Glas immer halb voll

Eine Freundin von Oma hatte im Herbst letzten Jahres ihren Schlüsselbund verloren, als sie mit ihr unterwegs gewesen war. Oma hat denn auch in unserem Auto sofort nachgeschaut, ob er sich vielleicht dort irgendwo versteckt hat, war aber nicht fündig geworden. Gestern nun plötzlich hörte sie – im übertragenen Sinne – eine Stimme, die rief: „Hier bin ich.“ Und siehe da: Völlig unversehrt und erwartungsvoll lag der Schlüsselbund da und strahlte Oma unschuldig an – war er doch unter den Sitz gefallen und dort immer wieder unbemerkt hin- und hergeschoben worden. Ihren Fund berichtete sie denn auch sofort ihrer Freundin, die seinerzeit alle Schlüssel hatte nachmachen lassen. Unser jüngster Enkel, der bei dem Fund anwesend war, gab ihr für diese Korrespondenz auch gleich eine gute Argumentationslinie mit, um der Freundin das Positive dieses Fundes schmackhaft zu machen: „Jetzt hat sie wenigsten für jeden Schlüssel ein Ersatzschlüssel.“ Was soll ich sagen? Um den kleinen Mann muss man sich keine Sorgen machen. Denn mit so einer Einstellung kommt der locker und leicht durchs Leben. Jedenfalls ist sein Glas nie halb leer, sondern immer halb voll.

Delikatesse unter den Büchern

Es gibt Bücher, die kann man als Hausmannskost bezeichnen. Das muss nicht schlecht sein. Ist solide und schmeckt trotzdem. Und dann gibt es echte Delikatessen unter den Büchern, die im wahrsten Sinne des Wortes trunken machen. Dazu zählen ganz sicher Dalís Weine von Gala. Was soll ich sagen? Wer sich berauschen will, kann kein geeigneteres Buch finden. Aber ein Glas Wein sollte man schon dazu trinken.

Bildgewaltig: Die Weine von Gala, Dalís neu aufgelegte exzentrische Weinbibel.

