Wenn die Eltern komisch werden

Oma und Opa haben das längst hinter sich. Ihren Kindern aber steht es noch bevor: Die Zeit, wenn der eigene Nachwuchs in die Pubertät kommt. Es ist zwar noch ein bisschen hin, denn die beiden Buben sind ja erst sechs bzw. sieben Jahre alt. Aber diese Phase kommt gemeinhin schneller, als man denkt. „Pubertät ist, wenn die Eltern komisch werden“, heißt einer der vielen Ratgeber, die den geplagten Eltern Hilfe suggerieren. Doch außer dem, was man ohnehin schon mal gehört hat und insofern zu wissen glaubt, gibt es in den meisten Fällen nicht wirklich Hilfreiches. Vielmehr ist man selbst gefordert, die eigenen Emotionen etwas herunterzufahren und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Denn wenn ein freundliches „Guten Morgen“ von den eigenen Kindern schon als Beleidigung empfunden wird, ist Ruhe erste Elternpflicht. Was soll ich sagen? Das wirkliche Leben ist ja bekannterweise der beste Ratgeber. So las ich jetzt gerade ein Interview mit der deutschen Schauspielerin Maria Simon, deren Sohn, als er in der Pubertät war, einmal zu ihr sagte: „Mama, das geht so nicht. Du musst dich mit mir verändern.“ Wohl wahr. Besser hätte ich das jetzt auch nicht ausdrücken können.

Stars in der Manege

Das war ein aufregendes Wochenende – für Oma und Opa, vor allem aber für unseren ältesten Enkel! Denn der hatte am Samstag gemeinsam mit weiteren Schülern seiner Grundschule einen wahrhaft großen Auftritt in einer Berliner Zirkus-Manege. Circus Mondeo heißt der Zirkus, der gemeinsam mit dem ErlebnisCircus e.V. ein Projekt ins Leben gerufen hat, das einfach genial ist und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Seinen Anfang nahm der „MitMachZirkus“, wie der Projektname lautet, in Neukölln und bietet heute  Schulen in der ganzen Stadt Projektwochen an, in denen die Schüler zu Stars in der Manege werden. Tausende von Kindern sind bereits dort aufgetreten und haben eine Erfahrung gemacht, die für ihr weiteres Leben besonders wichtig ist, nämlich dass jedes Kind Fähigkeiten hat, die in dem Projekt zum Tragen kommen, sprich, dass jeder gebraucht wird. Spiritus Rector ist sicher Gerhard Richter, der mit seiner Familie das Prinzip „MitMachZirkus“ über 20 Jahre lang aufgebaut und weiterentwickelt hat. Was soll ich sagen? Wenn es den „MitMachZirkus“ noch nicht gäbe, müsste er schnellstens erfunden werden. Unser Enkel jedenfalls war begeistert. Und nach den anderen Kinderaugen zu urteilen, die ebenfalls. Von den vielen stolzen Geschwistern, Eltern und Großeltern will ich erst gar nicht reden.

 Gerhard Richter, der Spiritus Rector des MitMachZirkus. Leuchtende Tuch-Jonglage – und mit dabei: Unser ältester Enkel.       Fotos: Stephan Mock Jonglieren mit Keulen: Beeindruckende Leistung.

PS: Dass sich die frühere niederländische Königin Beatrix, also die Monarchin von Oma, unseren Kindern und Enkelkindern, mit ihrem Sohn Willem Alexander und seiner Frau Maxima, dem heutigen Königspaar, in dem Zirkus auch schon die Ehre gegeben hat, sei nur am Rande erwähnt.

