Geschichte unseres Versagens

Unvorstellbar: 2016 starben weltweit 5,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren aus weitgehend vermeidbaren Gründen – das entspricht rund 15.000 Kindern am Tag, 640 Kindern pro Stunde, zehn Kindern pro Minute oder einem Kind alle sechs Sekunden.
Das jedenfalls ist Ergebnis des Reports „Levels & Trends in Child Mortality Report 2017“, den UNICEF im Auftrag der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur Schätzung der Kindersterblichkeit (UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation, UN IGME) erstellt hat. „Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich unendliches Leid von Kindern und unendlicher Schmerz von Eltern“, kommentiert Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland den Bericht, der jedem normal tickenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben müsste. Was soll ich sagen? Da mich das wieder einmal ziemlich sprachlos macht, will ich den von mir geschätzten Herausgeber des Handelsblattes, Gabor Steingart, zu Wort kommen lassen, der heute in seinem Morning Briefing geschrieben hat: „Auch das zählt zu den Fluchtursachen, über die zu reden wäre: Die medizinische Versorgung in weiten Teilen der Welt ist katastrophal. Der Tod lauert in Pakistan, Nigeria, Äthiopien, im Kongo und Teilen von Indien keineswegs im Dunkeln, sondern steht in aufreizender Deutlichkeit direkt neben der Wiege der Neugeborenen. Diese Kinder brauchen keinen neuen Nationalismus in Europa und auch keinen Rechtsruck der CDU. Sie brauchen Medikamente, Krankenhäuser und danach Schulen und Lehrer. Ihre Eltern, die der kalten Präzision der UN-Todesstatistik durch Flucht zu entkommen versuchen, handeln aus Notwehr. Wenn die Hochleistungsmedizin des Westens nicht zu ihnen kommt, kommen sie zu ihr. So gesehen erzählt das Mittelmeer die Geschichte ihres Überlebenswillens und unseres Versagens.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Ab in die Kleiderkammer

Die Deutschen sind zu dick, sogar dicker als der EU-Durchschnitt. Nach einer EU-Statistik lag der Anteil adipöser Erwachsener zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen bei 16,9 Prozent gegenüber 15,9 Prozent europaweit. Auch Opa hat zu dieser Statistik beigetragen. Allerdings habe ich mittlerweile über 20 Kilogramm abgenommen und fühle mich pudelwohl. Das wiederum blieb auch anderweitig nicht ohne Folgen. Der Anteil an Kleidungsstücken, die jetzt überhaupt nicht mehr passten, war beachtlich gestiegen, so dass ich erst einmal kräftig ausgemistet habe. Doch das, was da in den Kleidersäcken gelandet ist – zum Teil Sachen, die ich vielleicht zwei Mal angehabt habe -, wandert nicht in den Müll, sondern in der Kleiderkammer der Franziskaner-Suppenküche in Berlin-Pankow. Dorthin fahren Oma und ich jetzt und geben die ausrangierten Stücke ab. Was soll ich sagen? Wer ebenfalls seinen Kleiderschrank ausmistet, sollte die Sachen nicht wegschmeißen. In der Nähe gibt es sicher eine Kleiderkammer, die sich freuen würde. Man muss nur ein bisschen recherchieren. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Brontosaurus Eier!?!?

Wenn das unser jüngster Enkel wüsste: Opa hat Brontosaurus Eier gekauft! Brontosaurus Eier!?!? Wieso, werden Sie sich sicher fragen, hat Opa Eier von einem Dinosaurier – dem derzeitigen Lieblingsgeschöpf unseres Enkels – gekauft, der bereits seit ungefähr 150 Millionen Jahren ausgestorben ist. Weil diese Eier, so denn die Antwort, bei einem Discounter im Regal lagen. Nun handelt es sich, um bei der Wahrheit zu bleiben, bei diesen Eiern um eine Frucht, die aus einer Kreuzung aus Pflaume und Aprikose besteht. Pluot heißt sie offiziell, wurde im späten 20. Jahrhundert von Floyd Zaiger entwickelt und ist ein eingetragenes Warenzeichen (brontosaurus egg®). Die Frucht zeichnet sich dadurch aus, dass sie besonders süß ist sowie eine glatte Oberfläche und einen kleinen Kern hat. Darüber hinaus ist sie reich an Kohlenhydraten, Ballaststoffen und den Vitaminen A, B und C sowie an Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen. Was soll ich sagen? Auf den Punkt gebracht: Einfach nur lecker und gesund.

Sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch noch fantastisch: Pluots oder auch Brontosaurus Eier genannt, die eine Kreuzung aus Pflaume und Aprikose sind.

