Ab in die Kleiderkammer

Die Deutschen sind zu dick, sogar dicker als der EU-Durchschnitt. Nach einer EU-Statistik lag der Anteil adipöser Erwachsener zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen bei 16,9 Prozent gegenüber 15,9 Prozent europaweit. Auch Opa hat zu dieser Statistik beigetragen. Allerdings habe ich mittlerweile über 20 Kilogramm abgenommen und fühle mich pudelwohl. Das wiederum blieb auch anderweitig nicht ohne Folgen. Der Anteil an Kleidungsstücken, die jetzt überhaupt nicht mehr passten, war beachtlich gestiegen, so dass ich erst einmal kräftig ausgemistet habe. Doch das, was da in den Kleidersäcken gelandet ist – zum Teil Sachen, die ich vielleicht zwei Mal angehabt habe -, wandert nicht in den Müll, sondern in der Kleiderkammer der Franziskaner-Suppenküche in Berlin-Pankow. Dorthin fahren Oma und ich jetzt und geben die ausrangierten Stücke ab. Was soll ich sagen? Wer ebenfalls seinen Kleiderschrank ausmistet, sollte die Sachen nicht wegschmeißen. In der Nähe gibt es sicher eine Kleiderkammer, die sich freuen würde. Man muss nur ein bisschen recherchieren. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Erfinder ein richtiger Beruf?

Unseren jüngsten Enkel plagen derzeit wieder einmal Zukunftsüberlegungen. Jedenfalls ist er sich nicht sicher, ob er später einmal Erfinder werden soll, zumal er nicht genau weiß, ob das überhaupt ein richtiger Beruf ist. Als Oma einwandte, dass man auch neben seinem Beruf Erfinder sein könne, wie beispielsweise Deutschlands erster Bundeskanzler Konrad Adenauer, war er zunächst beruhigt, gab dann aber doch zu bedenken, dass die Berufswünsche bei ihm noch ziemlich oft wechselten. Was soll ich sagen? Wahrscheinlich ist es besser, den jungen Mann noch etwas im Unklaren zu lassen. Denn wenn ich ihm jetzt noch erzähle, dass er vermutlich mit dem, was er einmal gelernt haben wird, am Ende seines Berufslebens wie Opa gar nichts mehr zu tun hat – Opa hat mal Jura studiert und ist, nachdem er Journalist war, jetzt Kommunikationsberater – wird er gänzlich verzweifeln. Dass aber aus dem Kurzen mal was Richtiges werden wird, davon sind wir alle überzeugt.

Den Postboten sei Dank

Wer hat nicht schon mal über die Deutsche Post geschimpft? Aber gelobt? Das kommt eher seltener vor, wenngleich sich die Postboten alle Mühe geben, ihren Job so gut wie möglich zu erledigen. Und manchmal geschehen sogar noch Zeichen und Wunder. So wie jetzt, als Oma und Opa eine Traueranzeige aus den Niederlanden bekommen haben. Die war noch an unsere alte Adresse adressiert, für die der Nachsendeantrag bereits im Dezember 2011 (!!!) ausgelaufen war. Dennoch, der Brief erreichte uns (sogar ohne Verspätung), weil, wie die Postbotin Oma erzählte, sich ein Kollege an uns erinnert hat und sogar noch wusste, wohin wir gezogen waren. Was soll ich sagen? Das ist ja fast wie auf dem Dorf, in dem jeder jeden kennt. Und das in Berlin.

PS: Die Postbotin berichtete weiter, dass sie und ihre Kollegen insbesondere bei Todesanzeigen immer versuchen, den Empfänger ausfindig zu machen und die Nachricht in jedem Falle zuzustellen.

Die Todesanzeige erreichte Oma und Opa trotz falscher Adresse, den Postboten sei Dank.

So Ehre denn, wem Ehre gebührt

Das schafft nicht jeder. Seit kurzem ist Berlins Zwei-Sterne-Koch Tim Raue auch auf Netflix zu sehen. Der amerikanische Streamingdienst widmet dem 42-Jährigen eine eigene Folge in der Serie „Chef’s Table“. Diese Ehre ist bislang noch keinem Koch aus Deutschland zuteil geworden. Um die Folge zu sehen, muss man allerdings Netflix abonniert haben. Wer das nicht hat und den Schirmherrn von KINDER | KOCHEN trotzdem kennenlernen will, kann dies auf der Seite von Berlin vis-à-vis tun. Dort habe ich Tim Raue in meiner Kolumne Berlin-Macher porträtiert. Was soll ich sagen? Halten wir’s mit Johann Wolfgang von Goethe: So Ehre denn, wem Ehre gebührt!