Koordinatensystem verschoben

Das SPD-Mitgliedervotum hat ein Schlaglicht auf die politische Kultur in unserem Lande geworfen. Dabei darf der Umstand, dass mit dem mehrheitlichen Ja der SPD-Mitglieder zur Großen Koalition nun endlich eine Regierung ihre Arbeit gebildet kann, allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das demokratische Koordinatensystem in unserem Lande gewaltig verschoben hat. Nach dem Grundgesetz geht alle Staatsgewalt vom Volke aus, das diese in Wahlen und durch Organe von Legislative, Exekutive und Judikative ausübt. Dabei wirken in Deutschland die Parteien an der politischen Willensbildung des Volkes mit – und zwar auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, „indem sie insbesondere auf die Gestaltung der öffentlichen Meinung Einfluss nehmen, die politische Bildung anregen und vertiefen, die aktive Teilnahme der Bürger am politischen Leben fördern, zur Übernahme öffentlicher Verantwortung befähigte Bürger heranbilden, sich durch Aufstellung von Bewerbern an den Wahlen in Bund, Ländern und Gemeinden beteiligen, auf die politische Entwicklung in Parlament und Regierung Einfluss nehmen, die von ihnen erarbeiteten politischen Ziele in den Prozess der staatlichen Willensbildung einführen und für eine ständige lebendige Verbindung zwischen dem Volk und den Staatsorganen sorgen“, wie es in § 1 Absatz 2 des Parteiengesetzes heißt. Das Volk, von dem die Staatsgewalt hierzulande ausgeht, besteht derzeit 82,8 Millionen Menschen, von denen 61,5 Millionen Menschen bei der letzten Bundestagswahl wahlberechtigt waren. Diese 61,5 Millionen Wahlberechtigte haben der Politik nicht besonders viel Freude bereitet. Denn das Wahlergebnis war nicht gerade das, was sich die Verantwortlichen in den Parteien erhofft hatten. Jedenfalls gestaltete sich die Regierungsbildung nach der Wahl am 24. September 2017 so schwierig, dass wir nach wie vor nur eine geschäftsführende Regierung im Amt haben. Erst scheiterten die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition aus CDU, CSU, Grünen und FDP. Dann verhandelten Union und SPD mit einem Ergebnis, das jetzt mit 66,02 Prozent von der Mehrheit der SPD-Mitglieder abgesegnet wurde, die damit den Weg frei für eine Regierungsbildung gemacht haben. Wenn man jetzt allerdings genauerer hinschaut, ergibt sich ein – sagen wir einmal – komisches Bild. Denn von den über 460.000 SPD-Mitgliedern haben sich 378.437 an dem Mitgliedervotum beteiligt. Das sind immerhin 78,39 Prozent. Vergleicht man diese Zahl jedoch mit der Zahl der Wahlberechtigten in Deutschland, sieht das Ergebnis nicht mehr so positiv aus. Denn es sind nur 0,6 Prozent der Wahlberechtigten, wobei einige von ihnen bei einer Bundestagswahl überhaupt nicht wahlberechtigt wären wie Ausländer oder unter 18-Jährige. Das heißt also nichts anderes, als dass über das Wohl und Wehe unseres Landes gerade einmal eine Handvoll Menschen entschieden hat, die in keinster Weise repräsentativ für das (Wahl-)Volk ist. Was soll ich sagen? Vor diesem Hintergrund ist es doch einigermaßen befremdlich, wenn sich eine SPD, die mit ihren aktuell 16 Prozent Zustimmung bei Umfragen alles andere als noch eine Volkspartei ist, als basisdemokratische Mutter aller Demokraten feiert. Darüber hinaus wird es spannend sein zu beobachtet, inwieweit die SPD den Zweidrittel-Eindrittel-Riss, der nach dem Mitgliedervotum in der GroKo-Frage durch die Partei geht, gekittet werden kann. Denn viel Spielraum bleibt den Sozialdemokraten für Grabenkämpfe nicht. Ein Schicksal wie das der niederländischen Kollegen, die mit nicht einmal mehr 50.000 Mitgliedern bei der Wahl im letzten Jahr von 24,8 Prozent auf gerade noch 5,7 Prozent der Stimmen abgesackt sind, erscheint längst nicht mehr ausgeschlossen.

KINDER | KOCHEN: Mitmachen!

Zum Wochenende hin hat sich bei Oma und Opa wieder einmal alles um KINDER | KOCHEN gedreht. Am Freitag stand der vorerst letzte Kochkurs in diesem Schuljahr an der Humboldthain-Grundschule auf dem Programm. Und die Kinder waren dieses Mal besonders engagiert bei der Sache und haben die Lehrer ebenso beeindruckt wie uns beide. Tags zuvor kam überraschend schon das Rollup an, das wir Anfang der Woche für KINDER | KOCHEN bestellt hatten und demnächst beim Marktplatz der Möglichkeiten im Rahmen des Aktionstages Berlin sagt Danke! sowie beim Berliner Hoffest zum Einsatz kommen wird. Was soll ich sagen? Wer Lust und Zeit hat, bei KINDER | KOCHEN mitzumachen, soll sich melden. Es macht einfach Spaß. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Die Kinder war dieses Mal besonders engagiert dabei und haben geschnippelt, was das …… Zeug hält. Damit immer mehr Menschen mitmachen, werben wir demnächst bei einer …… ganzen Reihe von Veranstaltungen für KINDER | KOCHEN. Haben Sie Zeit und Lust?