„Ausreden können tödlich sein!“

Der Darmkrebsmonat März ist zwar schon wieder lange vorbei. Doch das Thema Darmkrebsvorsorge sollte eigentlich jeden Monat aktuell sein und auf der Tagesordnung stehen. Denn nach wie vor sterben in Deutschland jährlich rund 26.000 Menschen an dieser Krankheit, der man wie kaum einer Krebsart so leicht vorbeugen kann. Durch Früherkennung, da sind sich die Experten einig, könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden. „Ausreden können tödlich sein!“, lautete denn auch das Motto der diesjährigen Kampagne der Felix Burda Stiftung, dessen Namensgeber 2001 mit gerade einmal 33 Jahren an Darmkrebs verstorben ist. Damit einem dieses Schicksal erspart bleibt, sollte man spätestens ab dem 50. Lebensjahr das Thema Darmkrebsvorsorge auf dem Schirm haben. Gibt es eine familiäre Vorbelastung, ist es ratsam, 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen aktiv zu werden. Was soll ich sagen? Opa ist heute wieder einmal mit gutem Vorbild vorausgegangen und hat eine Darmspiegelung machen lassen. Es hat nicht nur nicht weh getan, sondern auch noch ungemein beruhigt. Denn ich brauche mich erst wieder in fünf Jahre zu melden. In Berlin sagt man in solch einer Situation: Da kannste nicht meckern!

Alles im grünen Bereich

Opa ist nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder daheim und weiß jetzt, dass seine künstliche Herzklappe nach wie vor einwandfrei funktioniert, seine Herzkranzgefäße völlig in Ordnung sind, auch seine übrigen Blutbahnen keinen Anlass zur Sorge geben und altersgerecht durchlaufen werden. Insofern also alles im grünen Bereich. Was mir nach dem Krankenhausaufenthalt jedoch richtig Kopfzerbrechen bereitet, sind die Zustände im Krankenhaus selbst. Da ist in all den Jahren, die ich immer wieder mal Gast dort war, nichts besser, sondern nur noch schlimmer geworden. Das Pflegepersonal, das sich wirklich alle Mühe gibt, pfeift wegen Unterbesetzung auf dem letzten Loch. Auch die Ärzte, die ebenfalls hoch motiviert ihren täglichen Dienst versehen, können nicht gegen die zum Teil himmelschreienden Rahmenbedingungen anarbeiten. Während die Ärzte ihre Patienten in deren Betten selbst zu Untersuchungen schieben (müssen), kann die Apotheke ein benötigtes Medikament nicht einmal  innerhalb von zwei Werktagen beschaffen. Von Kommunikationsdefiziten im abteilungsübergreifenden Ablauf will ich gar nicht reden. Was soll ich sagen? Wer heute ins Krankenhaus kommt, sollte ein aufgeklärter und mündiger Patient sein. Hilflose Personen sind dem Ganzen ziemlich hoffnungslos ausgeliefert und können nur beten, unbeschadet wieder entlassen zu werden. Dass es nach wie vor kein kostenloses WLAN-Netz für Patienten gibt, ist angesichts der anderen Probleme schon fast nebensächlich.

Blick aus Opas Krankenzimmer: Der Rettungshubschrauber Christoph 31 startet gerade.

Sorgenfresser Gewehr bei Fuß

Es ist mal wieder soweit: Opa liegt im Krankenhaus. Am Sonntag spielte mein Magen derart verrückt, dass Oma und ich es angesichts meiner Vorgeschichte in Sachen Herz doch besser fanden, der Sache auf den Grund zu gehen und die Kardiologen vom Charité Campus Benjamin Franklin mal ran zu lassen. Die untersuchen jetzt, was meinen Magen – und auch meinen Blutdruck – so auf 180 gebracht hat. Gefunden haben sie aber noch nichts. Da sind meine Enkel schon wesentlich weiter. Während unser Ältester mich in seine Nachtgedanken fest mit eingeschlossen hat, hat unser Jüngster sofort in seine Sorgenkiste gegriffen und mir einen seiner Sorgenfresser zukommen lassen. Der steht nun bei mit im Krankenhaus Gewehr bei Fuß und vertilgt alle Sorgen, die sich bei mir breit machen könnten. Was soll ich sagen? Ach, die Welt kann mit Kinderaugen so einfach sein.

Steht für Opa Gewehr bei Fuß: Der Sorgenfresser von unserem jüngsten Enkel.

Anders als bei Yoko und John

Da sind wir wieder. Oma und Opa waren die letzten Tage sozusagen auf Tauchstation, besser gesagt in der Krankenstation. Irgendetwas hat uns regelrecht dahingerafft. Und so sind wir ein paar Tage im Bett geblieben. Aber anders als beim legendären „Bed-in“ von Yoko Ono und John Lennon, die ab 24. März 1969 in einem Amsterdamer Hotelzimmer statt Flitterwochen ziemlich sittsam und dennoch publikumswirksam für den Weltfrieden gekuschelt haben, haben wir beiden kranken Mäuse uns einfach nur unter die Bettdecke verkrochen und tapfer vor uns geröchelt. Jetzt bekommen wir wieder Luft und können uns einigermaßen schmerzfrei bewegen. Was soll ich sagen? Gut, dass bei uns keine Presse dabei war. Denn bei uns hätte es wirklich nicht so entspannt ausgesehen wie bei Yoko und John.

