Peinlich, peinlich

Ehe man sich versieht, ist auch schon wieder eine Woche vorbei. Und irgendwie hat man das Gefühl, im Dezember vergeht die Zeit noch schneller, zumal Weihnachten immer so plötzlich vor der Türe steht. Abendtermin jagt Abendtermin, alles – im beruflichen wie privaten Bereich – soll noch schnell vor dem Jahresende erledigt werden, Weihnachtsgeschenke müssen eingekauft, Weihnachtsgrüße verschickt werden, und und und. Kein Wunder, dass man da ins Schleudern kommt. Und Opa ist heuer etwas besonders Peinliches passiert. Bei seinen elektronischen Weihnachtskarten nämlich hat der Fehlerteufel unbarmherzig zugeschlagen und statt des Jahres 2018 noch einmal das Jahr 2017 bemüht. Aber geschehen ist geschehen. Es soll nicht wieder vorkommen. Versprochen. Was soll ich sagen? Man darf sich einfach auch im Dezember nicht ins Bockshorn jagen lassen und sollte mit der nötige Ruhe und Gelassenheit alles nach und nach abarbeiten. Und was nicht geschafft wird, ist dann eben erst nächstes Jahr dran. In diesem Sinne ein ruhiges Adventswochenende und bleiben Sie gesund …

Natur mit Demut begegnen

Die Auswirkungen von Sturm “Xavier” halten nicht nur die Bahn auf Trab, sondern haben auch Omas Pläne durchkreuzt. Eigentlich wollte sie ja am Samstag zu einem Familienfest nach Holland fahren – und zwar mit dem Zug. Doch der fiel aus, weil die Strecke nach wie vor nicht befahrbar war. Aber nicht nur Bahnstrecken sind noch gezeichnet vom Sturm. Auch die Straßen rund um Omas und Opas Domizil sehen ziemlich wüst aus. Als am Freitag jemand etwas bei uns etwas abholen wollte, lautete der Kommentar nur lapidar: “Das war wie eine Schnitzeljagd.” Zeitweilig waren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft fünf Straßen gesperrt, weil ein Baum die Durchfahrt versperrte. Was soll ich sagen? Derartige Extremsituationen lehren uns wieder ein wenig Demut. Die Menschen in den Bergen und an der See wissen um die Naturgewalten und respektieren sie. Wir in den Städten, die glauben, alles sei jederzeit machbar, müssen daran hin und wieder erinnert werden. Bleiben Sie gesund und ein schönes Wochenende …

Zeitweilig waren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft fünf Straßen gesperrt, weil ein Baum die Durchfahrt versperrte.

 

Leitmedium des 21. Jahrhunderts

Es kommt leider nicht (mehr) sehr oft vor, dass ich von journalistischen Kollegen schwärme. Aber heute muss ich es (wieder) einmal tun, zumal es längst überfällig ist. Die Rede soll von Gabor Steingart sein, seines Zeichens Herausgeber des Handelsblattes und regelmäßiger Autor des unter diesem Dach erscheinenden Morning Briefings. Dieses ist für Opa – ebenso wie für Oma – ein unverzichtbares Muss geworden. Meistens lesen wir diese morgentliche Einstimmung noch im Bett, ehe wir uns dann daran machen, den Tag bestens informiert zu beginnen. In dieser Woche, um nun zum eigentlich Thema zu kommen, hat sich Steingart selbst übertroffen und mit einem Satz in die Diskussion um Leitmedien eingeschaltet, der in Stein gemeißelt werden sollte: “Das Leitmedium des 21. Jahrhunderts ist der Mensch.” Während die einen (noch) meinen, Social Media sei das Leitmedium des 21. Jahrhunderts, erklären andere, dies seien nunmehr Spiele. Wie auch immer, angesichts der unaufhaltsamen und in einigen Bereichen sogar dringend notwendigen Digitalisierung unseres Lebens erscheint gerade die Rückbesinnung auf den Menschen die richtige Antwort auf die berechtigten Fragen vieler verunsicherten Mediennutzer. Was soll ich sagen? Hoffentlich machen sich viele Medienmacher Steingarts Satz zu eigen und verabschieden sich endlich von dem Motto, das ganz offensichtlich nach wie vor selbst in großen Verlags- und Medienhäusern gilt: Bei uns steht der Leser immer im Mittelpunkt – und damit ständig im Wege.