Schön wär’s schon (gewesen)

Wenn Kinder immer täten, was die Erwachsenen erwarten, dann wäre Kindererziehung sozusagen ein Dorado. Der Duden definiert das auch als Wunschland oder Paradies. Da dem aber nicht (immer) so ist, behelfen sich Eltern zuweilen mit bizarren Hilfsmitteln. Als unsere jüngste Tochter mit ihrem Sohn am zweiten Weihnachtsfeiertag bei uns war, sollte der Kleine irgendwann mal (ein)schlafen, um seine verdiente Ruhe zu kriegen. Doch der wollte davon überhaupt nichts wissen und geisterte immer noch ziemlich frisch durch die Gegend. Irgendwann war es dann auch seiner Mutter zu viel, so dass sie ihn mehr oder weniger eindringlich ermahnte: „Jetzt sei doch bitte mal ein bisschen müde!“ Und man mag es kaum glauben: Irgendwie funktionierte das auch irgendwann einmal. Was soll ich sagen? Wenn ich gewusst hätte, dass das so einfach ist, hätte ich meine Kinder auch das eine oder andere Mal ganz höflich gebeten. Ob das aber tatsächlich so funktioniert hätte …? Na ja, ich weiß ja nicht. Aber schön wär’s schon (gewesen).

Opa schon zum dritten Mal dabei

Wer hätte das gedacht. Jetzt gibt es Men’s Health DAD bereits zum dritten Mal und in jeder Ausgabe war Opa mit einem Statement vertreten. Da sage einer, Großväter seien nicht gefragt. Aktuell lautet die Gewissensfrage: Darf ich vor meinem Kind rauchen oder trinken? Die Antworten: Völlig unterschiedlich, so wie eben die Personen, die sich dahinter verbergen. Neben Opa sowie Sven Trautwein von Zwillingswelten und Thomas Alboth von The Familiy Without Borders, die schon beim letzten Mal gefragt wurden, ist der Vierte im Bunde Mario Foerster, der Netpapa herausgibt. Was soll ich sagen? Also, ich kann nur empfehlen: Nichts wie zum Kiosk und Men’s Health DAD gekauft. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben …

gewissensfrageSeit heute am Kiosk: Men’s Health DAD Nummer 3 – und Opa ist auch wieder dabei.

Opa wieder in Men’s Health DAD

„Wie alt muss mein Kind sein, damit ich es zu Hause auch mal alleine lassen kann?“ Diese Frage stellte Men’s Health DAD für die aktuelle Ausgabe, also 01/16. Drei Väter-Blogger, Kai Bösel von daddylicious, Sven Trautwein von Zwillingswelten und Thomas Alboth von The Familiy Without Borders, lassen die Leser wissen, wie sie es mit dem eigenen Nachwuchs halten. Der Vierte im Bunde, sozusagen der d’Artagnan der drei Musketiere in alt, ist – wie sollte es anders sein – Opa, der schon in der ersten Ausgabe von Men’s Health DAD dabei war und von der Zeitschrift als „bloggender Großvater“ avisiert wird. Die fasst übrigens das Ergebnis der Ausführungen so zusammen: „Eine Frage, viele Meinungen.“ Insofern verzichte ich hier darauf, die verschiedenen Aussagen zu beschreiben, zumal jede einzelne in der Tat sehr individuell ist. Wer also wissen möchte, was die vier Väter denken, wird nicht umhinkommen, die Zeitschrift zu kaufen. Was soll ich sagen? Ich zitiere mich mal selber und gebe wieder, was ich am Schluss meines Beitrages geschrieben habe: „Nur nicht verrückt machen (lassen), ist alles nur ein Übergang.“

IMG_27493 Väter-Blogger und ein bloggender Großvater: Auch in der zweiten Ausgabe von Men’s Health DAD war Opa (r.) wieder mit von der Partie und hat seinen Senf dazugegeben.

Ostern kommt der Ostermann?