„Hartes“ Trinkwasser kein Risiko

„In Punkto Qualität und Geschmack erreicht das Berliner Trinkwasser Spitzenwerte“, sagen die Berliner Wasserbetriebe. Es enthalte viele wertvolle Mineralien und werde deshalb als „hart“ oder „kalkhaltig“ bezeichnet. Das ärgere zwar Kaffeemaschinen, Geschirrspüler und Co., aber einem puren und gesunden Trinkgenuss stehe deshalb nichts im Wege. Dies habe auch die Stiftung Warentest bestätigt. Gleichwohl tauchen immer wieder Horrormeldungen auf, in denen vor dem Trinken von Leitungswasser gewarnt wird. Dabei geht es insbesondere um kalkhaltiges Trinkwasser, das schädlich sein und vor allem für Herzpatienten ein Risiko darstellen soll – was Opa als Herzklappenpatient ja nun auch betrifft. „Die Frage, ob ein hoher Gehalt an Kalk im Trinkwasser mit der Verkalkung der Herzkranzgefäße in Verbindung steht, lässt sich mit einem klaren Nein beantworten“, schreibt auf der Webseite der Deutschen Herzstiftung Harald Klepzig, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt im Klinikum Offenbach. Und weiter: „Um Herzerkrankungen wie eine koronare Herzkrankheit zu verhindern, muss nicht auf kalkarmes Trinkwasser geachtet werden. Sinnvoll ist dagegen die Vermeidung der wissenschaftlich nachgewiesenen Risikofaktoren (Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel, Übergewicht etc.).“ Was soll ich sagen? Die von der Deutschen Herzstiftung sollten es ja wissen. Insofern werden Oma und ich weiter völlig unbesorgt unser Berliner Wasser trinken – die eine ohne, der andere mit Kohlensäure.

Essen und nichts mehr vergessen

Laut Duden ist die Gerüchteküche ein imaginärer Ort, an dem viele Gerüchte entstehen. Ist dieser Ort allerdings eine Küche, dann sind es eben Küchengerüchte. Die können auch spannend oder lustig oder beides sein. Jedenfalls wird sich Opa künftig jeden Samstag mit ihnen beschäftigen. Heute geht es um Küchengerüchte zum Thema Nahrung fürs Gehirn.

Nachdem ich neulich einfach meinen täglichen Post verschwitzt habe, will ich mich heute mal mit Lebensmitteln beschäftigen, die das Gehirn und die Denkfähigkeit fördern. Und sie tun noch mehr: Sie schützen sogar vor Demenz, wie neueste Studien eindeutig belegen. Der mediterranen Küche scheint dabei eine besondere Rolle zuzukommen. „Diese ist gekennzeichnet durch einen Verzehr von viel Obst und Gemüse, Olivenöl und Nüssen, dafür wenig rotes Fleisch und viel Fisch. Beim Fisch sollte man eher zu fettem Seefisch wie Lachs, Kabeljau oder Makrele greifen, da diese Fische viele langkettige Omega-3-Fettsäuren enthalten“, weiß Gunter Eckert, staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker und Fachpharmakologe. Wichtig ist offenbar, dass die gesamte Ernährung mediterran angelegt ist. Denn als Forscher nur den Verzehr von Einzelkomponenten untersucht haben, ließ sich eine Verbindung zwischen Ernährung und geringerem Alzheimer-Risiko nicht herstellen. Was soll ich sagen? Das ist wieder mal der Beweis, dass sich gesund und lecker nicht ausschließen.

PS: Meine Kinder meinten, ich solle mir auch samstags Überschriften überlegen, die zum Lesen animieren. Also gut, ab heute heißt es nicht mehr nur: „Gerüchteküche-Küchengerüchte“.

IMG_0502Viel Obst und Gemüse kennzeichnen die mediterrane Küche und sind gesund und lecker.

Wenn du zu blöd bist …

Es ist mir fast schon peinlich. Aber am Samstag habe irgendwie völlig verpeilt, meinen täglichen Blogbeitrag einzustellen. So mussten meine treuen Leser doch tatsächlich auf die Küchengerüchte aus der Gerüchteküche verzichten. Sogar Telefonanrufe hat es am Sonntag gegeben, die besorgt nachgefragt haben, ob ich krank oder sonst etwas passiert sei. Gott sei Dank konnte ich bzw. Oma Entwarnung geben. Aber aus gegebenem Anlass werde ich mich dann nächsten Samstag in der Gerüchteküche mit Küchengerüchten um Nahrungsmittel beschäftigen, die das Gehirn und die Denkfähigkeit fördern. Was soll ich sagen? Eine Freund meinte mal zu mir: „Wenn du zu blöd bist, Dir was zu merken, dann mach’s wie ich und schreib’s Dir auf!“