Auch „Er will, sie nicht“ und „Er will sie nicht“ ist kaum unter einen Hut zu bringen. Und von existenzieller Bedeutung ist es, ob es heißt: „Hans erbt den Hof, nicht aber Karl“ oder „Hans erbt den Hof nicht, aber Karl“. Und um Leben oder Tod geht es gar bei dem kleinen, aber feinen Unterschied: „Hängen, nicht laufen lassen“ bzw. „Hängen nicht, laufen lassen“. Was soll ich sagen? Ganz sicher hört der Spaß aber auf bei dem Satz: „Komm’, wir essen jetzt Opa!“ Vielmehr sollte es doch wohl heißen: „Komm’, wir essen jetzt, Opa!“ Dafür öffne ich dann sogar liebend gerne mein Kochbuch.

4 Gedanken zu „„Komm’, wir essen jetzt, Opa!“

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  2. Lieber Herr Untermann,
    da haben Sie sehr schöne Beispiele gebracht, die mich schmunzeln ließen.
    Irgendwie erinnerte mich das ein bisschen an Heinz Erhardt.
    Ihr heutiger Beitrag sprach mich auch deshalb an, weil ich manches Mal auch meine Schwierigkeiten mit der deutschen Rechtschreibung habe, insbesondere, wenn es um die Kommasetzung geht. Doch so gravierende Unterschiede wie in Ihrem letzten Beispiel kann ich dann aber doch noch unterscheiden. 🙂
    Liebe Grüße
    menzeline

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