Lang lebe das Buch!

Wer auf Bücher steht, kommt auf Dauer am TASCHEN Verlag nicht vorbei – vor allem, wenn es um Kunst und Kultur geht. Als ich Oma 2003 zum Geburtstag das Buch “Leonardo da Vinci . Sämtliche Gemälde und Zeichnungen” geschenkt habe, war sie ganz aus dem Häuschen. Allein das Maß ist mit 30 x 45 Zentimetern schon beeindruckend. XXL-Format heißt das wohl. Doch Größe ist nicht alles. Es geht auch ein oder zwei Nummern kleiner. Der Verlag hat da eine Buchreihe, die sich “Bibliotheca Universalis” nennt und in einem Format von 14 x 19,5 Zentimetern erscheint. Rund 100 Lieblingstitel des Verlages erscheinen so – zwei werden auf der Bücherseite vorgestellt – und machen so Kunst im Grunde für jedermann zugänglich. Denn der Preis ist mit 14,99 Euro pro Buch vermutlich unschlagbar. Von manchen Zigarettenmarken bekommt man für dieses Geld nicht einmal mehr zwei Päckchen Zigaretten. Was soll ich sagen? Abgesehen davon, dass Bücher viel gesünder sind, bilden diese auch noch ungemein. Im Zeitalter von Handys und Tablets sind gute und erschwingliche Bücher ganz sicher die passende Antwort auf die Digitalisierung. Lang lebe das Buch!

PS: Übrigens, auch das BILD-Buch von TASCHEN lohnt, durchgeblättert zu werden.

Leonardo da Vincis wohl bekanntestes Gemälde: Die Mona Lisa, das natürlich in dem Bild-Band “Leonardo da Vinci . Sämtliche Gemälde und Zeichnungen” abgebildet ist.

Mit sehr viel Liebe produziert

Da sage einer, man könne Kinder nicht mehr für Bücher begeistern. Unser jüngster Enkel mit seinen sechs Jahren ist schier ausgeflippt, als er gestern das Dino-Buch auf unserem Couchtisch entdeckte. “Das ist ja toll”, schwärmte er und war gar nicht mehr von der TASCHEN-Neuerscheinung abzubringen. Natürlich waren es auch die großflächigen Bilder aus dem Buch PALÄO-ART, die ihn faszinierten. Als ich sein Interesse aber auf den Buch-Einband lenkte, war er hin und weg von der Dinohaut-Haptik. Und dann entdeckte er auch noch den Dino-Fußabdruck: “Guck’ mal Opa, guck’ mal!” Die Prägung des Dino-Kopfes auf dem Umschlag war dann fast zu viel des Guten. Wie auch immer: Bis zum Abendessen war von dem kleinen Mann nichts mehr zu hören und zu sehen. Mehrmals blätterte er die 292 Seiten durch, bis er sich dann entschieden hatte: Dieses Bild wird nachgemalt. Und ein zweites auch gleich noch. Was soll ich sagen? Besser hätte es nicht laufen können. Das Werk bleibt jetzt erst einmal auf unserem Couchtisch liegen und ist für unsere Enkel jederzeit verfügbar. Meine Rezension muss halt noch ein bisschen warten. Bis dahin kann die Neuerscheinung bei TASCHEN ja als KInderbuch durchgehen: Auch nicht die schlechteste Empfehlung für ein Buch, das mit sehr viel Liebe produziert und gestaltet wurde. Jedenfalls hat TASCHEN seinem Namen als Verlag der schönsten Bildbände alle Ehre gemacht.

Dinos auf dem Couchtisch

Da wird unser jüngster Enkel heute aber ziemlich überrascht sein, wenn er auf unserem Couchtisch einen Dino entdeckt, dem ein blutiger Fleischfetzen aus dem Maul hängt. Dieser Zeitgenosse, der vor über 66 Millionen Jahren auf der Erde beheimat war, ziert nämlich die Titelseite eines wunderschönen Buches, das gerade bei TASCHEN erschienen ist. PALÄO-ART lautet der Buchtitel des Werkes, das sich mit Illustrationen von Dinosauriern, Wollmammuts, Höhlenmenschen und anderen Kreaturen aus der Zeit von 1830 bis 1990 beschäftigt, in denen wissenschaftliche Fakten mit zügelloser Fantasie vermengt worden sind. Zugegeben, es ist ein Experiment, ob solch ein – mit 75 Euro doch recht wertvolles – Buch einen Sechsjährigen begeistern kann, der ansonsten ja eher in der digitalen Welt zu Hause ist. Aber die Faszination, die derzeit Dinos auf ihn ausüben, ist schon mal ein gute Voraussetzung. Hinzu kommt eine bemerkenswerte Haptik, die durch bildgewaltige Darstellungen nur noch verstärkt wird. Neben dem Einband, der der Dinohaut nachempfunden ist, haben es vor allem die Doppelseiten Opa angetan, der sich an den vielen Darstellungen gar nicht satt sehen kann. Was soll ich sagen? Ich bin ja mal gespannt, inwieweit der kleine Mann auf das Buch reagiert. Wenn er es annimmt, ist einmal mehr bewiesen, dass Bücher nach wie vor „cool“ sind und selbst digital natives begeistern können. Wie es ausgegangen ist, werde ich hier dann berichten.



