Schäubles Hinweis auf Anstand

Vier Wochen nach der Bundestagswahl hat der 19. Deutsche Bundestag heute seine Arbeit aufgenommen. Die 709 Abgeordneten, so viele wie noch nie zuvor, sind zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengekommen und haben ihren Präsidenten und dessen Stellvertreter gewählt. Dabei gab es einen Vorgeschmack auf das, was das Publikum in den nächsten vier Jahren erwarten darf: Die Rechtspopulisten von der AfD werden das Hohe Haus ein ums andere Mal gehörig in Rage bringen. Zunächst einmal bleibt aber festzuhalten, dass sich das Parlament mit Wolfgang Schäuble einen Präsidenten gewählt hat, der sich so schnell die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Mit seiner Antrittsrede machte er den Abgeordneten ziemlich deutlich, was er von ihnen erwartet und innerhalb welcher Grenzen sie dies tun können. Ohne die AfD direkt beim Namen zu nennen, waren in der Rede genügend Hinweise für die Damen und Herren dieser Partei untergebracht. Als das zentrale Stichwort sei hier nur Schäubles Hinweis auf Anstand genannt. Aber auch die Vertreter der anderen Parteien haben hoffentlich den gut verpackten wie wohl gemeinten Ratschlag verstanden, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das ihnen Alice Weidel, Alexander Gauland und Co. hinhalten werden. Dass das schwer genug wird, hat die erste Sitzung gleich bewiesen. Dabei war es sicher richtig, der AfD auf der einen Seite einen Vizepräsidentent zuzugestehen, auf der anderen Seite aber deren Kandidaten Albrecht Glaser abzulehnen. Jemand, der dem Islam die vom Grundgesetz garantierte Relgionsfreiheit abspricht, kann kein so hohes Verfassungsamt wahrnehmen. Was soll ich sagen? Die Kunst wird darin bestehen, zu verhindern, dass sich die AfD immer wieder als Opfer inszenieren kann. Ausgrenzung ist da eher kontraproduktiv. Vielmehr muss man diese vermeintliche „Alternative für Deutschland“ inhaltlich stellen und verdeutlichen, dass sie alles andere ist – nur eben das nicht. Denn vernünftige Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit hat diese Partei nun wirklich nicht.

Kurtort Bad Berlin

In Berlin sind Ferien. Da ist die deutsche Hauptstadt wieder einmal so ruhig, dass sie fast das Prädikat verdient hätte: Kurort Bad Berlin. Nur die Touristen rattern noch mit ihren Rollkoffern durch die Straßen, so wie das die Berliner jetzt andernorts tun. Was soll ich sagen? Jeder ist überall Tourist, nur nicht daheim. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Geschichte unseres Versagens

Unvorstellbar: 2016 starben weltweit 5,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren aus weitgehend vermeidbaren Gründen – das entspricht rund 15.000 Kindern am Tag, 640 Kindern pro Stunde, zehn Kindern pro Minute oder einem Kind alle sechs Sekunden.
Das jedenfalls ist Ergebnis des Reports „Levels & Trends in Child Mortality Report 2017“, den UNICEF im Auftrag der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur Schätzung der Kindersterblichkeit (UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation, UN IGME) erstellt hat. „Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich unendliches Leid von Kindern und unendlicher Schmerz von Eltern“, kommentiert Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland den Bericht, der jedem normal tickenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben müsste. Was soll ich sagen? Da mich das wieder einmal ziemlich sprachlos macht, will ich den von mir geschätzten Herausgeber des Handelsblattes, Gabor Steingart, zu Wort kommen lassen, der heute in seinem Morning Briefing geschrieben hat: “Auch das zählt zu den Fluchtursachen, über die zu reden wäre: Die medizinische Versorgung in weiten Teilen der Welt ist katastrophal. Der Tod lauert in Pakistan, Nigeria, Äthiopien, im Kongo und Teilen von Indien keineswegs im Dunkeln, sondern steht in aufreizender Deutlichkeit direkt neben der Wiege der Neugeborenen. Diese Kinder brauchen keinen neuen Nationalismus in Europa und auch keinen Rechtsruck der CDU. Sie brauchen Medikamente, Krankenhäuser und danach Schulen und Lehrer. Ihre Eltern, die der kalten Präzision der UN-Todesstatistik durch Flucht zu entkommen versuchen, handeln aus Notwehr. Wenn die Hochleistungsmedizin des Westens nicht zu ihnen kommt, kommen sie zu ihr. So gesehen erzählt das Mittelmeer die Geschichte ihres Überlebenswillens und unseres Versagens.” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Mobbing ist feige

