Es fehlt die emotionale Nähe

Die meisten Leser werden enttäuscht sein. Denn der Titel Großvater sein adressiert bereits die Zielgruppe: Großväter oder die, die es gerade werden (wollen). Denn wer sonst sollte zu diesem Buch greifen? Vor diesem Hintergrund allerdings fehlt dem Buch die emotionale Nähe, die Autor Eckart Hammer selbst eingesteht: „Nein, ich bin (noch kein) Großvater. Nicht nur meine betagte Mutter höre ich darum zweifelnd fragen, ‚wie kannst du über etwas schreiben, von dem du selbst noch keine Ahnung hast?‘ Ja, ich kann in der Tat nicht am eigenen Leib spüren, was es heißt Großvater zu sein, diese existenzielle Erfahrung fehlt mir. Deswegen könnte es mir eines Tages vielleicht wie damals gehen, als der studierte Sozialpädagoge Vater wurde und sich zwischen Theorie und Praxis plötzlich eine erstaunliche Lücke auftat.“ Das wird wohl so sein, mag man als geneigter und enkelerprobter Leser anmerken – wenn es denn so kommt, wie sich der potenzielle Großvater in spe es wünscht: „Ich hätte Lust, noch für eine dritte Runde ins Kinderzimmer und in andere Kinderwelten zurückzukehren, mit einem Enkel Sachen zu machen, die ihm und mir Spaß machen und ihm ein Entwicklungspartner zu sein, an den es mit guter Erinnerung zurückdenkt.“ Doch, und hier tut sich bereits die erste große Lücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Buch und wirklichem Leben auf. Denn gerade diese Sichtweise prägt nicht die 175 Seiten, sondern sein letzter Satz, der bereits auf dem Klappentext in die falsche Richtung weist: „Wahrlich, ich wäre gerne ein Vater, dem der liebe Gott eine zweite Chance schenkt!“ Doch genau darum geht es beim Großvater-Sein gerade nicht! Dieses, so sieht es jedenfalls Hammer, „eröffnet Männern eine zweite Lebens- und Entwicklungschance: Sie können im Rentenalter neuen Lebenssinn und Erfüllung erfahren und das nachholen, was sie in der Beziehung zu ihren eigenen Kindern vielleicht versäumt haben.“ Abgesehen einmal davon, dass das Vaterbild seinerzeit im Zweifel ein völlig anderes war als heute, kann es bei dem Thema doch nicht um die Perspektive des Großvaters gehen, sondern sollte doch der Blickwinkel des Enkels im Mittelpunkt stehen. Insofern verwundert es nicht und ist zudem ausgesprochen schade, dass erst auf Seite 77 von den „Chancen für die Enkel“ die Rede ist, die dann auch noch etwas kurz kommen. Dafür hat Oma dann nur noch den Kopf geschüttelt, als sie in eben diesem Kapitel lesen musste: „Dauerhaft zu Hause zu sein kann für Männer problematisch sein. Während für Frauen das Zuhause deren weibliche Identität bestärkt, fühlen sich Männer dort deplatziert und in ihrer Identität gefährdet“, und die Frage in den Raum gestellt: „Ja lebt der denn noch in einer Höhle?“ Nun will ich nicht das ganze Buch zerreißen. Es stehen auch richtige Dinge drin wie: Großvater zu werden, ist eine Gnade. Oder: Enkel werden einem ungefragt geschenkt. Aber abgesehen davon, dass der Autor ziemlich oft und willkürlich zwischen Großeltern und Großvätern wechselt, zeugen viele Aussagen von der Unkenntnis des Nicht-Großvaters: „Die Ankündigung des ersten werdenden Enkels gibt dem Mann Anlass und Gelegenheit, sich mit seiner Vergangenheit und seiner künftigen Rolle als Großvater auseinanderzusetzen“, glaubt Hammer zu wissen und kann dabei nicht einmal im entferntesten erahnen, welcher emotionale Quantensprung da auf einen zukommt. Und gleichzeitig verkennt er die sicherste Erkenntnis des Lebens: Erstens kommt es, zweitens anders und drittens als man denkt. Ich will auch die Widersprüche und Inkonsistenzen nicht überbewerten, die an verschiedenen Stellen des Buches auftauchen. Mal sind Großväter Scheidungsopfer, dann profitieren sie wieder von den Trennungen, oder sie entwickelten sich im frühen 19. Jahrhundert zum Leitbild des lehrenden Großvaters, der die Schulbildung ergänzte, obwohl noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kaum mehr als ein Zehntel der Gesamtbevölkerung überhaupt das Großelternalter erreichte. Wenn der Autor allerdings auf eine Befragung von Vätern eingeht, „die 1950 geheiratet hatten“, also der Generation meiner verstorbenen Mutter angehören, dann versteht man die Welt nicht mehr. Denn dies als Beleg anzuführen, welchen unglaublichen Nachholbedarf viele Großväter haben, die ihre erste Chance als Väter verpasst haben, geht an den Realitäten völlig vorbei, weil diese Herrschaften heute um die 90 Jahre alt sind und nichts, aber auch gar nichts mit der „ganz anderen Großvätergeneration“ zu tun haben, von der an anderer Stelle die Rede ist. Was soll ich sagen? Dass Hammer selbst noch kein Großvater ist, dafür kann er nichts. Aber er hätte mit noch mehr Opas reden sollen, die seine fehlende Erfahrung vielleicht hätten kompensieren können. Derer gibt es genug. Sogar bloggende Großv@ter soll es ja mittlerweile geben …