Die Dinos sind los: Wissenschaft trifft Popkultur: Paläo-Art gestern und heute.

Schwer was los im Frauenknast

Für Kinder sind Gefängnisse irgendwie gruselig. Das ist bei unseren Enkeln nicht anders, die aber dennoch unbedingt mal in ein Gefängnis wollten – ohne Übernachtung versteht sich. Als Opa ihnen dann anbot, ein solches zu besuchen, waren sie sofort Feuer und Flamme, auch wenn es sich „nur“ um das ehemalige Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde handelt. Das hatte am Wochenende seine Nachbarschaft zum Sommerfest eingeladen, um zu zeigen, was da für die Zukunft geplant ist: Eine musisch-kreative Denkfabrik – mit bildender Kunst, Theater und Musik, Eventgastronomie inbegriffen. Treibende Kraft im Ex-Frauenknast ist Jochen Hahn, der Erfahrung damit hat, entwidmete Immobilien in Kulturstätten zu verwandeln. Und von Kunst und Kultur versteht er auch noch was. So war es denn kein Wunder, dass sich an diesem Samstag in den Räumen und auf dem Hof Künstler und Kunstliebhaber ein Stelldichein gaben – und eben auch unsere Enkel, die besonders vom Innenleben, das in bemerkenswert gutem Zustand ist, fasziniert waren. Was soll ich sagen? Wenn dort künftig auch so ein Betrieb herrscht wie beim Sommerfest, dann muss einem um die Zkunft dieses Ortes nicht Bange sein.

IMG_3092Schwer was los im Frauenknast: Dort soll eine musisch-kreative Denkfabrik entstehen.

The Next Rembrandt

Oma liebt – neben Opa – Rembrandt. Als passionierte Malerin ist sie von ihrem Landsmann, dem niederländischen Meister, begeistert. Und da ist sie nicht die Einzige. Weltweit hat Rembrandt Harmenszoon van Rijn, wie er mit vollständigem Namen heißt, mehr Fans als so mancher Popstar. Und für die scheint gerade ein (Alb)traum wahr geworden zu sein. Denn ein Rembrandt muss nicht mehr unbedingt ein Rembrandt sein. Jedenfalls hat es ein Team aus Mitarbeitern des Museums Het Rembrandthuis in Amsterdam, des Mauritiushuis in Den Haag, der Delfter University of Technology und von Microsoft nach anderthalb Jahren geschafft, den Künstler sozusagen zu reaktivieren – und das 347 Jahre nach seinem Tod. Dafür wurden 346 Bilder von Rembrandt mit einem 3 D-Scanner eingescannt und analysiert. Das Ergebnis wiederum wurde über einen 3 D-Drucker ausgedruckt – et voilà: The Next Rembrandt was born oder besser gesagt printed und kommt einem echten Rembrandt schon sehr nahe, aber eben nur nahe. Was soll ich sagen? Das Original ist immer besser als die Kopie. Faszinierend ist das Ganze dennoch. Aber sehen Sie selbst:

Weltliteratur to go

Also, Opa ist begeistert. Da bin ich doch zufällig auf eine Möglichkeit gestoßen, wie man Kindern Weltliteratur näherbringen und gleichzeitig den Umgang mit den neuen Medien beibringen kann. Den diesbezüglichen Weg weist ein gewisser Michael Sommer, der Literaturwissenschaften studiert und als Regisseur, Autor und langjähriger Leitender Schauspieldramaturg am Theater Ulm gearbeitet hat. “Theater ist schön. Literatur ist schön. Aber: Für den Hausgebrauch viel zu lang!”, fasst Sommer das Problem zusammen und fragt eher rhetorisch, wer schon Zeit habe, “einen 800 Seiten starken Roman zu lesen, in dem noch nicht einmal eine Fantasie-Figur vorkommt.” Des Rätsels Lösung nun ist “Sommers Weltliteratur to go”, die als “bescheidenes Ziel” formuliert: “Knackige Kurzversion, die alles Wichtige enthält und sich mit bunten Bildern in unsere Großhirnrinde einbrennt.” Die bunten Bilder erzeugt er mit Playmobilfiguren, die er wahrlich gekonnt in Szene setzt. Aber schauen Sie es sich selbst an. Was soll ich sagen? Genial einfach – einfach genial! Goethe, Schiller, Kleist, Heine, Shakespeare oder Dostojewski, sie alle hätten ihre wahre Freude gehabt.

