Alles ein bisschen größer

Oma und Opa konnten es sich am Wochenende so richtig gut gehen lassen. Nachdem unsere Kinder ihr Eltern-Verschickungs-Programm wieder aufgelegt und uns nach Paris verfrachtet hatten, lautete das Motto: Leben wie Gott in Frankreich. Angesichts der Kilometer, die wir durch die französische Hauptstadt gelaufen sind, haben wir uns das aber auch verdient. Und das Huguette, das wir gleich am ersten Abend entdeckt hatten, wurde dann gleich zu unserem Stammlokal, das uns abends mit seinen Meeresfrüchten lockte. Verglichen mit Berlin ist Paris, man muss es so sagen, riesig: Die Entfernungen sind enorm, die Straßen lang und breit sowie die Gebäude gigantisch. Der Arc de Triomphe ist – wenn man sich das Brandenburger Tor daneben vorstellt – gewaltig. Vom Eiffelturm will ich gar nicht reden. Alles ist ein bisschen größer und weiter. Auch die Entfernungen, die man innerhalb der Metro zu Fuß zurücklegen muss, sind beachtlich. Was soll ich sagen? Mit einem aber kann Berlin mithalten, nämlich mit den Kaffee-Preisen. Als ich im Café Georges V auf den Champs-Élysées angesichts eines Preises von 7,20 Euro pro Café Creme ein wenig Schnappatmung bekam, meinte Oma nur lapidar: Im Adlon ist’s teurer. Dort kostet der Kaffee 7,50 Euro – wäre doch auch gelacht gewesen.

            

Wann sind wir da?

Was Friedrich Schiller und Ludwig van Beethoven wohl gesagt hätten, wenn sie die Ode an die Freude aus der 9. Sinfonie gehört hätten, wie sie heute von der Deutschen Bahn ins Netz gestellt wurde? Sie hätten vermutlich ihre wahre Freude gehabt. Denn die Schreihälse, die die Bahn da aufgetrieben hat, um die wohl häufigste Frage in deutschen Autos zu reproduzieren und inszensieren, sind der Hammer: „Wann sind wir da?“, tönt es zunächst nach Beethovens 5. Sinfonie und kommt einem seltsam bekannt vor. Opa musste an die vielen Urlaubsfahrten denken, bei denen meist noch keine 60 Sekunden vergangen waren, als bereits zum ersten Mal die bekannte Frage gestellt wurde. Geduld war jedenfalls auch nicht die Stärke unserer Töchter. Was soll ich sagen? In der Tat kann das Bahnfahren in diesen Tage komfortabler sein, als sich mit dem Auto über die Straßen zu quälen. Insofern trifft der Filmtitel, mit dem die Bahn für ihren Personenverkehr wirbt, voll ins Schwarze: Ode an die Familienreise.

Menzeline in Berlin

Oma und ich haben aufgegeben. Nachdem die Ausbeute von Omas Aussaat in den Vorjahren ausgesprochen mickrig war, haben wir die Peperoni-Zucht in diesem Jahr gänzlich eingestellt. Und damit wir gewürztechnisch gesehen wieder gut über den Winter kommen, ist uns Menzeline erneut zur Hilfe geeilt. Und dieses Mal sogar höchstselbst. Vor dem Wochenende noch haben wir uns in Berlin getroffen, wo sie uns die Peperoni übergab. Dass wir uns dabei nun endlich auch einmal persönlich kennengelernt haben, wär längst überfällig. Was soll ich sagen? Das Vergnügen war, das kann man wohl so feststellen, auf beiden Seiten gleichermaßen. Was Peperoni so alles bewirken können.

img_3819img_3758  Menzeline brachte die Peperoni selbst nach Berlin.

BER: Da lachen ja die Hühner!