                                                                                     Eckart Hammer, Großvater sein                                                                                    Klett-Cotta, Stuttgart, 2017, 175 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-608-96130-0

Es soll ganz viele geben

Opa ist, zumindest soviel ich weiß, bislang der einzige Blogger in Deutschland, der als bloggender Großv@ter seine Gedanken zum Besten gibt. Das könnte sich jetzt bald ändern. Ich will nicht zu viel verraten, weil man ja nie weiß. Aber es gibt da einen anderen Großvater, der angespornt durch diesen Blog, wild entschlossen ist, entsprechend aktiv zu werden. Demnächst reist er sogar zu einem Blogger-Workshop. Insofern darf man gespannt sein, was dabei herauskommt. Auf meine Unterstützung, das verspreche ich hiermit, kann er jedenfalls zählen. Wenn es soweit ist, lasse ich es wissen. Was soll ich sagen? Es kann nur einen geben, hieß es beim Highlander. Bei uns Opas ist das anders. Da kann es nur heißen: Es soll ganz viele geben.

Rent-a-Startup-Granny

Oma und Opa haben jetzt eine ganz neue berufliche Perspektive, ja sogar Herausforderung für sich entdeckt. Gestoßen sind wir darauf, als sich Opa mal in der Startup-Szene umgetan hat. Dabei ist ihm der Deutsche Startup Monitor 2016 in die Hände gefallen. Und darin wird auf Seite 41 darüber berichtet, dass jedes zehnte Startup (10,8 %) eine Feel-Good- bzw. Startup-Oma hat, die den Mitarbeitern den Büroalltag versüßt. Opa traute seine Augen nicht und googelte erst einmal: Startup-Oma. Und siehe da: Tatsächlich wird über die guten Seelen im Startup-Betrieb bereits intensiv berichtet. Und eine Firma in München war sogar auf der Suche nach einer Oma oder einem Opa. Was soll ich sagen? Vielleicht ist das ja die Startup-Idee des Jahres: Rent-a-Startup-Granny oder darf es auch der Opa sein.

PS: First come, first serve!

Opa heute im Radio

Opa war heute schon in Sachen Opas Blog und KINDER | KOCHEN unterwegs. Flux FM hatte letzte Woche angerufen und einen Termin vereinbart. So bin ich denn nach Kreuzberg gefahren und habe im Sender Rede und Antwort gestanden. Das hat mal wieder richtig Spaß gemacht, in einem Hörfunkstudio zu stehen. Immerhin hat Opa selber auch schon mal Rundfunk gemacht. Lang, lang ist’s her: 1986 bis 1989 beim Bayerischen Rundfunk. Am spannendsten waren damals die Livesendungen am frühen Morgen. Von 7.05 bis 7.30 Uhr hieß es: Die Welt am Morgen. Was soll ich sagen? Radio ist und bleibt ein tolles Medium. Man braucht nur ein Mikro oder einen Telefonhörer, und schon kann’s losgehen. Und wen’s interessiert, was Opa gesagt hat: Den Mitschnitt gibt’s hier!