Weihnachten kommt der Weihnachtsmann und Ostern? Na klar: Der Ostermann. So jedenfalls antwortete, ohne lange nachzudenken, spontan in kleiner Runde einmal einer unserer Enkelsöhne, um dann doch innezuhalten: „Das stimmt doch nicht! Das ist der Osterhase“, belehrte er sich und die anderen unter schallendem Gelächter, in das er freudig mit einstimmte. Gar nicht zum Lachen ist einem allerdings, wenn man sich die sogenannten Straßenumfragen der privaten Fernsehsender antut, bei denen sich die Befragten beispielsweise mit der Aussage blamieren, dass an Ostern der Osterhase Geburtstag hat. Hat er aber nicht. Insofern wiederhole ich gerne das, was ich schon einmal auf diesem Blog geschrieben habe: Die “Kar”-Woche leitet sich ab von dem Wort “Kara”, das im Althochdeutschen Klage, Kummer oder Trauer bedeutet. Die Woche beginnt mit dem “Palmsonntag”, dem Tag, an dem Jesus begeistert und mit Palmen in Jerusalem empfangen wurde. Am Donnerstag, dem “Gründonnerstag”, gedenken die Christen des letzten Abendmahls, das Jesus und seine Jünger hielten. Am “Karfreitag” wird der Kreuzigung gedacht, der “Karsamstag” ist der eigentliche Trauertag, bevor Ostern, am “Ostersonntag” und “Ostermontag”, die Auferstehung Christi im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht. Das ist in aller gebotenen Kürze das, worum es in der Karwoche und an Ostern geht. Was soll ich sagen? Wenn jetzt doch jemand in diesen Tagen einen Hasen durch seinen Garten hoppeln sieht, kann das trotzdem eine österliche Bewandtnis haben.

Langeweile ist so wichtig

Wer kennt sie nicht, die Eltern, die im Nebenberuf Animateure ihrer Kinder sind. Da muss seitens des Nachwuchses Ballett getanzt oder Hockey gespielt, mit Tuba oder Geige musiziert, Picasso und Leonardo da Vinci nachgeeifert und neben Deutsch natürlich noch Mandarin oder Spanisch parliert werden. Der Terminkalender mancher kleiner Menschen ist so vollgepackt wie der des Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Unternehmens – nur dass der zwischendurch wenigstens noch einen Golftermin hat. Selbst Mama oder Papa steht zuweilen der Schweiß auf der Stirn, wenn es darum geht, von einem Termin zum anderen zu jagen. Dabei wäre es so wichtig, dass die Kinder Zeit hätten, zu sich selber zu finden. Mehr noch, ihnen wird die Möglichkeit genommen, sich in der Langeweile zu verlieren, die der stärkste Motor für Kreativität ist. Den Zusammenhang zwischen dem Faktor Zeit und der freien Entfaltung der Fantasie zeigt der Versuch der Kreativagentur Café Communications, die Kindern zehn Sekunden bzw. zehn Minuten Zeit gaben, das Zifferblatt einer Uhr zu komplettieren. Das Ergebnis jedenfalls spricht Bände. Was soll ich sagen? Liebe Eltern, lasst doch mal eure Kinder in Ruhe und zu sich selbst kommen. Wer diesbezüglich Nachhilfe benötigt, dem kann ich nur empfehlen, Oma einfach mal beim Spielen mit ihren Enkelkindern zuzuschauen. Einfach klasse!

„Niemand darf uns wehtun!“

Die Kinder lieben sie: Die Pixi-Bücher, die im Carlsen-Verlag erscheinen und schon vielen Generationen die Welt erklärt haben. Seit dem ersten Pixi-Buch mit dem Titel „Miezekatzen“ im Jahr 1954 sind bis heute in Deutschland über 460 Millionen Exemplare an Pixi-Büchern verkauft worden. 1.700 verschiedene Titel gibt es, in 200 Serien. Der Preis für ein Pixi-Buch betrug anfänglich 0,50 DM. Heute, sechzig Jahre später, kostet ein Pixi-Buch 0,99 €. Jetzt ist ein ganz besonderes und auch noch kostenloses Pixi-Buch erschienen: „Niemand darf und wehtun!“, mit dem das Deutsche Kinderhilfswerk Kinder im Kita-Alter und Eltern auf Kinderrechte aufmerksam machen will. Der Inhalt: Jakob und sein Papa haben Stress beim Frühstück. Jacob bekommt einen Klaps auf die Hand, weil er das Milchglas umgekippt hat. Was die Kleinen schon verstehen: der Papa darf den Jakob nicht hauen, und der Jakob den Papa auch nicht. Das Buch, das mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums hergestellt wurde, kam so gut an, dass die erste Auflage in einer Höhe von 54.000 Stück bereits vergriffen ist. Oma und Opa haben noch Glück gehabt und eines ergattern können. Was soll ich sagen? Hoffentlich gibt es das Buch bald wieder. Denn das Thema „Kinderrechte“ ist so wichtig, dass man diese Geschichte gar nicht oft genug unters Volk bringen kann. Die auch auf diesem Blog immer wieder beklagten Missbrauchszahlen sprechen da eine tieftraurige wie deutliche Sprache.

pixi-niemand-darf-uns-wehtun                       Mit diesem kostenlosen Pixi-Buch will das Deutsche Kinderhilfswerk                          Kinder im Kita-Alter und Eltern auf Kinderrechte aufmerksam zu machen.