Wenn’s der Schule reicht …

Es ist nicht zu fassen, wie die Zeit vergeht: Gerade noch war Einschulung und jetzt hat unser ältester Enkel schon sein erstes Zeugnis bekommen. Damit gehört er zu fast 700.000 Schülern in Berlin und Brandenburg, die nunmehr Sommerferien haben. Passend dazu schien die Sonne und machte Lust auf mehr. Allerdings herrschte nicht für alle eitel Sonnenschein. Denn so manches Zeugnis ließ dunkle Wolken am Elternhimmel aufziehen. Während unser Großer sein erstes Jahr mit Bravour gemeistert hat, gibt es aber auch Kinder, deren Noten für Ärger vor allem bei den Eltern sorgen. Was soll ich sagen? Denen möchte ich die Weisheit einer alten Dame mit auf den Weg geben, die sie mir gegenüber immer hat gelten lassen und die ich später gerne bei meinen Kindern übernommen habe: Wenn’s der Schule reicht, reicht’s mir schon lange. Das ist ziemlich cool und relaxed und nimmt eine Menge Druck vom Kessel. So Sie betroffen sind, denken Sie darüber nach. Es macht das Leben, dessen Ernst schnell genug kommt, etwas leichter.

PS: Unser jüngster Enkel ist dann nächstes Schuljahr auch dran. Doch jetzt sind erst einmal Ferien.

Nichts ist jemals zu Ende gedacht

„Wer sind eigentlich die Eltern von Gott?“, lautet der Titel eines Büchleins, das mir heute auf den Schreibtisch geflattert ist und aus der Feder von Silvia Plahl stammt. Gestellt hat die Frage ein neunjähriger Junge im Philosophieunterricht einer Grundschule in Mecklenburg-Vorpommern, den die Bildungsjournalistin über einen längeren Zeitraum als Gastschülerin begleitet und nun auf 160 Seiten dokumentiert hat. Und wenn man die Seiten so durchblättert und beispielsweise Gedanken liest wie „Mal hat man Glück – mal hat man Nicht-Glück. Wenn man immer Glück hat, dann ist das Glück nicht mehr schön.“ oder „In einem Freundschaftsbuch wird immer gefragt: Möchtest du ein Superstar sein? Da kreuze ich immer ‚Nein‘ an.“, dann erkennt man sehr schnell: Hier geht es nicht um das Geplapper von Kindern, sondern um existenzielle Gedanken über Gott und die Welt und das Leben. Die Autorin hat leider recht, wenn sie schreibt: „Wir amüsieren uns über den Kindermund, aber wir nehmen das unerschrockene und unbedarfte Denken der Kinder nicht wirklich ernst oder nicht ernst genug.“ Es sind vielleicht nicht alle Erwachsenen, aber doch viele. Was soll ich sagen? Es lohnt ganz sicher, das Buch zu lesen und in die Gedankenwelt der Kinder einzutauchen. “Im besten Fall wird dieses Buch Sie nachdenklich stimmen, und Sie lassen sich vom Philosophieren und von den Fragen der Kinder herausfordern, um sich mit ihnen auf Augenhöhe Altes und Neues durch den Kopf gehen zu lassen. Dazu muss man immer wieder innehalten und sich Zeit geben. Und man muss sich auf das Gedankenspinnen und die Spontaneität einlassen. Nichts ist jemals zu Ende gedacht. Philosophieren ist weit mehr als nur ein Frage-und-Antwort-Spiel. An jedem erdenklichen Ergebnis gibt es neue Rätsel und mehr Fragen als Antworten”, so die Journalistin in ihrem Vorwort. Wohl wahr.

                                                                                    Silvia Plahl, Wer sind eigentlich die Eltern von Gott?                                                      Rowohlt Verlag, Reinbeck, 2017, 160 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-499-63228-0

Wer hoch hoch hinaus will …

Aus Kindern werden Leute. Das ist auch bei unseren Enkelsöhnen so. Unser ältester beispielsweise macht mittlerweile Dinge, für die er meinen ganzen Respekt genießt. So war er letztens mit seinen Eltern in einer Kletterhalle und ist – jetzt halten Sie sich fest – bis unter die Decke geklettert. Abgesehen einmal davon, dass ich vermutlich nicht einmal den ersten (Kletter-)Stein geschafft hätte, weil der vermutlich abgebrochen wäre, erscheint mir die Wand doch ein bisschen hoch – zumal ich jetzt im Alter ohnehin ein wenig Höhenangst habe. Was soll ich sagen? Wer hoch hinaus will, das wusste schon Zen-Meister Seo Yoon-Nam, muss unten anfangen. Wohl wahr …

Ganz schön mutig und hoch hinaus ist da unser ältester Enkel geklettert.