 

Kostenlosen ÖPNV gibt’s nicht

Das war ja eine kurze Diskussion. Kaum hatte die Bundesregierung einen kostenlosen ÖPNV ins Spiel gebracht, war die Idee auch schon wieder vom Tisch. Bei einem Treffen in Bonn haben die Städte Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim gegenüber Vertretern des Bundesumweltministeriums klar gemacht, dass sie aus Kostengründen nicht als Versuchskaninchen herhalten wollen. Ich möchte jetzt gar nicht darüber sinnieren, ob ein kostenloser ÖPNV nun sinnvoll ist oder nicht. Da kann man je nach Sichtweise und Standpunkt sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Aber eines hat mich an den Einlassungen denn doch gestört. Jedenfalls hat sich niemand getraut, festzustellen, dass es einen kostenlosen ÖPNV eigentlich gar nicht geben kann. Schließlich kostet jeder Kilometer Bus, Straßen- oder U-Bahn einen bestimmten Betrag X. Und den muss jemand bezahlen. Selbst fahrpreisbehafteter ÖPNV ist nicht kostendeckend und muss subventioniert werden. Dabei liegt der Zuschussanteil auch schon mal bei 80 Prozent. in Berlin beispielsweise liegt die Quote bei rund 50 Prozent. Verzichtet man nun auf die Fahrpreise, wird der Verkehr zu 100 Prozent umlagefinanziert. Die Frage ist nur, wer am Ende die Zeche zahlt: Der Steuerzahler, der Autofahrer oder wer auch immer. Was soll ich sagen? Da eine gerechte Lösung fast nicht möglich ist, wird es flächendeckend einen nicht fahrpreisbehafteten ÖPNV auf absehbare Zeit wohl nicht geben. Die Idee wird zwar immer mal wieder aufkommen, dann aber genauso schnell wieder beerdigt werden.

Selbst fahrpreisbehafteter ÖPNV – wie hier in Berlin – ist nicht kostendeckend.

KINDER | KOCHEN offiziell geehrt

Am Samstag war es soweit: KINDER | KOCHEN wurde auf der Bildungsmesse didacta in Hannover offiziell als Partner von “IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ geehrt. Lars Switala vom Bundeszentrum für Ernährung überreichte Oma und Opa, den Initiatoren von KINDER | KOCHEN, die Auszeichnung. Und während WDR-Moderatorin Edda Dammmüller mit Oma plauderte, kochte Opa mit BIO-Spitzenkoch Tino Schmidt zwei Rezepte, die Opa angeregt hatte: Tomate, Mozzarella, Basilikum, verfeinert mit Olivenöl und Balsamico-Perlen. Dazu werden 150 Milliliter Balsamico-Essig mit 2 bis 4 Gramm aufgekocht, das Ganze auf eine Spritze aufgezogen und dann in eiskaltes Olivenöl geträufelt. Die Tropfen werden dann, während sie durch das Öl gleiten, zu kleinen Kügelchen. Darüber hinaus gab es Miso-Muscheln mit gerösteten Sesam-Körner. Während die Nudel-Muscheln gekocht werden, wird Butter und Miso im Verhältnis 2 zu 1 in einem Topf geschmolzen, etwas Nudelwasser hinzugegeben und zu einer cremigen Sauce gemacht. Wenn die Nudel-Muscheln fertig sind, diese einfach in der Sauce schwenken, auf einen Teller geben und ein paar Sesamöl-Körner darüber streuen. Was soll ich sagen? Fertig und lecker – die Standbesucher jedenfalls waren begeistert.

PS: Die offizielle Pressemitteilung zur Ehrung findet sich hier.

Lars Switala vom Bundeszentrum für Ernährung (im Bild oben rechts | © Photovision-DH / Foto: Daniel Hermann) überreichte Oma und Opa die Auszeichnung. Danach kochte Opa mit Bio-Spitzenkoch Tino Schmidt (im Bild unten rechts | © KINDER | KOCHEN).