Die Zahl ist erschrecken: 30 Prozent aller Schüler weltweit werden jährlich gemobbt. Das sind auf jeden Fall 30 Prozent zu viel. Denn mobben steht für ärgern, intrigieren, quälen, schikanieren, triezen, tyrannisieren, verheizen, zwiebeln und und und. Dabei trifft es meist und vor allem diejenigen, die sich ohnehin nicht wehren können. Und noch ein Phänomen ist leider zu beobachten: Nicht nur die Täter sind ausgesprochen feige, sondern auch diejenigen, die bloß tatenlos zusehen. Ein Experiment von Burger King hat das jetzt eindrucksvoll bewiesen. Die Fastfood-Kette hat ihren Kunden gemobbte, sprich zermatschte Hamburger aufgetischt. 95 Prozent der Kunden beschwerten sich. Aber nur 12 Prozent schritten ein, als am Nachbartisch – von Schauspielern dargestellt – ein Schüler gemobbt wurde. Was soll ich sagen? Auch wenn das von Burger King inszenierte Experiment sicherlich eine gelungene Marketing-Aktion darstellt, zeigt es doch eindringlich ein gesellschaftliches Problem auf, dem Einhalt zu gebieten ist. In Deutschland sind die Zahlen mit 16 Prozent gemobbten Schülern noch nicht so dramatisch wie in anderen Ländern. Es handelt sich aber immerhin auch noch um 1,5 Millionen Kinder, denen dringend geholfen werden muss. Insofern muss man Burger King dankbar sein, dass es dieses Video gedreht hat.