Der schrecklichste der Schrecken

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt,
muß ein lieber Vater wohnen,

heißt es in der Ode An die Freude. Doch manchmal mag man an den wohl bekanntesten Zeilen von Friedrich Schiller und eben daran zweifeln, dass „überm Sternenzelt“ tatsächlich „ein lieber Vater“ wohnt. Vermutlich würde Schiller selber daran zweifeln, wenn er wüsste, warum der chinesische Künstler Ai Weiwei hinter seinem Rücken tausende von Rettungswesten an den Säulen des Konzerthausportals am Gendarmenmarkt in Berlin angebracht hat. Der Grund sind nämlich das Flüchtlingselend und die Verbrechen, die von skrupellosen Menschenschleppern in der Ägäis verübt werden. Denn die billig hergestellten Westen sind oft nur Attrappen: Statt zu tragen, saugen sie sich mit Wasser voll und ziehen die Menschen in die Tiefe. Was soll ich sagen? Bleiben wir bei Schiller, der in seinem Lied von der Glocke schrieb:

Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
verderblich ist des Tigers Zahn;
jedoch der schrecklichste der Schrecken,
das ist der Mensch in seinem Wahn.

IMG_2571Wenn Friedrich Schiller wüsste, warum da hinter seinem Rücken an den Säulen des Konzerthausportals am Gendarmenmarkt in Berlin tausende von Rettungswesten sind …

Versteckte Zornesröte

Oma und Opa waren – sozusagen kurz vor Toresschluss – neulich noch in der Ausstellung Max Beckmann und Berlin, die am Montag (15. Februar) zu Ende ging. Und es war schon bemerkenswert zu sehen, welche Rolle die Stadt im Leben des Künstlers gespielt und wie die Geschichtsereignisse die Sicht des Malers auf die Dinge verändert haben. Der Kunstexperte, der uns durch die Ausstellung in der Berlinischen Galerie führte, hatte dabei wahrlich eine besondere Gabe, unsere Gruppe auf Dinge aufmerksam zu machen, die wir alleine nie und nimmer wahrgenommen hätten. Da ist zum Beispiel das Bild Das Liebespaar, das 1912 in Berlin entstanden ist. Viel Liebe ist da nicht zu erkennen. Jedenfalls schauen sich Oma und Opa anders an. Aber dass der Mann auf dem Bild sogar die Zornesröte im Gesicht trägt, hätten wir allesamt nicht gesehen. Erst der Hinweis unseres Führers führte unsere Augen dorthin, wo Beckmann das Rot versteckt hatte: In den Augenwinkel des linken Auges. Was soll ich sagen? Man sollte viel öfters ins Museum gehen. Vor allem in Berlin. Es lohnt sich!

LiebespaarAuge Versteckt: Zornesröte im Augenwinkel.

Die Deutschen – nicht zu stoppen

Wenn man das Thema Flüchtlinge in den Medien verfolgt, braucht man eine Menge Optimismus, um manchmal nicht schier zu verzweifeln. Zumeist geht es um Probleme, nicht um Lösungen. Und wenn nicht die vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer wären, man könnte in tiefe Depression verfallen. Da kommt der Clip des nach Berlin geflüchteten syrischen Filmemachers Firas Alshater gerade recht. In unnachahmlicher Weise hält er den Deutschen den Spiegel vor und erklärt, wie sie so ticken. Was soll ich sagen? Belassen wir es bei der Aussage von Alshater am Ende seiner charmanten Analyse: „Die Deutschen brauchen längere Zeit, aber dann sind sie nicht zu stoppen. Darum glaube ich, die Integration wird klappen – irgendwann.“

Vielarmige “Haushaltshilfe”

Eine Freundin von Oma und Opa musste an uns denken, als sie sich eine Jahreskarte für die Staatlichen Museen in Berlin gekauft und dabei eine Postkarte gesehen hat, auf der eine Plastik aus der Porzellansammlung der Staalichen Kunstsammlungen Dresden abgebildet war. Dabei handelt es sich um die vielarmige daoistische Gottheit Doumu aus der Ära Kangxi, die auf die Jahre zwischen 1662 und 1722 datiert wird. Doch was für die einen als hohe Kunst der chinesische Keramiker von Dehua gilt, ist für die anderen etwas ganz Profanes, ja eher Praktische. Als jedenfalls die Begleitung unserer Freudin diese Karte sah, entfuhr ihr lediglich: „Oh, eine Haushalshilfe!“ Was soll ich sagen? Da kann man mal wieder sehen, wie schmal der Grat zwischen Gottheit und Haushaltshilfe sein kann.

Vielarmige Gottheit                         Vielarmige Gottheit       © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

PS: Den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, deren Pressestelle Opa erfrischend unbürokratisch die Nutzung dieser Abbildung ermöglichte, sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Das ist Service at its best.