Ob unsere Enkel jemals ein Flugzeug auf dem Berliner Hauptstadt-Flughafen BER besteigen oder verlassen werden, ist ungewisser denn je. Der Flughafen-Experte Dieter Faulenbach da Costa, der in der Vergangenheit mit seinen Prognosen zu dem Pleiten, Pech und Pannen-Airport bereits mehrfach recht gehabt hat, vertritt mittlerweile die Ansicht: „Der seit vier Jahren betriebene Umbau der Brandschutzanlage am BER wird die Inbetriebnahme des neuen Flughafens verhindern.“ Das heißt, so Faulenbach auch dieses Mal richtig liegt, dass dort im Süden Berlins eine Flughafen-Ruine übrig bleibt. Die Berliner Morgenpost, in der er seine Vorhersage abgegeben hat, hat sich sogleich fürsorglich des Themas angenommen und lässt ihre Leser über 16 Vorschläge abstimmen, was man mit dem dann ungenutzten Gelände machen könnte. Und da werden sich unsere Enkel sicher freuen. Denn in Führung liegt aktuell eine Paintball-Anlage, gefolgt von Filmkulissen und Messegelände. Dass der Skateparkt abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt, wird die beiden Buben dagegen weniger erfreuen. Was soll ich sagen? Da lachen ja die Hühner! Ich will ja jetzt nicht die Spaßbremse schlechthin sein. Aber wer glaubt denn wirklich, dass Berlin, Brandenburg oder der Bund da eine funktionierende Paintball-Anlage hinbekommen würde. Eher, um mal Jesus mit einem Bild zu bemühen, geht ein Kamel durchs Nadelöhr.

BERFarblich noch etwas eintönig: Die zentrale Vorfahrt des BER-Terminals. Das könnte sich aber ändern, wenn es keine Eröffnung gibt und dort eine Paintball-Anlage betrieben wird. Foto: Alexander Obst / Marion Schmieding, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

„Verschickung“ nach Barcelona

In diesem Jahr hat es wieder eine Eltern-„Verschickung“ gegeben – erneut mit Rückflug-Ticket, wie unsere Kinder betonten. Reiseziel war dieses Mal Barcelona, eine Stadt, die Oma und Opa schon vor langer Zeit in ihr Herz geschlossen haben. Obwohl wir ein wenig mit unseren Erkältungen zu kämpfen hatten, haben wir die Tage genossen. Das fing schon mit dem Hotel an, das Oma ausfindig gemacht hatte. Das Advance in der Carrer de Sepulveda 180 jedenfalls war ein solides Vier-Sterne-Hotel, das keine Wünsche offen ließ. Dabei haben wir sogar eine Premiere erlebt: Zimmernummer 1. Und eine kleine Terrasse gehörte auch noch dazu. Auf der haben wir dann am ersten Abend gleich den ersten kulinarischen Höhepunkt erlebt: 5 Jahre geräucherter Jamón Bellota von einem iberischen Schwarzschwein, das ausschließlich von Eicheln ernährt wurde. Der Schinken war so lecker, dass Opa ihn kurzum als spanisches Wagyū bezeichnet hat. Gekauft hatten wir den Schinken auf dem Mercat de la Boqueria, der für Opa – wie sollte es auch anders – eigentlich die Sehenswürdigkeit der Stadt darstellt – La Sagrada Familia, Església de Santa Maria del Mar, Montjuïc, Museu National d’Art de Catalunya, Barri Gòtic, La Rambla und der vielen anderen Wahrzeichen zum Trotz. Wer auch nur das kleinste Gespür für Lebensmittel besitzt, ist hier genau richtig. Näheres dazu gibt’s am Samstag in Opas „Küchengerüchten aus der Gerüchteküche“. Was soll ich sagen? Erst einmal ganz herzlichen Dank an unsere Kinder, ohne die wir diese Reise sicherlich nicht gemacht hätten. Aber für Oma und Opa steht fest: Da fliegen wir – mit oder ohne Mitwirkung unserer Kinder – noch einmal hin. Oma geht dann ins Museu Picasso und Opa wieder auf den Mercat de la Boqueria und die zahlreichen andere Märkte.

