Wenn’s der Schule reicht …

Es ist nicht zu fassen, wie die Zeit vergeht: Gerade noch war Einschulung und jetzt hat unser ältester Enkel schon sein erstes Zeugnis bekommen. Damit gehört er zu fast 700.000 Schülern in Berlin und Brandenburg, die nunmehr Sommerferien haben. Passend dazu schien die Sonne und machte Lust auf mehr. Allerdings herrschte nicht für alle eitel Sonnenschein. Denn so manches Zeugnis ließ dunkle Wolken am Elternhimmel aufziehen. Während unser Großer sein erstes Jahr mit Bravour gemeistert hat, gibt es aber auch Kinder, deren Noten für Ärger vor allem bei den Eltern sorgen. Was soll ich sagen? Denen möchte ich die Weisheit einer alten Dame mit auf den Weg geben, die sie mir gegenüber immer hat gelten lassen und die ich später gerne bei meinen Kindern übernommen habe: Wenn’s der Schule reicht, reicht’s mir schon lange. Das ist ziemlich cool und relaxed und nimmt eine Menge Druck vom Kessel. So Sie betroffen sind, denken Sie darüber nach. Es macht das Leben, dessen Ernst schnell genug kommt, etwas leichter.

PS: Unser jüngster Enkel ist dann nächstes Schuljahr auch dran. Doch jetzt sind erst einmal Ferien.

Nichts ist jemals zu Ende gedacht

„Wer sind eigentlich die Eltern von Gott?“, lautet der Titel eines Büchleins, das mir heute auf den Schreibtisch geflattert ist und aus der Feder von Silvia Plahl stammt. Gestellt hat die Frage ein neunjähriger Junge im Philosophieunterricht einer Grundschule in Mecklenburg-Vorpommern, den die Bildungsjournalistin über einen längeren Zeitraum als Gastschülerin begleitet und nun auf 160 Seiten dokumentiert hat. Und wenn man die Seiten so durchblättert und beispielsweise Gedanken liest wie „Mal hat man Glück – mal hat man Nicht-Glück. Wenn man immer Glück hat, dann ist das Glück nicht mehr schön.“ oder „In einem Freundschaftsbuch wird immer gefragt: Möchtest du ein Superstar sein? Da kreuze ich immer ‚Nein‘ an.“, dann erkennt man sehr schnell: Hier geht es nicht um das Geplapper von Kindern, sondern um existenzielle Gedanken über Gott und die Welt und das Leben. Die Autorin hat leider recht, wenn sie schreibt: „Wir amüsieren uns über den Kindermund, aber wir nehmen das unerschrockene und unbedarfte Denken der Kinder nicht wirklich ernst oder nicht ernst genug.“ Es sind vielleicht nicht alle Erwachsenen, aber doch viele. Was soll ich sagen? Es lohnt ganz sicher, das Buch zu lesen und in die Gedankenwelt der Kinder einzutauchen. „Im besten Fall wird dieses Buch Sie nachdenklich stimmen, und Sie lassen sich vom Philosophieren und von den Fragen der Kinder herausfordern, um sich mit ihnen auf Augenhöhe Altes und Neues durch den Kopf gehen zu lassen. Dazu muss man immer wieder innehalten und sich Zeit geben. Und man muss sich auf das Gedankenspinnen und die Spontaneität einlassen. Nichts ist jemals zu Ende gedacht. Philosophieren ist weit mehr als nur ein Frage-und-Antwort-Spiel. An jedem erdenklichen Ergebnis gibt es neue Rätsel und mehr Fragen als Antworten“, so die Journalistin in ihrem Vorwort. Wohl wahr.

                                                                                    Silvia Plahl, Wer sind eigentlich die Eltern von Gott?                                                      Rowohlt Verlag, Reinbeck, 2017, 160 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-499-63228-0

Wer hoch hoch hinaus will …

Aus Kindern werden Leute. Das ist auch bei unseren Enkelsöhnen so. Unser ältester beispielsweise macht mittlerweile Dinge, für die er meinen ganzen Respekt genießt. So war er letztens mit seinen Eltern in einer Kletterhalle und ist – jetzt halten Sie sich fest – bis unter die Decke geklettert. Abgesehen einmal davon, dass ich vermutlich nicht einmal den ersten (Kletter-)Stein geschafft hätte, weil der vermutlich abgebrochen wäre, erscheint mir die Wand doch ein bisschen hoch – zumal ich jetzt im Alter ohnehin ein wenig Höhenangst habe. Was soll ich sagen? Wer hoch hinaus will, das wusste schon Zen-Meister Seo Yoon-Nam, muss unten anfangen. Wohl wahr …

Ganz schön mutig und hoch hinaus ist da unser ältester Enkel geklettert.

