Flüggens faszinierende Strahlkraft

Gisbert Flüggen hätte seine wahre Freude gehabt: Am Wochenende kamen wieder Nachfahren von ihm zusammen, um in Berlin auf seinen Spuren zu wandeln. Viele Höhepunkte bot das zweieinhalbtägige Programm. Am „flüggensten“ war es am Samstag, als die Gruppe im Deutschen Historischen Museum sich vor seinem Bild Die Geldmäkler versammelte. Dort führte die promovierte Kunsthistorikerin Anna Ahrens von der Villa Grisebach die Flüggen-Nachfahren in die Zeit ihres Vorfahren und konnte viele interessante Aspekte herausarbeiten – unter kunsthistorischen Gesichtspunkten. Auch Stadtführerin Anke Fromme, eine promovierte Politikwissenschaftlerin, konzentrierte sich in ihrem Programmpunkt auf Orte, die einen Zusammenhang mit dem 19. Jahrhundert Gisbert Flüggens zu bieten hatten, und betrachtete diese Zeit unter einem anderen Gesichtspunkt, einem politischen, versteht sich. Die Attraktion des Treffens aber waren ganz sicher die Teilnehmer, die wieder einmal generationsübergreifend gekommen waren. Von unseren Enkeln, die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel Gisbert Flüggens sind, bis zu über 70jährigen Ur-Ur-Enkeln war eine ziemliche Bandbreite vertreten. Wie gesagt, unser Vorfahre hätte seine wahre Freude gehabt und sich einen Kullerkeks gefreut. Was soll ich sagen? Es ist faszinierend, wenn ein Mensch solch eine Strahlkraft auch noch so viele Jahre nach seiner Zeit entwickelt und Menschen so unterschiedlichen Alters und verschiedener Neigung zusammenbringt. Hoffentlich schaffen das viele seiner Nachkömmlinge, also viele von uns gleichermaßen.

Ganz viele Generationen versammelte sich vor dem Kunstwerk ihres Vorfahren.

Neues Magazin: Nice, hamma!

„Nice, hamma!“ ist, heißt es in „Süddeutsche Zeitung Familie“, 2016 der jugendliche Ausdruck der Bewunderung schlechthin gewesen. Und „nice, hamma!“ kann man heute bewundernd ganz sicher auch zu diesem neuen Magazin für Eltern und Kinder sagen. Denn die Marketingleute haben nicht zu viel versprochen, als sie schrieben: „Es besteht aus zwei Teilen –  einem für Eltern und einem für Kinder – und besticht durch große Leser- und Lebensnähe, hohe emotionale Aktualität und journalistische Qualität.“ Zielgruppe sind moderne Mütter und Väter, die – gut ausgebildet, beruflich erfolgreich – mindestens ein Kind im Alter zwischen vier und elf Jahren haben – sowie eben diese Kinder, die sich im Kindergarten- und Grundschulalter befinden. Aber auch Großeltern, so viel kann ich als Großvater sagen, werden angesprochen. Der Lesestoff ist kurzweilig, die Themenauswahl vielfältig und die Aufmachung ansprechend. Und so, wie das Heft für die Eltern daher kommt, scheint auch das Heft für die Kinder zu sein. Jedenfalls brachte unser jüngster Enkel sein Urteil kurz und bündig auf den Punkt: „Das ist gut“, sprach’s und verschwand – natürlich mit seinem Heft unterm Arm. Was soll ich sagen? Die Idee, ein Magazin zu entwickeln, das sich in zwei eigenständige Hefte trennen lässt, hat etwas und es so auch noch nicht gegeben. In Zeiten, in denen Kinder viel zu viel alleine vor dem Computer oder Fernseher sitzen und Lesen aus der Mode gekommen ist, mag ein solches Print-Magazin für einige Zeitgenossen ein wenig archaisch wirken. Aber vielleicht weist ja gerade solch gedrucktes Papier wieder den Weg zurück in die Zukunft.

EVT: 25. April 2017
Einzelverkaufspreis: 7,90 EUR
Abopreis: 46,80 EUR (6 Ausgaben im Jahr)
Format: 21,5 x 27,4 cm
Erscheinungsweise: zweimonatlich

Das neue Magazin „Süddeutsche Zeitung Familie“ – das Motto: Mein Heft ist Dein Heft.

