In den Adelsstand erhoben

Unser jüngster Enkel hat Oma jetzt sozusagen in den Adelsstand erhoben. Als beide sich jüngst über das Alter und ältere Menschen unterhielten, meinte er, seine Mutter sei eine Frau, Oma aber eine alte Dame. Und, so fügte er noch voller Überzeugung hinzu, wenn er eine Königin träfe, würde er sie Majestät oder eben Dame nennen. Was soll ich sagen? Da wird Opa noch lange strampeln müssen, und dennoch über den alten Herren wohl nicht hinauskommen. Aber Oma hat es ohnehin mehr verdient. Schließlich ist sie auch viel eleganter.

“Wenn Du jünger wärst …”

Das Leben von Großeltern ist manchmal wirklich nicht leicht. Vor allem wenn der Kindermund mit voller Brutalität zuschlägt, wird es hart. Das jedenfalls mussten dieser Tage die anderen Großeltern unseres ältesten Enkels erfahren. Die Situation an sich war ganz harmlos – zunächst jedenfalls. Die andere Oma hatte sich eine Bluse gekauft und daheim noch einmal anprobiert. Als dabei der andere Opa mit unserem Großen um die Ecke kam, wollte sie wissen, ob und wie denn die Bluse gefalle. Der kleine Mann überlegte kurz und dann – ja, wie soll ich es formulieren – donnerte das Fallbeil krachend danieder: “Ja”, erwiderte er, “aber wenn Du jünger wärst, würde es noch besser aussehen.” Damit war der Tag, zumindest für diese Oma, gelaufen. Was soll ich sagen? Wer viel fragt, bekommt viel Antwort, sagt der Volksmund. Recht hat er.

Jempo?!? Und Tempos drin …

Die Marke Tempo hat es geschafft. Wenn jemand in Deutschland nach einem Tempo fragt, weiß jedes Kind, dass es sich dabei um ein Papiertaschentuch handelt. Auch der weiße Schriftzug auf blauem Grund ist so bekannt, dass sich wohl niemand mehr die Mühe macht, sich die einzelnen Buchstaben einmal genauer anzuschauen. Man nimmt das Wort als ganzes wahr und auf. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Logo seit den 50er Jahren nicht verändert wurde. Umso erstaunter waren Oma und Opa, als unser jüngster Enkel, der erst im Sommer eingeschult wird, aber bereits mit dem Lesenlernen begonnen hat, das Wort auf der Packung las: Jempo. Jempo?!? „Ja“, meinte unser Kurzer und begründete seine Sichtweise, „die beiden gleichen Linien oben und unten haben doch mit dem Namen nichts zu tun. Der erste Buchstabe ist doch ein ‚J’ – oder?“ Was soll ich sagen? Da kommt offensichtlich eine Menge Arbeit auf die Marketing-Abteilung von Tempo zu. Denn irgendwie konnten und wollten wir unserem Enkel nicht widersprechen – der es irgendwie schon komisch fand, dass Jempo draufsteht, obwohl Tempos drin sind.

Jempo oder Tempo? – Das ist hier die Frage.

“Wann wurde ich eingekindert?”

Unsere Enkel werden viel zu schnell groß. Unser ältester ist ja schon in der Schule, der jüngere wird im nächsten Jahr eingeschult. Als wir genau über dieses Thema sprachen, versuchte sich der kleine Mann zu erinnern, wann er denn in den Kindergarten gekommen ist und fragte Oma: “Wann wurde ich eigentlich eingekindert?” Was soll ich sagen? Versuchen Sie da mal eine ernste Antwort zu geben – vor allem wenn der Fragesteller sich kaputt lacht.

“Hier arbeitet ja nur einer …”

Diese Woche ist Enkelwoche. Unser Jüngster ist jeden Tag bei uns, da der Kindergarten Ferien macht. Wohl dem, der eine Oma hat, die – wie bei uns – einspringen kann. Gestern waren beide ob der Temperaturen zumindest kurzzeitig auf dem Bolzplatz. Auf dem Rückweg, wusste Oma zu berichten, kamen sie an einer Baustelle vorbei, bei der ein Bagger Steine bewegte – unter der gestrengen Beobachtung von fünf Bauleuten, von denen sich wiederum einer ins Gespräch mit Oma vertiefte. Das war allerdings ziemlich schnell beendet, als unser Jüngster zielgenau feststelle: “Hier arbeitet ja nur einer, nämlich der Bagger.” Was soll ich sagen? Ziemlich gute Beobachtungsgabe, die er demnächst auch andernorts unter Beweis stellen kann. Denn dieses Phänomen begegnet einem ja fast an jeder Ecke.

Die Sekunde eines Klebers

Unsere Begehung des Baumkronenpfades war jetzt noch einmal Gesprächsthema zwischen Oma und unseren Enkeln. Der Kleine, so seine Aussage, fand die Exkursion ganz spannend. Und der Große hätte, wie er sagte, es noch spannender gefunden, wenn kein Geländer da gewesen wäre. Abgesehen davon, dass Opa dann wohl nicht in die luftigen Höhen gestiegen wäre, meinte Oma, dass das aber nicht erlaubt sei, weil man dann ja herunterfallen könnte. Dem wollten die beiden Buben mit Sekundenkleber vorbeugen, was Oma keine so richtig gute Idee fand, weil man dann ja sofort festklebe und nicht mehr weitergehen könne. “Wieso?”, fragten beide übereinstimmend, “der klebt doch nur eine Sekunde!?!” Was soll ich sagen? Kinder nehmen eben alles wörtlich. Aber sie machen das nicht absichtlich. Wie Psychologen der Ohio State University herausgefunden haben, ist es geradezu ein Kennzeichen kindlicher Sprachentwicklung, zunächst alles wörtlich aufzufassen.