PS: Aufmerksame Leser von Opas Blog wissen jetzt, warum ich am letzten Samstag in den Küchengerüchten aus der Gerüchteküche auf Tapas gekommen bin.

IMG_0591IMG_0682 Kopie   IMG_0493IMG_0520   IMG_0538IMG_0526   IMG_0637IMG_0586IMG_0607   IMG_0622 KopieIMG_0596Impressionen eines wunderbaren Wochenendes in Barcelona.

Bepackt wie Mulis

Wenn Oma und Opa auf Reisen gehen und sei es nur für ein Wochenende, dann sieht das immer so aus, als ob wir mehrere Monaten auf mehreren Kontinenten unterwegs sein würden. Da wird alles eingepackt, was beweglich ist und irgendwie Verwendung finden könnte. Bepackt wie orientalische Mulis ziehen wir dann los und wundern uns bei der Rückkehr, dass wir noch nicht einmal die Hälfte gebraucht haben, noch nicht einmal ansatzweise. Unser jüngster Enkelsohn hat uns jetzt für seine bevorstehende Übernachtung im Kindergarten vorgemacht, wie man solche Kurzexkursionen angeht. Da werden ein Zettel geschrieben und die zehn wichtigsten Dinge aufgelistet, die man unbedingt mitnehmen muss: Kissen, Decke, Schlafanzug, Unterwäsche, Socken, Hose, Pullover, Strickjacke, Taschenlampe und Kuscheltier. Was soll ich sagen? Recht hat er, mehr braucht man wirklich nicht. Und dass er still und heimlich noch eine strahlende Sonne auf dem Blatt untergebracht hat, entspricht eben seinem sonnigen Gemüt. Wir Erwachsenen können da noch eine Menge lernen.

ReiselisteMehr braucht kein Mensch, wenn er auf Reisen geht.

Wahre Freunde

Wenn Freundinnen oder Bekannte einer Mutter auf deren Kinder aufpassen, ist das schon etwas ganz Besonderes. So auch bei guten Freunden von uns. Vor vielen Jahren, die Freunde sind eben in unserem Alter, waren beide also auf Reisen und die Freundin hütete Heim und die dort wohnenden Kinder. So aus der Ferne wollten Vater und Mutter aber dann doch wissen, ob alles in Ordnung sei und riefen in Erwartung einer positiven Antwort an. Auf die Frage, ob denn alles gut laufe, bekamen sie die Antwort: „Es läuft alles prima!“ Da waren sie zufrieden und setzen ihre Reise beruhigt fort. Allerdings konnten sie da auch noch nicht wissen, dass das ziemlich wörtlich gemeint war und sich just während des Anrufs Unmengen von Wasser ins Badezimmer ergossen, weil eines der Kinder einen Abfluss mit Lego-Steinen verstopft hatte. Was soll ich sagen? So kann man, ohne zu lügen, Eltern beruhigen und ihnen ihre Freude an einer kurzfristigen Erholung von ihren Kindern lassen. Das sind eben wahre Freunde.

„Ich will jetzt zu Oma fliegen“

Unser jüngster Enkel ist von seinem Sommerurlaub zurückgekehrt. Während wir hierzulande bereits mit Wind und Regen zu kämpfen hatten, konnte er es sich auf Mallorca – gemeinsam mit seinen Eltern –  bei einigermaßen passablem Wetter noch gut gehen lassen. Was jedoch nicht nur für ihn etwas nervig war, war die Tatsache, dass es der Rückflug am Ende auf über zwei Stunden Verspätung gebracht hat. Irgendwann jedenfalls hatte er die Warterei auf dem Flughafen von Palma de Mallorca satt und brachte klipp und klar seine Erwartungshaltung zum Ausdruck: „Ich will jetzt zu Oma fliegen!“ Was soll ich sagen? Pech nur für den kleinen Mann, dass er, als Opa und Oma ihn und seine Eltern mitten in der Nacht vom Flughafen abgeholt haben, tief und fest schlief. Auf der Rückfahrt im Auto wurde er dann aber doch irgendwie wach, sah Oma und strahlte übers ganze Gesicht: „Oma …“