Ganz schön starker Tobak

Eigentlich wollte ich „nur“ ein Buch besprechen. „Wir Wochenendrebellen“ heißt es und handelt von einem Jungen und seinem Vater auf Stadiontour durch Europa. Normalerweise wäre das jetzt nicht zwangsläufig und unbedingt ein Thema für diesen Blog gewesen. Aber in diesem Buch geht es abgesehen von Fußball „auch um den Alltag, den ich, Papsi, Mami und meine Schwester leben, und darum, was das Asperger-Syndrom für mich und meine Mitmenschen bedeutet“, schreibt Jason von Juterczenka in dem von ihm verfassten Vorwort und macht sodann deutlich, dass nicht er ein Problem hat oder eines ist, sondern mehr die anderen: „Gäbe es ein Medikament, mit dem man das Asperger-Syndrom ‚heilen‘ könnte, müsste ich nicht lange überlegen, um zum Schluss zu kommen, es nicht zu nehmen.“ Warum das so ist, erläutert Jason auch gleich: „Das Behindernde an den Behinderungen ist nicht die Behinderung selbst, denn ein Problem entsteht erst, wenn andere Menschen meine Regeln verletzten, sei es aus Unwissenheit, aus Desinteresse oder aus purer Gemeinheit.“ Allerdings kann Jason nicht unterscheiden, ob jemand gemein zu ihm sein will oder vielleicht einfach vergessen hat, dass er beispielsweise nicht berührt werden möchte. Bis zu diesem Punkt war ich eigentlich sehr wohlwollend gegenüber Jason und seinem Vater eingestellt und wollte deren Erlebnisse ebenso wohlwollend rezensierend begleiten. Doch dann kam mir das Ende des Vorwortes dazwischen, über das ich nach wie vor nicht so richtig hinweg komme: „Papsi hat versprochen, die Welt ein bisschen besser zu machen, dabei ist mein größter Wunsch für unsere Welt ein sehr allgemeiner. Ich möchte, dass Menschen aufhören, sich an alten Gewohnheiten festzuklammern, die nicht mehr in unsere Zeit hineinpassen. Man sollte unser komplettes Wirtschafssystem, das nur auf Wachstum beruht, überdenken. Wir sollten Risiken eingehen, um die sonst unausweichlichen Katastrophen wie den Klimawandel aufzuhalten. Auch unsere Religionen und unsere Sitten passen absolut nicht mehr in unsere Zeit. Wir denken und handeln zu konservativ, zu nationalistisch und mit zu wenig Weltoffenheit. Alles würde sich verändern, wenn wir dies überdenken. Wir würden endlich ernsthafte Schritte zur Erhaltung unsere Umwelt machen, uns stünde das gesamte Sonnensystem zum erforschen frei und es gäbe keine isolierten, voneinander abgeschotteten Länder, die mit den anderen nichts zu tun haben wollen, nur weil sie sich für etwas Besseres halten. Die lächerlichen kleinen Differenzen zwischen den Menschen auf der Erde würden verschwinden. Es ist eine echte Traumwelt. Zwar sind wir davon noch Lichtjahre entfernt, doch es gibt erste gute Ansätze, die für eine offenere und bessere Welt in Zukunft sorgen können, wenn sie nur ernsthaft von allen Menschen verfolgt werden. Das wäre gut.“ Das liest sich auf den ersten Blick ja vielleicht noch ganz nett. Aber bei genauerem Hinsehen ist das ganz schön starker Tobak. Da wischt ein gerade mal zwölfjähriger Bub mit einem Satz „unsere Religionen und unsere Sitten“ vom Tisch, weil sie angeblich „absolut nicht mehr in unsere Zeit hineinpassen.“ Wäre Jason nicht Autist, würde jeder vernünftige Mensch sehr schnell zu dem Urteil kommen: Der hat sie doch nicht mehr alle. So aber steht er quasi unter Dauerwelpenschutz, was die Sache nicht besser macht. Denn zu behaupten, „unsere Religionen und unsere Sitten passen absolut nicht mehr in unsere Zeit“, ist schon ziemlich vermessen – und völlig unabhängig vom Alter des Urhebers, auch wenn der regelmäßiger Besucher eines Forschungszentrums ist, in dem er sein eigenes Projekt hat. Denn wenn man sich die Welt von heute ansieht, kann man ganz sicher auch zu einer völlig anderen Ansicht gelangen, nämlich dass Religionen in diesen Tagen wichtiger denn je sind. “Die Evolutionstheorie beantwortet nicht die Frage nach dem intentionalen Ursprung und nach dem Sinn des Lebens”, hat es der katholische Theologe Markus Vogt vom Lehrstuhl für Christliche Sozialethik der Uni München einmal in einer Diskussion formuliert. “Ohne Gott hängt die Welt im Leeren.” Ich will das an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, zumal wohl klar ist, dass man so eine Frage nicht mal eben mit einem Federstrich abhandeln kann. Was soll ich sagen? Jason selbst mache ich keinen Vorwurf. Mag er noch so intelligent sein, aber als Zwölfjähriger kann er unmöglich überblicken, auf welche Diskussion er sich mit dieser seiner Aussage eingelassen hat. Energischer Widerspruch ist da vorprogrammiert. Hier wären Vater und Lektoren gefordert gewesen, Jason zu schützen. So aber wird der „Krieg im Kopf“, in seinem Kopf, auch bei dieser Frage weitergehen: „Oft habe ich alle möglich Dinge im Kopf“, schreibt er in seinem Glossar, „Da ist wirklich alles dabei. Es ist so viel, dass, wenn man versucht, die Gedanken zu ordnen, man nur scheitern kann. Diese rasenden Gedanken überfordern mich.“ Da wird es ihn wenig trösten, dass er damit ganz sicher nicht alleine ist.

                                                                              Mirco von Juterczenka, Wir Wochenendrebellen                                                  Benevento, Salzburg/München, 2017, 244 Seiten, 20,00 Euro, IBAN: 978-3710900174

Beruhigend: Natur, Technik, Kunst

Da hat sich der Sommer ja doch noch mal gemeldet. Dank des wunderbaren Zusammenspiels von Hurrikan Ophelia und Hoch Tanja erleben wir in unseren Breitengraden einen wahrhaft goldenen Oktober mit blauem Himmel und Sonnenschein. Für viele scheint dabei der Hochsommer ausgebrochen zu sein. Leicht bekleidet nur mit Bermuda-Short und Hawaii-Hemd bevölkern Jung und Alt Stadt und Land und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Oma und Opa haben mit ihrer Ältesten und deren Sohnemann den Natur-Park Schöneberger Südgelände in Berlin in Augenschein genommen und festgestellt: Ein Besuch lohnt sich – zumal der Eintritt von einem Euro für jeden Erwachsenen durchaus moderat ist. Besonders faszinierend ist, auf dem Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs zu beobachten, wie sich die Natur ihr Terrain zurückerobert, wenn man sie denn nur lässt. Was soll ich sagen? Wer genügend Fantasie aufbringt und kein Problem damit hat, wenn pure Natur, alte Technik und bildende Kunst miteinander kombiniert werden, ist hier genau richtig. Ein beruhigender Pol inmitten einer pulsierenden Metropole: Ooch dit is Berlin. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

 Sonntagsausflug: Auf dem Weg in den Natur-Park Schöneberger Südgelände in Berlin.