 Aktion: Berlins Sterne-Koch Tim Raue.

Es soll ganz viele geben

Opa ist, zumindest soviel ich weiß, bislang der einzige Blogger in Deutschland, der als bloggender Großv@ter seine Gedanken zum Besten gibt. Das könnte sich jetzt bald ändern. Ich will nicht zu viel verraten, weil man ja nie weiß. Aber es gibt da einen anderen Großvater, der angespornt durch diesen Blog, wild entschlossen ist, entsprechend aktiv zu werden. Demnächst reist er sogar zu einem Blogger-Workshop. Insofern darf man gespannt sein, was dabei herauskommt. Auf meine Unterstützung, das verspreche ich hiermit, kann er jedenfalls zählen. Wenn es soweit ist, lasse ich es wissen. Was soll ich sagen? Es kann nur einen geben, hieß es beim Highlander. Bei uns Opas ist das anders. Da kann es nur heißen: Es soll ganz viele geben.

Ein gutes Beispiel

Er ist einer der besten Köche der Welt. An ihm orientieren sich quer über den Globus unzählige Profi- und Hobbyköche. Dabei war es ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt, in den Olymp der Sterneköche aufzusteigen. Im Chalet Swiss, in dem er eine Lehrstelle fand, war er „froh, einen Job zu haben, der mir das Überleben und eine eigene Wohnung sicherte.“ Wenig später, Raue hatte gerade seine Ausbildung abgeschlossen und war über das Auerbach ins Schloss Glienicke gekommen, erkannte er: „Man muss die Dinge nicht so machen, wie man sie in der Kochausbildung lernt, man muss den Erwartungen der Gäste nicht entsprechen. Man kann andere Wege gehen, man muss es sogar.“ Und, Gott sei Dank, tat er das dann auch. Was soll ich sagen? Nicht nur weil Raue Schirmherr von KINDER | KOCHEN ist, das Opas Blog von Anfang an unterstützt hat, sondern weil die Lebensgeschichte dieses Kreuzberger Jungen für viele jungen Menschen hier in Berlin und anderswo ein gutes Beispiel ist, wie man sein Leben in die eigene Hand nehmen und mit Disziplin und Fleiß etwas daraus machen kann, sollte Raues neues autobiografisches Kochbuch My Way zur Pflichtlektüre in den Schulen gemacht werden. Es braucht nicht immer den American Dream, ein deutscher Traum tut’s auch.

Sollte Pflichtlektüre in Schulen sein: Tim Raues neues autobiografisches Kochbuch My Way.

Ein Wow-Brief vom Finanzamt

Nicht jeder Brief vom Finanzamt macht Freude. Doch jetzt ist bei uns ein Schreiben vom Berliner Finanzamt für Körperschaften I hereingeflattert, da war ich mehr als angenehm überrascht und nahezu sprachlos. „Sehr geehrter Herr Untermann“, schreibt da der Vorsteher des Amtes, „ich freue mich, Ihnen die Bestätigung, dass der Verein Kinder | Kochen e.V. satzungsmäßig steuerbegünstigten Zwecken dient, zu überreichen und danke Ihnen persönlich für Ihr bürgerschaftliches Engagement in Berlin.“ Wow!!! Dafür kann ich wiederum nur danken und das Kompliment zurückgeben. Denn auch die Zusammenarbeit mit dem Finanzamt in der Gründungsphase hätte besser nicht sein können. Genau so wünscht man sich das Miteinander von Bürgern und Verwaltung. Was soll ich sagen? Da kann man mal sehen, dass es auch anders geht. Vielleicht macht so ein Beispiel ja Schule.

fabriefSolche Briefe wünscht man sich vom Finanzamt: Ein tolles Beispiel für Bürgernähe.

Früher war mehr Schlitten …

Der gemeinnützige Verein „Santa Claus on Road e.V.“ hat auch in diesem Jahr wieder die Berlin Christmas Biketour veranstaltet. Biker, verkleidet als Weihnachtsmänner, Engel oder Rentiere, sind am Samstag durch die Stadt gefahren, um Bedürftigen mit Hilfe von Spenden auch ein schönes Fest zu ermöglichen. Ziel war es, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass es nicht allen Menschen gut geht und dass jeder etwas gegen Armut unternehmen kann. Es war bereits das 19. Mal, dass die Berlin Christmas Biketour stattgefunden hat. Was soll ich sagen? Frei nach Opa Hoppenstedt: Früher war mehr Schlitten! Dennoch: Eine tolle Idee!

img_4108  img_4106  Es war bereits das 19. Mal, dass die Berlin Christmas Biketour stattgefunden hat. 