Omas Odyssee

Opa muss es heute einmal Homer gleichtun und von einer Odyssee berichten – deshalb ist der Text auch etwas länger als üblich. Während der griechische Dichter die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimfahrt aus dem Trojanischen Krieg schilderte, geht es hier um die abenteuerliche Irrfahrt von Oma, die diese hinter sich hat – gemeinsam mit zahlreichen Leidensgenossen, und doch ziemlich allein gelassen. Also: Oma hat sich auf den Weg gemacht, ihre Mama zu besuchen. Da das mit dem Auto ziemlich weit ist, hat sie beschlossen, ein Flugzeug zu nehmen. Sie buchte bei Transavia, geplante Abflugzeit in Berlin: Donnerstag, 21.40 Uhr, geplante Ankunftszeit in Eindhoven: Donnerstag, 23.00 Uhr. Dass ausgerechnet an diesem Tag ein schweres Unwetter den Abflug verzögerte, ist Transavia nicht anzukreiden. Aber was danach folgte, ist eine Frechheit sondergleichen. Wie üblich wurden die Fluggäste in die Maschine verfrachtet, obwohl sich die Sperrung des Flughafens Tegel bereits seit geraumer Zeit abzeichnet hatte. In der gut gewärmten Kabine des Fliegers ließ man sie dann während des Unwetters schön sitzen – und schwitzen. Als es dann endlich kurz vor Mitternacht losging, hat den Passagieren vorsichtshalber niemand gesagt, dass der Zielort nicht mehr Eindhoven ist, weil der dortige Flughafen nämlich – wie jeden Tag üblich – bereits um 23.45 Uhr geschlossen hat. Vielmehr ging es jetzt nach Amsterdam, dessen Flughafen Schiphol immerhin 127 Kilometer vom Eindhoven Airport entfernt liegt. Doch davon erfuhren die Reisenden erst in der Luft und mehr oder weniger kurz vor der Landung. Opa schwante schon etwas früher, dass da etwas faul sein musste, da er den ganzen Flug über flightradar24 verfolgt und sich schon gewundert hatte, dass die Maschine keine Anstalten machte, nach Süden Richtung Eindhoven abzudrehen. Doch zurück in die Maschine. Dort erzählte man den Passagieren etwas von, nein nicht Tulpen, sondern Bussen in Amsterdam, die sie dann nach Eindhoven bringen würden. Als besonderer Service wurde sogar noch verkauft, dass man wählen könne zwischen Eindhoven Flughafen und Eindhoven Bahnhof. Man solle sich nur an die netten Damen von KLM wenden, die würden einem dann schon weiterhelfen. So weit, so gut. Doch als die Fluggäste ausgestiegen und mühsam an ihr Gepäck gekommen waren, wussten die KLM-Damen von nichts, schon gar nicht von irgendwelchen Bussen. Und von der Fluggesellschaft Transavia war auch keiner mehr zu sehen. Irgendwie und irgendwann, nach endlosen Debatten und Kilometern tauchten dann doch irgendwelche Busse auf, die tatsächlich nach Eindhoven fuhren. Dass man den leidgeprüften Menschen etwas zu trinken angeboten hätte, darauf ist, wen wundert’s, auch niemand gekommen. So war das einzige, was den Reisenden blieb: Holland bei Nacht. Soll ja auch ganz schön sein. Am Freitag um 3.10 Uhr ist der Bus schließlich am Flughafen Eindhoven vorgefahren, am Bahnhof entsprechend später. Was soll ich sagen? Da hätte Oma auch das Auto nehmen können, dann wäre sie sicherlich früher bei ihrer Mama gewesen.

PS: Auf Transavia wird Oma sicherlich noch einmal zurückkommen.