Blaue Zipfel einfach spitze

Wenn man in Berlin seinen Gäste blaue bzw. saure Zipfel anbietet, dann sind die meisten erst einmal skeptisch. Denn bei den Zipfeln handelt es sich um Nürnberger Rostbratwürste, die nicht gegrillt, sondern gebrüht werden. Wenn die Gäste aber erst einmal probiert haben, können sie gar nicht genug davon bekommen. In Franken, wo die blauen Zipfel als Nationalgericht gelten, ist das eh so. Nun ist ein guter Bekannter von mir, den ich gestern Abend zufällig getroffen habe, ins Frankenland umgesiedelt. Da habe ich ihm versprochen, mein Rezept der blauen Zipfel zur Verfügung zu stellen, damit er in seiner neuen Heimat groß auftrumpfen kann. Wer die Würste ebenfalls nachkochen will, findet die Anleitung hier. Was soll ich sagen? Es gibt eine Vielzahl an Rezepten für dieses Gericht. Das Rezept meiner Großmutter beispielsweise hatte viel weniger Zutaten als meines, bei dem immerhin 20 Zutaten zum Einsatz kommen. Aber wie auch immer: Oma meint, ich soll nichts mehr ändern. Meine blauen Zipfel seien einfach spitze und lecker. Wenn Oma das sagt, wird es wohl stimmen.

Blaue Zipfel, einfach lecker.

Das Fundament allen Glücks

Oma und Opa sind heute ganz groß rausgekommen. Im aktuellen Heft von Berlin vis-à-vis und in der Online-Ausgabe des Magazins für Stadt|Entwicklung werden wir interviewt. Es geht um KINDER | KOCHEN, wie sollte es anders sein. Wen’s interessiert, kann ja mal reinschauen. Recht herzlich eingeladen sind Interessenten auch am Samstag (24. Februar), wenn Oma und Opa in Sachen KINDER | KOCHEN auf der Bildungsmesse didacta in Hannover sind und der Verein von IN FORM, der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und vom Bundesministerium für Gesundheit getragenen Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, geehrt wird. Das Ganze passiert um 14.00 Uhr in der Halle 13 auf dem Gelände der Deutschen Messe. Opa wird dann auch mit dem dortigen Koch vor Ort ein paar Kleinigkeiten zubereiten. Es ist also angerichtet. Wer Lust und Zeit hat, weiß, wo wir zu finden sind. Was soll ich sagen? Lassen wir den Großmeister der französischen Küche, Georges Auguste Escoffier, zu Wort kommen: Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks.

Der Film im Film im Film …

Oma und Opa sind bekennende und begeisterte Tatort-Fans und haben auch am vergangenen Sonntag – wie eigentlich jede Woche – pünktlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher gesessen. Und dieses Mal hat es sich besonders gelohnt. Meta heißt die Folge, die passend zur derzeit stattfindenden Berlinale in Berlin auch aus der Hauptstadt kommt und ebenfalls während der Berlinale spielt. “Auf verstörende Art schildert ein Thriller auf der Berlinale den Mord an einer Prostituierten. Rubin und Karow sind sprachlos, denn was die Polizisten Rolf Poller und Felix Blume im Film Meta ermitteln, passt zu ihrem aktuellen Fall”, heißt es in der Beschreibung des Senders. Mehr noch: Der Film ist der Film im Film, der im Film der Film ist. Das haben Sie jetzt ganz sicher nicht verstanden. Macht nichts: Denn der Film ist nur ein Film, wobei man manchmal nicht weiß, in welchem Film man gerade ist – auf jeden Fall nicht im falschen. Was soll ich sagen? Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Es ist zwar nur ein Film. Aber den sollte man unbedingt gesehen haben. Zeit bleibt noch ein wenig. Die Tatort-Folge kann bis zum 20. März in der Mediathek abgerufen werden.

Manchmal weiß man nicht mehr, in welchem Film man gerade ist, auf jeden Fall nicht im falschen.                                                                                         Foto: rbb/Reiner Bajo