 

Die Familie lebt

Die Ergebnisse einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung über „Großelternschaft im Wandel – neue Beziehungsmuster in der modernen Gesellschaft“ sind, wenn auch nicht ganz neu, so doch eindeutig: Großeltern sind wichtiger denn je! Der Autor der Studie, François Höpflinger, fasst das so zusammen:

  • Die Großelternrolle genießt heute eine hohe Akzeptanz. Ihre gesellschaftliche Bedeutung bezieht sie aus ihrer Rolle als zusätzliche Bezugsperson und als Betreuung von Kleinkindern, ohne sich in die Erziehung der Enkel einzumischen.
  • Die Beziehung zwischen den Enkeln und den Großeltern ist heute enger als in früheren Generationen und dies obwohl die junge Familie und die Großeltern ihr Alltagsleben weitgehend selbstständig organisieren.
  • Die verschiedenen Generationen leben zumeist in getrennten Haushalten. Drei Generationen-Haushalte sind relativ selten.
  • Die Qualität der Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln hängt auch stark von der Qualität der Beziehung ab, die Großeltern zu ihren eigenen Kindern haben.
  • Großeltern gestalten vor allem die Freizeit der Enkel und bieten ihnen, was in jungen Familien häufig Mangelware ist: Zeit, Gelassenheit und soziale Bindung. Hauptträgerin der Familienbeziehungen ist die Großmutter mütterlicherseits.
  • Im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern haben in Deutschland Enkel eine positive Wirkung auf die Lebensqualität älterer Menschen. Dies hängt mit dem wirtschaftlichen Wohlstand und der sozialpolitischen Absicherung zusammen, die jeder Generation ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit erlaubt.

Was soll ich sagen? Das, was hier eher wissenschaftlich formuliert und etwas unterkühlt daherkommt, heißt doch nicht anderes: Großeltern lieben ihre Enkel und umgekehrt. Da sage noch einer, dass die Familie tot ist. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Die Familie lebt!

PS: Übrigens ist es auch bei uns so, dass Oma, wie es in der Studie heißt, „Hauptträgerin der Familienbeziehungen“ ist – Oma ist eben doch die Allerbeste.

Groß rausgekommen

So kann’s gehen: Opa ist im aktuellen Tagesspiegel Leute Bezirksnewsletter für Steglitz-Zehlendorf groß rausgekommen. Gleich zu Beginn in der Rubrik „Unter Nachbarn“ beantworte ich drei Fragen: Was gefällt mir? Was nervt mich? Was empfehle ich? Wen’s interessiert, kann ja mal reinschauen. Und wem dabei auffällt, welcher kleine Fehler sich da eingeschlichen hat, bekommt von mir dann ein digitales Bienchen. Was soll ich sagen? Für die anderen Stadtbezirke Berlins gibt es übrigens auch einen Leute Bezirksnewsletter. Und den kann man hier bestellen.