Kinder an die Macht

Dass der Klimawandel eines, wenn nicht das größte Problem unserer Zeit darstellt, weiß mittlerweile jedes Kind. Denn wenn wir es nicht schaffen, weltweit die Treibhausgas-Emissionen zu senken und die Erderwärmung zu begrenzen, dann werden unsere Kinder und Kindeskinder mit unkontrollierbaren Folgen zu kämpfen haben, deren Ausmaß man sich gar nicht vorstellen mag. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Begrenzung bei 1,5 oder 2 Grad liegt. Sicher aber ist, dass, wenn nicht schnell etwas passiert, es irgendwann in naher Zukunft kein Zurück mehr gibt. „Point of no return“ heißt das auf Neudeutsch und ist, wie gesagt, jedem Kind bekannt. Das gilt übrigens auch für unsere Enkel, die von ihren Eltern – auch diesbezüglich – vorbildlich erzogen werden. So monierte letztens unser jüngster Enkel, dass der Motor der Mirkowelle, die Oma angeworfen hatte, auch noch nach Beendigung des Aufwärmvorgangs weiterlief. „Oma, das ist Stromverschwendung“, sagte er und ließ sich nur sehr schwer davon überzeugen, dass das das Gerät selber mache und Oma keinen Einfluss darauf habe. Was soll ich sagen? Kinder sind offensichtlich schlauer als manche Politiker und unverbesserliche Umweltdinosaurier. Vielleicht hatte Herbert Grönemeyer ja recht, als er schon 1986 sang: Kinder an die Macht.

Liebe Eltern, bitte …

Opa hat es bei der Lektüre der Zeitung einmal mehr die Sprache verschlagen. Es ging in dem Artikel im Tagesspiegel um Kitas und ihre Bedeutung. Und dann kam folgende Stelle, überschrieben mit DREI ROTE ÄPFEL: „Rot, blau, grün: Selbst deutschstämmige Kinder wissen mitunter nicht, was es mit diesen Worten auf sich hat. Die gängigen Kinderspiele, mit denen die Farben leicht gelernt werden können, gehören eben nicht in allen Familien zum festen Repertoire. Wenn es massiv an Förderung fehlt, haben die Fünfjährigen außerdem keine Vorstellung von Formen, Größen, Entfernungen, Bewegungen oder Strukturen. Ob eine Maus größer ist als ein Elefant oder schneller läuft als eine Schnecke – diese Fragen stellen jedes fünfte Kind vor große Probleme, weil es mangels Frühförderung nicht über die notwendige visuelle Wahrnehmung verfügt. Zusätzlich gehandicapt sind die Kinder, falls sie auch mit Mengenangaben nichts anfangen können: Wenn die Schulärzte vor sich auf den Tisch ein paar Äpfel legen und wissen wollen, ob ein Apfel mehr ist als drei, weiß jedes zehnte Kind darauf keine Antwort.“ Da muss man erst einmal schlucken, doch dann brennt es einem auf den Nägeln: „Was, bitteschön, machen die Eltern mit ihren Kindern, bzw. was nicht?“ Denn unsere beiden Enkel, denen ich entsprechende Fragen gestellt habe, haben mich ziemlich entgeistert und ungläubig angeschaut und gefragt, ob mit mir alles in Ordnung sei. Beide, der eine noch 4, der andere gerade 6 Jahre alt, mussten noch nicht einmal nachdenken. Was soll ich sagen? Liebe betreffende Eltern, beschäftigt euch doch bitte mal mit euren Kindern, statt immer nur in die Glotze zu schauen, und sorgt dafür, dass euer Nachwuchs etwas lernt.

IMG_2386Offenbar eine schwierige Frage: Ist ein Apfel mehr als drei? Jedes 10. Kind weiß es nicht.