Freue dich aufs neue …

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende. Was soll ich dazu sagen? Ich versuch’s mal mit dem 2005 verstorbenen Unternehmer und Publizisten Karl-Heinz Söhler, der uns wissen ließ: „Wenns alte Jahr erfolgreich war,/ Mensch freue dich aufs neue,/ und war es schlecht,/ ja, dann erst recht.“ In diesem Sinne wünschen Oma und Opa einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Und es gibt ihn doch …

Die Fragen “Gibt es das Christkind? oder “Gibt es einen Weihnachtsmann?” sind vermutlich so alt wie das Christkind bzw. der Weihnachtsmann selber. Eine der wohl bewegendsten und anrührendsten Antworten hat im Jahre 1897 Francis P. Church in der New York Sun gegeben, der im Auftrag seines Chefredakteurs folgende Leserzuschrift beantwortete: “Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Was in der Sun steht, stimmt.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon. 115 West Ninety-fifth Street.”

“Virginia”, beginnt der Text von Church, der bis zur Einstellung der “Sun” 1950 alle Jahre zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt wurde und nunmehr jedes Jahr an Heilig Abend auf Opas Blog erscheint, “deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht. Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.

Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehn mal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit glücklich zu machen.”

Was soll ich sagen?

Recht hat Church, und schöner kann man es auch nicht sagen. In diesem Sinne wünschen Oma und Opa allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten.

Gelassenes Zukunftsdenken

Als Großvater, das ist wohl auch altersbedingt, macht man sich mehr Gedanken um die Zukunft als in jüngeren Jahren. Umso interessanter findet man Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein solches Buch ist „Der leise Atem der Zukunft“ von Ulrich Grober. Der bekannte Autor der beiden Klassiker „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ und „Vom Wandern“ geht erneut auf Wanderschaft und macht sich auf die Suche nach nachhaltigen Werten in Zeiten der Krise, die er im ganzen Lande aufsteigen sieht. Drei Jahre war Grober unterwegs – quer durch das Land: Wolfsburg und Erfurt, Ruhrgebiet und Breisgau. „Was also bleibt nach dieser lange Reise?“, fragt sich der Autor und beantwortet dies mit 15 Fragmenten, von denen hier vier im Sinne von pars pro toto wiedergegeben werden: „No future? Unterhalten sich zwei Embryonen im Mutterleib. Fragt der eine: Du, was meinst du, gibt es ein Leben nach der Geburt? Antwortet der andere: Man weiß es nicht. Es ist noch niemand zurückgekommen. … Auch Scheitern ist produktiv, >Immer wieder versucht. Immer wieder gescheitert. Egal! Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.< (Samuel Beckett). Doch dem wäre heute, da das Zeitfenster für die Lösung der Probleme schmaler wird, hinzuzufügen: Es gelingt hier. Es gelingt dort. Es gelingt an vielen Stellen. Es gelingt immer besser. Wenn es hier geht, geht es überall. … Die lange Kette der nachfolgenden Generationen beginnt mit unseren Kindern und Enkeln. Sie sind unsere Kontaktpersonen zur Zukunft. Das bedeutet freilich nicht, den Jungen alle Verantwortung für die Zukunft aufzubürden. Kindheit muss ein geschützter Raum, ein Freiraum bleiben. Eine Zeit, in der man sich spielerisch ausprobieren kann, Spielräume und Experimentierfelder entdecken, über die Stränge schlagen, Grenzen erkunden darf. Nachhaltigkeit ist Teil der jeweiligen Erwachsenenkultur. … Letzte Gewissheiten: Wir sind Sternenstaub. Wir sind Humus. Die Erde dreht sich weiter.“ Was soll ich sagen? Also, ich finde den letzten Satz irgendwie beruhigend und sage Danke für diese Fragemente eines gelassenen Zukunftsdenkens.

titel_grober_streifzuege_fb_presse                                                                                   Ulrich Grober, Der leise Atem der Zukunft                                                                  Oekom verlag München, 2016, 320 Seiten, 19,95 €, ISBN-13: 978-3-86581-807-2

Multicastingfähig!?!