 

Das ist Fairplay!

Eine Negativ-Schlagzeile jagt die andere: Fußballer soll Steuern hinterzogen haben, Wettbetrug im Fußball, Timo Werner kommt nach seiner Schwalbe straffrei davon – und und und. Der Sport, insbesondere der Fußball, droht unter die Räder zu kommen. Und doch gibt es immer wieder Lichtblicke. Einen davon hat es am vergangenen Samstag in der Fußball-Landesliga beim Spiel von Germania Schöneiche in Kolkwitz gegeben. Da hat der Spielertrainer von Germania, Paul Mitscherlich, absichtlich einen zu Unrecht gegebenen  Elfmeter verschossen, indem er ihn einfach zum Torwart zurückgespielt hat. Und das bei einem Spielstand von 0:1 – aus Sicht von Germania. Dabei hätten die Mannen von Mitscherlich den einen Punkt gut gebrauchen können, ist seine Mannschaft doch nur drei Punkte vom Tabellenkeller entfernt. „Wissen Sie, ich bin nicht nur Kapitän und mit 33 Jahren einer der Erfahrensten, sondern gleichzeitig auch der Trainer. In diesem Moment ging es nicht nur um Punkte, sondern darum, Vorbild zu sein. Und was für ein Vorbild wäre ich, wenn ich als Trainer auch noch aktiv beim Betrügen mithelfe?“, begründete Mitscherlich im Tagesspiegel seine Handlung, die nicht bei allen seiner Mitspieler gut ankam. Aber die meisten hatte er wohl auf seiner Seite, was immerhin Anlass zur Hoffnung gibt. Was soll ich sagen? Das ist Fairplay! Insofern will ich noch einmal den 33-Jährigen zitieren, der zu Werners Schwalbe beim Spiel Leipzig gegen Schalke erklärte: „Was bitte ist daran clever? Ist clever jetzt ein Synonym für Betrügen? Sich einen Tag später hinzustellen und zu sagen: ‚Es war eine Schwalbe‘, das ist nicht schwer. Schwer ist es, auf dem Platz zuzugeben, dass es eine Schwalbe war. Die Kultur der Fairness hat im Sport allgemein sehr gelitten und wenn die Profis, also die Aushängeschilder ihrer Sportarten, auch noch so tun, als wäre Betrug nur eine andere Bezeichnung für Cleverness, dann haben wir ein Problem.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Jeder kann St. Martin sein

„Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf, mein Licht,
brenne auf, mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht!“

Heute wird St. Martin gedacht, dem dritten Bischof von Tours und einem der wohl bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Die Geschichte von seinem Mantel, den er für einen armen unbekleideten Mann geteilt hat, dürfte selbst in Berlin bekannt sein, die Sache mit der Martinsgans vielleicht weniger. Also: Als die Stadt Tours hinter Martin her war und ihn zum Bischof machen wollte, versteckte dieser sich, weil er sich des Amtes unwürdig empfand, in einem Gänsestall. Doch das Federvieh schnatterte aufgeregt drauf los und verriet den guten Mann, was der Legende nach dazu führte, dass seitdem am Fest des Heiligen Martinsgänse zubereitet werden. Wie dem auch sei: Am Martinstag finden die meisten Laternenumzüge statt. Der Kindergarten unseres jüngsten Enkels allerdings ließ bereits vor ein paar Tagen die Kinder mit ihren Laternen durch den Bäkepark spazieren. Dabei fand, wenn man so will, auch eine Kleiderteilung statt. Als unser kleiner Mann nämlich feststellte, dass Oma nur einen Handschuh trug, wollte er von ihr dafür den Grund wissen. „Ich habe den anderen Deiner Tante gegeben, damit sie nicht so an den Händen friert“, entgegnete sie, was wiederum die Frage provozierte: „Bist Du etwa St. Martin?“ Was soll ich sagen? Jeder kann St. Martin sein, egal welcher Religion er angehört. Insofern sollte man das Fest auch nicht in Laternenfest umbennen, denn Laternen können bekanntermaßen nicht teilen.

img_3834Wenn das keine schöne Laterne ist …