Wie ein Donnerschlag

Oma und Opa hat es wie ein Donnerschlag getroffen. Da ahnt man nichts Böses, geht an den Briefkasten, holt ein paar Briefe heraus, öffnet sie und dann das: „Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, Sie sind eingeladen , an den Wahlen der Seniorenvertretung Ihres Bezirks teilzunehmen.“ … W A H L E N   D E R   S E N I O R E N V E R T R E T U N G ! ! ! Ja geht’s noch. Wir in unserem jugendlichen Al… Upps! Unter „Anzahl der Wahlberechtigten“ heißt es: Ca. 892.000 S E N I O R I N N E N und S E  N I O R E N, die im Land Berlin mit Hauptsitz gemeldet sind und am 31.03.2017 das 60. Lebensjahr vollendet haben. Upps! Was soll ich sagen? Vielleicht sollten wir doch unsere Ausweise wegwerfen und uns schätzen lassen.

Die Wahlbenachrichtigung traf Oma und Opa wie ein Donnerschlag.

Keine Kluft mehr

Oma und Opa haben am Wochenende mit unserer ältesten Tochter und ihrem Filius eine unsere Ziehtöchter getroffen. Dabei ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Die Kluft zwischen den Generationen ist beileibe nicht mehr so groß wie zu Zeiten meiner Mutter. Am deutlichsten konnte man das an der Kleidung von mir und meinem Enkel sehen. Beide trugen wir das Polo einer bekannten Marke, in Blau und mit dem Logo an der gleichen Stelle. Nur die Innenseite des Kragens unterschied sich farblich in geringfügigem Maße. Was soll ich sagen? Als Kind wäre ich nicht Traum darauf gekommen, ein Kleidungsstück zu tragen, das auch nur im Ansatz so aussah wie das von einem Erwachsenen. Heute sind die Kleinen stolz wie Oskar, dass sie so aussehen wie die Alten. Und die Alten freuen sich darüber umso mehr …

Seniorlife – auch für Jüngere

Youngdata, das Jugendportal der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder mit Informationen rund um das Internet, habe ich ja schon vorgestellt. Heute nun soll es Seniorlife sein, das Magazin für Lebensfreude im Alter mit Informationen, Unterhaltsamem und Neuem für Menschen in der dritten Lebenshälfte. Dort schreiben Experten, Gastautoren und eine Redaktion, die nach eigener Aussage „für das beste Alter lebt.“ Darauf gestoßen bin ich dadurch, dass die Seite Opas Blog in einem Artikel mit der Überschrift Alt werde ich später! – 40, 50 und 60plus Blogger vorgestellt hat – neben elf anderen interessanten Blogs. Was soll ich sagen? Es lohnt sich, hin und wieder mal auf der Seite vorbei zu schauen – übrigens auch für jüngere Semester.

PS: Richtig gut ist die Facebookseite von Seniorlife, vor allem die Sprüche sind klasse.

Beeindruckt in luftiger Höhe

Das war ein toller Tag, für unsere Enkel sowie für Oma und Opa. Denn heute haben wir einen gemeinsamen Ausflug unternommen, der es in sich hatte. Ziel war der Baumkronenpfad in Beeltiz-Heilstätten, zirka eine halbe Stunde von Berlin entfernt. Dort erschließt man sich dann in 23 Metern Höhe – sozusagen auf Augenhöhe mit den Baumkronen – eine völlig neue Perspektive auf das Gelände der ehemaligen Lungenheilstätte und die von Bäumen und Schlingpflanzen überwucherten Ruinen. Wenn das Adjektiv verwunschen passt, dann an diesem Ort. Die beiden kleinen Männer jedenfalls waren tief beeindruckt, während wir den 320 Meter langen Weg in luftiger Höhe beschritten. Selbst den 40 Meter hohen Turm mit Aussichtsplattform, von der wir selbst unseren Heimatstadtteil Lichterfelde sehen konnten, haben sie locker bezwungen. Was soll ich sagen? So ein Tag mit den Enkeln ist etwas Wunderbares, allerdings auch anstrengend. Denn nach dem heimischenPfannkuchen-Essen ging’s noch auf den Bolzplatz zum Kicken, so dass Oma und ich uns fühlen wie nach einem 90-Minuten-Match, plus Verlängerung und Elfmeterschießen. Heute Nacht, da bin ich mir sicher, werden wir alle Vier selig schlafen.