IMG_3428 KopieDer Baumkronenpfad in Beelitz-Heilstätten: Gott sei Dank ist da ein Geländer!

“Ich bin sein Croissant!”

Wenn man mit seinen Enkelkindern auf Achse ist, verschlägt es einem manchmal die Sprache. So war Oma jetzt mit unseren beiden Buben unterwegs, als unser Jüngster mit Blick auf unseren Ältesten gefragt wurde: „Das ist sicher Dein Bruder!“ – „Nein“, antwortete der Kleine, „ich bin sein Croissant!“ – „Sein was?“, wollte der Fragesteller wissen, „Du meinst sicher Cousin!“ – „Genau“, entgegnete unser Jüngster mit geballter Selbstironie, „aber ich kann Cousin nicht so gut aussprechen wie Croissant!“ Was soll ich sagen? Also, wenn das mit Jan Böhmermann schief geht und der länger aus dem Verkehr gezogen werden sollte, wüsste ich schon einen Ersatz. Bei dem bleibt in der Regel nämlich auch kein Auge trocken.

Ostern kommt der Ostermann?

Weihnachten kommt der Weihnachtsmann und Ostern? Na klar: Der Ostermann. So jedenfalls antwortete, ohne lange nachzudenken, spontan in kleiner Runde einmal einer unserer Enkelsöhne, um dann doch innezuhalten: “Das stimmt doch nicht! Das ist der Osterhase”, belehrte er sich und die anderen unter schallendem Gelächter, in das er freudig mit einstimmte. Gar nicht zum Lachen ist einem allerdings, wenn man sich die sogenannten Straßenumfragen der privaten Fernsehsender antut, bei denen sich die Befragten beispielsweise mit der Aussage blamieren, dass an Ostern der Osterhase Geburtstag hat. Hat er aber nicht. Insofern wiederhole ich gerne das, was ich schon einmal auf diesem Blog geschrieben habe: Die “Kar”-Woche leitet sich ab von dem Wort “Kara”, das im Althochdeutschen Klage, Kummer oder Trauer bedeutet. Die Woche beginnt mit dem “Palmsonntag”, dem Tag, an dem Jesus begeistert und mit Palmen in Jerusalem empfangen wurde. Am Donnerstag, dem “Gründonnerstag”, gedenken die Christen des letzten Abendmahls, das Jesus und seine Jünger hielten. Am “Karfreitag” wird der Kreuzigung gedacht, der “Karsamstag” ist der eigentliche Trauertag, bevor Ostern, am “Ostersonntag” und “Ostermontag”, die Auferstehung Christi im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht. Das ist in aller gebotenen Kürze das, worum es in der Karwoche und an Ostern geht. Was soll ich sagen? Wenn jetzt doch jemand in diesen Tagen einen Hasen durch seinen Garten hoppeln sieht, kann das trotzdem eine österliche Bewandtnis haben.

Neue Leidenschaft

Unsere Enkel haben eine neue Leidenschaft entdeckt: Prickeln. Was das ist? Das ist eine Bastelltechnik, bei der mit einer Nadel Formen ausgestochen werden. Dies geschieht meist auf einer Schaumstoff- oder Pappunterlage, auf der sich die Prickelnadel besser durch die Pappe oder das Papier durchstechen lässt. Vor allem in Kindergärten wird diese Methode dem Schneiden mit einer Schere gerne vorgezogen, weil sie nicht so gefährlich ist. Was soll ich sagen? Unsere beiden Enkel haben das Prickeln jetzt sogar noch weiterentwickelt. Da werden nicht nur Formen ausgestochen, sondern gemalte Bilder mit Löchern ergänzt und verfeinert.

PrickelnNeue Leidenschaft unserer Enkel: Prickeln. Da wird gelöchert, was das Zeug hält.

Lapsus linguae?

Unsere Enkel sind ja begnadete Bäcker vor dem Herrn. So hat mir unser ältester zum Geburtstag einen Marmorkuchen gebacken, der leckerer nicht hätte sein können. Und unser jüngster kam dieser Tage mit Plätzchen zu uns, die er mit seinem Vater gebacken hatte und nun großzügig verteilte. Ein Plätzchen für Oma, eines für Opa, eines für seinen Cousin und eines für seine Mutter. Als sein Cousin bemängelte, sie seien ein bisschen hart, konterte er ganz selbstbewusst. “Die schmecken aber viel besser, als die gekauften Schokolatius.” Als Oma vorsichtig zu bedenken gab, da sei doch gar keine Schokolade drin und ob er vielleicht Spekulatius meinte, gestand er: “Ich kann mir das Wort einfach nicht merken.” Was soll ich sagen? Lapsus linguae – vielleicht handelt es sich bei den Schokolatius ja um eine Freudsche Fehlleistung und der Wunsch war Vater des Gedanken.