Seit 1320 aktenkundig

Nicht nur Opas Familie trifft sich zu Familienfesten. Auch Omas Angehörige in den Niederlanden sind jetzt vom Familientreffen-Fieber gepackt worden. Und beim ersten Treffen im Gemert, wo die Familie Mickers seit 1320 aktenkundig ist, wurde sogar ein ganzes Neubaugebiet nach ihnen benannt: Mickershof. Hätte nicht Sturm „Xavier“ dazwischengefunkt, wäre Oma ja dabei gewesen. So blieb ihr nur, sich jetzt die Fotos anzusehen und das Treffen in der Zeitung nachzulesen. Was soll ich sagen? Hoffentlich hat sie beim nächtsen Mal mehr Glück. Und vielleicht hat ja auch Opa Zeit, dann ist der Berliner Zweig der Familie zumindest in unserer Generation vollständig vertreten.

 Nach der Namens-Enthüllung durchs jüngste Familienmitglied ging’s zum Stammbaum.

Men’s Health Dad: Opa ist wieder

Die neue Ausgabe von Men’s Health Dad ist da und ab morgen am Kiosk zu haben. Und wer ist wieder mit von der Partie? Na klar, Opa natürlich. Bei der Gewissensfrage gebe ich – neben Mario Förster von Netpapa, Sven Trautwein von Zwillingswelten und Kai Bösel von Daddylicious – meinen Senf dazu und antworte auf die Frage: Können Väter und Kerle ohne Kinder Freunde sein? An anderer Stelle gibt es von mir Rezepte und Tipps, wie man mit Kinder kochen kann. Was soll ich sagen? Men’s Health Dad und Opa, ein generationsübergreifendes Dreamteam. Wer es sich nicht kauft und liest, ist selber schuld.

Die neue Men’s Health Dad ist ab morgen am Kiosk zu haben. Und Opa ist wieder dabei.

Natur mit Demut begegnen

Die Auswirkungen von Sturm “Xavier” halten nicht nur die Bahn auf Trab, sondern haben auch Omas Pläne durchkreuzt. Eigentlich wollte sie ja am Samstag zu einem Familienfest nach Holland fahren – und zwar mit dem Zug. Doch der fiel aus, weil die Strecke nach wie vor nicht befahrbar war. Aber nicht nur Bahnstrecken sind noch gezeichnet vom Sturm. Auch die Straßen rund um Omas und Opas Domizil sehen ziemlich wüst aus. Als am Freitag jemand etwas bei uns etwas abholen wollte, lautete der Kommentar nur lapidar: “Das war wie eine Schnitzeljagd.” Zeitweilig waren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft fünf Straßen gesperrt, weil ein Baum die Durchfahrt versperrte. Was soll ich sagen? Derartige Extremsituationen lehren uns wieder ein wenig Demut. Die Menschen in den Bergen und an der See wissen um die Naturgewalten und respektieren sie. Wir in den Städten, die glauben, alles sei jederzeit machbar, müssen daran hin und wieder erinnert werden. Bleiben Sie gesund und ein schönes Wochenende …

Zeitweilig waren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft fünf Straßen gesperrt, weil ein Baum die Durchfahrt versperrte.

 

Quitten-Produktion verdoppelt

Irgendwie scheint der grüne Daumen bei uns wieder zu funktionieren, nachdem er sich in Sachen Peperoni ja fast gänzlich verabschiedet hatte. Jedenfalls sind in diesem Jahr unsere Quitten derart gewachsen, dass wir ganz stolz vermelden können: Produktion verdoppelt. Waren es 2016 noch 15 Früchte, die unser damals gerade einmal drei Jahre alter Baum trug, glänzte er heuer mit über 30 Quitten – und einige davon über ein Pfund schwer. Apropos glänzen: Omas älteste Schwester hat uns einen Zeitungsartikel aus Holland zukommen lassen, in dem sich eine wunderbare Beschreibung eines Quittenbaumes findet: Er erinnert an einen geschmückten Weihnachtsbaum, in dem die Früchte sorgsam aufgehangen wurden. Und noch eine interessante Information gab’s gleich noch dazu: Das Holz der Quitte ist so elastisch, dass es selbst unter der schwersten Last kaum bricht. Was soll ich sagen? Omas Quittenverwertung läuft auf vollen Touren: Quitten-Chuttney, Quitten-Gelée, Quittenbrot – Oma ist so richtig in ihrem Element.

Wahre Prachtexemplare hat in diesem Jahr unser Quittenbaum hervorgebracht.