IMG_3268 IMG_3458Ganz schön mutig unseren beiden kleinen Männer, dort oben auf Höhe der Baumkronen.IMG_3275 IMG_3442

 

Eine Liebeserklärung

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Manchmal. Aber manchmal können auch Worte so treffsicher beschreiben, worum es geht. Ein Beispiel dafür habe ich heute in petto. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Florentine Fritzen beschrieben, wie es um das Verhältnis der Generation und vor allem die Rolle der Großmütter bestellt ist. Ihr Fazit: „Noch nie, das sagen auch Soziologen, waren sich die Enkel- und die Großelterngeneration so nah wie heute.“ Was soll ich sagen? Opas spielen in der Betrachtung zwar auch eine Rolle. Aber im Grunde ist es eine einzige Liebeserklärung an die Großmütter dieser Zeit. Und – sie haben es verdient.

Wirklich alt …

Dieser Tage war unser früherer Babysitter mit ihrem Mann im Rahmen eines Berlin-Besuchs bei uns zu Gast. Opa hat sich natürlich mächtig ins Zeug gelegt und was Leckeres gekocht. Das kam auch ausgesprochen gut an, und wir haben den ganzen Abend richtig viel Spaß gehabt. Zwischenzeitlich allerdings, dafür konnte die beiden jedoch nichts, blieb mir mein Lachen sozusagen im Halse stecken. Da wies unser Babysitter nämlich energisch darauf hin, dass sie und ihr Mann die Silberhochzeit längst hinter sich hätten und ebenfalls bereits Großeltern seien. Babysitter, Silberhochzeit, Großeltern – irgendwie konnte mein Gehirn da keinen sinnvollen Zusammenhang herstellen, bis auf den: Oma und Opa müssen mittlerweile steinalt sein. Was soll ich sagen? Manchmal steht man ja wirklich auf der Leitung. Wenn Oma und Opa demnächst 40-jährigen Hochzeitstag feiern, dann kann unser Babysitter von einst ja nicht mehr in den Flitterwochen sein. Ja, ja, wir werden wirklich alt …

Dialog mit der Zeit

Opa, der auch Botschafter des Bundesverbandes Initiative 50Plus ist, weiß: Bereits 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung in den Industrieländern über 65 Jahre alt sein und auch die Anzahl an Hochbetagten dramatisch zugenommen haben. Insofern ist der demografische Wandel eines der drängendsten politischen Themen, das eine Vielzahl von Fragen aufwirft – für jeden. Was bedeutet Altern im 21. Jahrhundert? Welche Bedeutung hat das Lebensalter für mich, meine Freunde und Familie, für andere, für uns alle? Welche Vorstellungen habe ich vom Altern? Was bedeutet Altern für mich und die Gesellschaft? Antworten darauf versucht eine Ausstellung über das Alter und den Prozess des Alterns zu geben, die bereits in Frankfurt und Berlin für Schlagzeilen gesorgt hat und nunmehr in Bern Station macht: Dialog mit der Zeit – Die Kunst des Alterns. Die Ausstellung will ein differenziertes Bild vom Alter vermitteln, die Angst vor dem Älterwerden mindern, Empathie gegenüber älteren Menschen fördern, Stereotypen hinterfragen und Vorurteile überwinden, den intergenerativen Dialog fördern, Arbeitsmöglichkeiten für ältere Menschen aufzeigen und ein Bewusstsein für die Möglichkeiten im Alter schaffen. Die Ausstellung besteht aus einer Anzahl von Stationen, an denen unterschiedliche Aspekte des Alterns in kreativer und spielerischer Art und Weise aufgenommen werden. Die Vermittlung erfolgt durch Senioren, die alle 70 Jahre und älter sind. Sie sind die Experten und führen diesen ganz besonderen inter-generativen Dialog, um Fehlannahmen und Ängste abzubauen oder Klischees und Vorurteile zu überwinden. Sie demonstrieren eindrücklich, dass selbst im hohen Alter sehr viele Perspektiven bestehen, um die in einem langen Leben erworbenen Potentiale für sich und die Gesellschaft zu nutzen. Noch bis zum 10. Juli 2016 kann man die Ausstellung besuchen, die im Museum für Kommunikation Bern stattfindet. Und wen interessiert, wer die Macher der Ausstellung sind und was sie zu der Ausstellung bewegt hat, kann das auf der Webseite der Ausstellung nachlesen. Was soll ich sagen? Irgendwie ist die Ausstellung, als sie in Berlin gastierte, komplett an Opa vorbei gegangen. Doch Gott sei Dank gibt es ja das Internet, in dem man dann doch fündig wird. Na mal sehen, vielleicht ergibt sich ja bis Mitte nächsten Jahres eine Reise nach Bern. Dann wird Opa die Ausstellung ganz sicherlich besuchen.