Freue dich aufs neue …

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende. Was soll ich dazu sagen? Ich versuch’s mal mit dem 2005 verstorbenen Unternehmer und Publizisten Karl-Heinz Söhler, der uns wissen ließ: “Wenns alte Jahr erfolgreich war,/ Mensch freue dich aufs neue,/ und war es schlecht,/ ja, dann erst recht.” In diesem Sinne wünschen Oma und Opa einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Und es gibt ihn doch …

Die Fragen “Gibt es das Christkind? oder “Gibt es einen Weihnachtsmann?” sind vermutlich so alt wie das Christkind bzw. der Weihnachtsmann selber. Eine der wohl bewegendsten und anrührendsten Antworten hat im Jahre 1897 Francis P. Church in der New York Sun gegeben, der im Auftrag seines Chefredakteurs folgende Leserzuschrift beantwortete: “Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Was in der Sun steht, stimmt.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon. 115 West Ninety-fifth Street.”

“Virginia”, beginnt der Text von Church, der bis zur Einstellung der “Sun” 1950 alle Jahre zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt wurde und nunmehr jedes Jahr an Heilig Abend auf Opas Blog erscheint, “deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht. Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.

Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehn mal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit glücklich zu machen.”

Was soll ich sagen?

Recht hat Church, und schöner kann man es auch nicht sagen. In diesem Sinne wünschen Oma und Opa allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten.

Gelassenes Zukunftsdenken

Als Großvater, das ist wohl auch altersbedingt, macht man sich mehr Gedanken um die Zukunft als in jüngeren Jahren. Umso interessanter findet man Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein solches Buch ist „Der leise Atem der Zukunft“ von Ulrich Grober. Der bekannte Autor der beiden Klassiker „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ und „Vom Wandern“ geht erneut auf Wanderschaft und macht sich auf die Suche nach nachhaltigen Werten in Zeiten der Krise, die er im ganzen Lande aufsteigen sieht. Drei Jahre war Grober unterwegs – quer durch das Land: Wolfsburg und Erfurt, Ruhrgebiet und Breisgau. „Was also bleibt nach dieser lange Reise?“, fragt sich der Autor und beantwortet dies mit 15 Fragmenten, von denen hier vier im Sinne von pars pro toto wiedergegeben werden: „No future? Unterhalten sich zwei Embryonen im Mutterleib. Fragt der eine: Du, was meinst du, gibt es ein Leben nach der Geburt? Antwortet der andere: Man weiß es nicht. Es ist noch niemand zurückgekommen. … Auch Scheitern ist produktiv, >Immer wieder versucht. Immer wieder gescheitert. Egal! Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.< (Samuel Beckett). Doch dem wäre heute, da das Zeitfenster für die Lösung der Probleme schmaler wird, hinzuzufügen: Es gelingt hier. Es gelingt dort. Es gelingt an vielen Stellen. Es gelingt immer besser. Wenn es hier geht, geht es überall. … Die lange Kette der nachfolgenden Generationen beginnt mit unseren Kindern und Enkeln. Sie sind unsere Kontaktpersonen zur Zukunft. Das bedeutet freilich nicht, den Jungen alle Verantwortung für die Zukunft aufzubürden. Kindheit muss ein geschützter Raum, ein Freiraum bleiben. Eine Zeit, in der man sich spielerisch ausprobieren kann, Spielräume und Experimentierfelder entdecken, über die Stränge schlagen, Grenzen erkunden darf. Nachhaltigkeit ist Teil der jeweiligen Erwachsenenkultur. … Letzte Gewissheiten: Wir sind Sternenstaub. Wir sind Humus. Die Erde dreht sich weiter.“ Was soll ich sagen? Also, ich finde den letzten Satz irgendwie beruhigend und sage Danke für diese Fragemente eines gelassenen Zukunftsdenkens.

titel_grober_streifzuege_fb_presse                                                                                   Ulrich Grober, Der leise Atem der Zukunft                                                                  Oekom verlag München, 2016, 320 Seiten, 19,95 €, ISBN-13: 978-3-86581-807-2

Multicastingfähig!?!

Die Emanzipation ist noch nicht in Sack und Tüten. Nach wie vor kämpfen Frauen hartnäckig an der Gleichberechtigung ihrer Geschlechtsgenossinnen und versuchen auch noch, dass diese sogar die Nase vorn haben. Manchmal allerdings enden diese Versuche als ziemliche Rohrkrepierer. Ein Beispiel haben Oma und Opa sozusagen live miterlebt. Als wir am Samstag in unserem Supermarkt einkaufen waren, wurden wir Zeugen, wie eine der Kassiererinnen vehement die Werbetrommel für Frauen rührte. Ihre Berliner Eloquenz gipfelte in der völlig selbstverständlichen Aussage: “Schließlich sind wir Frauen ja auch multicastingfähig!” Was soll ich sagen? Bei dem, was Frauen alles können, kann man da auch schon mal durcheinander kommen …. Gelacht haben wir erst draußen!