Die Emanzipation ist noch nicht in Sack und Tüten. Nach wie vor kämpfen Frauen hartnäckig an der Gleichberechtigung ihrer Geschlechtsgenossinnen und versuchen auch noch, dass diese sogar die Nase vorn haben. Manchmal allerdings enden diese Versuche als ziemliche Rohrkrepierer. Ein Beispiel haben Oma und Opa sozusagen live miterlebt. Als wir am Samstag in unserem Supermarkt einkaufen waren, wurden wir Zeugen, wie eine der Kassiererinnen vehement die Werbetrommel für Frauen rührte. Ihre Berliner Eloquenz gipfelte in der völlig selbstverständlichen Aussage: „Schließlich sind wir Frauen ja auch multicastingfähig!“ Was soll ich sagen? Bei dem, was Frauen alles können, kann man da auch schon mal durcheinander kommen …. Gelacht haben wir erst draußen!

Von Topf und Deckel

Wer glaubt, die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich würde alle anderen Themen als König Fußball in den Hintergrund drängen, hat sich schwer getäuscht. Selbst wenn gerade ein Spiel läuft, kann es hoch philosphisch werden. Als Oma und ich in den vergangenen Tagen eine der letzten Gruppenbegegnungen verfolgten und dabei die dort kickenden Herren der Schöpfung etwas näher betrachteten, versuchte Oma angesichts der Attraktivität einiger Spieler zu ergründen, wieso so viele mit bildhübschen und langbeinigen Models liiert sind. Auf meinen Hinweis, dass am Ende irgendwie auf jeden Topf ein Deckel passt, entgegnete sie trocken: „Ja, wenn der Topf dann noch mit viel Geld gefüllt ist, fällt es dem Deckel auch viel leichter.“ Was soll ich sagen? Es kann natürlich auch ganz anders sein und die alte Regel gelten: Schön ist, was gefällt.

Zeit für das Wichtigste

Wissen Sie, wie viel Zeit Sie in Ihrem Leben damit verbringen, E-Mails in den Papierkorb zu schieben, oder wie viel Zeit Sie verschlafen? Nein!?!? Dann habe ich etwas für Sie. Es ist zwar das Werbefilmchen einer Vermögensberatung, aber trotzdem witzig gemacht. Vor allem aber regt es zum Nachdenken an, was man so alles mit seiner eigenen Zeit anstellt. Was soll ich sagen? Für Oma und Opa ist ganz klar: Die Zeit mit unseren Enkeln und Kindern ist uns am wichtigsten und durch nichts zu ersetzen.

PS: Auf dem Blog Z wie Zeit gibt es zu dem Thema noch mehr …

Fragen über Fragen

Unser ältester Enkel hatte neulich eine Frage an Opa: „Jeden Tag fängt ein neuer Tag an, Tag für Tag, hört das auch mal auf?“, wollte er von mir wissen. Nun hätte ich es mir einfach machen können, indem ich kurz und knapp geantwortet hätte: „Nein, nie“, obwohl ich das ja auch nicht ganz sicher weiß. Denn irgendwann soll ja mit der Ausdehnung des Universums Schluss sein und sich das Ganze wieder zusammenziehen. Und auch die Frage „Was war denn vor dem Urknall“ steht da noch im (Welt-)Raum, der bekanntlich unendliche Weiten enthält – was sich ja wie ein Widerspruch an sich anhört. Bliebe noch das Problem Sonne, bei der ja auch irgendwann einmal das Licht ausgehen soll. Also Fragen über Fragen, die nicht nur an den Grundfesten meines Verstandes rütteln, sondern sicher auch an dem ganzer Generationen von Wissenschaftlern, die sich auch künftig mit der Unendlichkeit beschäftigen werden. Was soll ich sagen? Zwei Dinge fallen mir da spontan ein. Erstens: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Und zweitens: Die Zukunft war auch schon mal besser. Aber das habe ich meinem Enkel natürlich nicht gesagt. Der Rest bleibt heute mal mein Geheimnis.

KosmosDer Kosmos (gemalt von Oma in 2005): Unendlich oder mit Anfang und Ende?