Versuch einer Annäherung

Harald Martenstein hat im Tagesspiegel von gestern die Frage aufgeworfen: Mit über 60 Vater werden – ist das egoistisch? Die Frage ist doch eher: Ist es gut für das Kind? Wohl wissend, dass man das so pauschal gar nicht beantworten kann, will ich versuchen, mich ganz vorsichtig einer Antwort zu nähern. Ganz sicher ist es richtig, dass auch ältere Eltern gute Eltern sein können. Allerdings darf der Einwand gestattet sein, dass sich die Natur vielleicht etwas dabei gedacht hat, das ideale Alter zum Kinderkriegen ins dritte Lebensjahrzehnt zu verlegen. Bei einer 25-Jährigen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Baby mit Down Syndrom auf die Welt kommt, bei 1:1.500, bei einer 35-Jährigen bei 1:400. Fünf Jahre später liegt die Wahrscheinlichkeit schon bei 1:109, bei einer 45-Jährigen gar bei 1:32. Aber auch für Männer, die bis ins hohe Alter befruchtungsfähige Spermien bilden können, ist das kein Freibrief. Ab 35 lässt die Spermienqualität langsam nach. Untersuchungen haben ergeben, dass bei Kindern von Vätern über 45 deutlich mehr Fehlbildungen, schwere Erkankungen und psychische Krankheiten auftreten. Ob das nun an der schadhaften DNA liegt oder andere Ursache hat, sei einmal dahin gestellt. Sicher indes ist, dass alles seine Zeit hat. Und da möchte ich als gleichaltriger Vater zweier allerdings erwachsener Töchter (34 und 37 Jahre) und Großvater zweier vier- und fünfjähriger Enkel auf zwei Textpassagen von Martenstein eingehen, bei denen aus meiner Sicht die ganze Problematik deutlich wird. Ein Kind großzuziehen, sei schön, schreibt er, und fährt fort: „aber es kostet auch etwas, damit meine ich nicht in erster Linie das Geld. Du gibst etwas her, Freiheit, Unabhängigkeit, Lebensgenuss.“ Wenn Martenstein tatsächlich so empfindet, tut er mir leid. Denn Kinder großziehen bedeutet ganz sicher keinen Verlust von Lebensgenuss, sondern vielmehr einen Zugewinn. Vielleicht hängt das ja doch mit dem Alter zusammen und der mühsame Erziehungsalltag ist körperlich wie mental in jüngeren Jahren besser zu verkraften. An anderer Stelle schreibt Martenstein: „Wir Väter verschwinden aus dem Leben der Kinder sowieso, auch, wenn wir noch irgendwo herumwursteln. Irgendwann sind die meisten von uns zu jemandem geworden, den man an Weihnachten anruft, weil es sich so gehört.“ Dem muss ich nun vehement widersprechen. Jedenfalls habe ich nicht das Gefühl, dass ich aus dem Leben meiner Kinder verschwunden wäre. Ganz im Gegenteil. Und die Brücke, auf der wir uns regelmäßig begegnen, ist Liebe und gegenseitiger Respekt, angereichert durch zwei wunderbare Enkelkinder, die ihre alten Großeltern ebenso brauchen wie ihre jungen Eltern. Was soll ich sagen? Besser, um wie Martenstein zu enden, geht’s nicht!