Leute

Opa leidet: Sozialer Jetlag

Heute ist mir einiges klar geworden. Da berichtet der Tagesspiegel in Berlin darüber, dass an einer Schule in Alsdorf bei Aachen die Oberstufenschüler wählen können, „ob sie direkt zur ersten Stunde um 8 Uhr kommen – oder doch erst zur zweiten gegen 9 Uhr.“ Die Zeitung zitiert dabei einen Chronobiologen aus München, der die Schule lobt, weil sie mit ihrer Maßnahme auf die innere Uhr von Jugendlichen eingeht. Und die tickt nach Aussage von Till Roenneberg eben anders als bei Erwachsenen. Auf den Punkt gebracht: Die innere Uhr der meisten Jugendlichen geht etwa bis zum 20. Lebensjahr nach. Da sie hormonbedingt  erst später einschlafen, entsteht, wenn sie entgegen ihrer biologischen Uhr schon um acht in der Schule sein müssen, ein „sozialer Jetlag“. Drei Viertel der Jugendlichen haben laut Roenneberg damit zu kämpfen. Die Folge: Die Schüler sitzen dann halb schlafend im Unterricht. Was soll ich sagen? Abgesehen einmal davon, dass ich die Aktion der Alsdorfer Schule super finde, scheine ich irgendwie in der Pupertät stecken geblieben zu sein. Denn diesen „sozialen Jetlag“ hatte und habe ich eigentlich jeden Morgen. Deshalb mache ich auch, wenn’s denn eben geht, keine Termine vor zehn Uhr. Wäre ja auch ziemlich unhöflich, wenn ich meinem Gesprächspartner halb schlafend gegenübersitzen würde.

Wirklich alt …

Dieser Tage war unser früherer Babysitter mit ihrem Mann im Rahmen eines Berlin-Besuchs bei uns zu Gast. Opa hat sich natürlich mächtig ins Zeug gelegt und was Leckeres gekocht. Das kam auch ausgesprochen gut an, und wir haben den ganzen Abend richtig viel Spaß gehabt. Zwischenzeitlich allerdings, dafür konnte die beiden jedoch nichts, blieb mir mein Lachen sozusagen im Halse stecken. Da wies unser Babysitter nämlich energisch darauf hin, dass sie und ihr Mann die Silberhochzeit längst hinter sich hätten und ebenfalls bereits Großeltern seien. Babysitter, Silberhochzeit, Großeltern – irgendwie konnte mein Gehirn da keinen sinnvollen Zusammenhang herstellen, bis auf den: Oma und Opa müssen mittlerweile steinalt sein. Was soll ich sagen? Manchmal steht man ja wirklich auf der Leitung. Wenn Oma und Opa demnächst 40-jährigen Hochzeitstag feiern, dann kann unser Babysitter von einst ja nicht mehr in den Flitterwochen sein. Ja, ja, wir werden wirklich alt …

Opa ist eine „Eule“

Opa hat jetzt bei einer Recherche für seinen Blog „Z wie Zeit“ etwas bemerkenswertes herausgefunden: Oma ist eine „Lerche“ und er selbst eine „Eule“. Denn, so wissen Schlafforscher und Zeitbiologen, es gibt verschiedene Zeittypen: Frühaufsteher, eben „Lerchen“, und Morgenmuffel, eben „Eulen“. Lerchen stehen morgens früh auf, sind ziemlich schnell fit, schlafen abends allerdings auch eher ein. Ihre Uhr geht etwas zu schnell, so dass ihr innerer Tag nur rund 24 Stunden dauert. Der der Eulen dagegen hat etwa 25 Stunden, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie Nachtmenschen sind und ziemlich spät ins Bett gehen. Was soll ich sagen? Lerchen können gut singen, die Eule aber gilt in der westlichen Welt immerhin als Vogel der Weisheit …

323 bunte Bügelperlen

Man muss nicht immer Geburtstag haben, um etwas geschenkt zu bekommen. Letztens, als wir bei unserer jüngsten Tochter auf einen Kaffee vorbei geschaut haben, bekam ich von unserem Enkel einen Untersetzer, den er selbst gebastelt hat. Der setzt sich aus 323 bunten Bügelperlen zusammen und enthält den Schriftzug OPA. Die eine fehlende Bügelperle oben links in der Ecke hat er nicht etwa vergessen, sondern absichtlich weggelassen, damit man den Untersetzer auch aufhängen kann. Was soll ich sagen? Erst einmal hat er einen festen Platz auf meinem Schreibtisch gefunden und erfreut mich jeden Tag. Also, vielen Dank kleiner Mann.

PS: Oma hat natürlich auch so einen Untersetzer bekommen.

Untersetzer                                                            Dieser Untersetzer besteht aus 323 Bügelperlen.