Vorerst kein Weltuntergang

Nach diesem Wahlsonntag stellt sich mir als Großvater die Frage: Muss ich mir um die Zukunft meiner Kinder und Enkelkinder ernsthaft Sorgen machen? Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein! Fassen wir also zusammen, was passiert ist: 1. Deutschland ist mit dem Wahlerfolg der AfD endgültig im politischen Alltag Europas bzw. der politischen Wirklichkeit angekommen. Ob Italien, Frankreich, Österreich, Belgien oder die Niederlande, all diese Länder müssen schon seit geraumer Zeit mit Rechtspopulisten leben und haben dies auch – demokratisch ziemlich unbeschadet – überlebt. 2. Die politische Mitte Deutschlands muss Federn lassen und schrumpft, verfügt aber immer noch – auch das ist ein Ergebnis dieser Wahl – zum Teil über satte absolute Mehrheiten in einer Größenordnung von 70 Prozent und mehr. Und eine Partei der Mitte hat sogar in allen drei Ländern Zuwächse verzeichnet, auch wenn es in Sachsen-Anhalt nicht ganz reichte: Die FDP. 3. Es ist das zweite Mal in Folge, dass die durch den „Fukushima-Effekt“ (wieder)belebte Wahlbeteiligung weiter anstieg. Was bedeutet, dass sich die Menschen in schwierigen Zeiten doch für Politik interessieren, auch wenn die Partei der Nichtwähler, wenn es sie denn gäbe, in allen drei Ländern stärkste Partei geworden wäre. Welche Konsequenzen hat das? Die etablierten politischen Parteien können nicht so weitermachen wie bisher, sondern müssen die Sorgen der Bürger ernst nehmen und nachvollziehbare Antworten auf deren Fragen finden. Vor allem aber müssen sie die AfD überall, wo es nur geht, inhaltlich stellen und den Bürgern immer wieder anschaulich vor Augen führen, dass diese Einthemen-Partei überhaupt keine Antworten auf welche Fragen auch immer hat. Denn andernfalls könnte es sein, dass sich die Suggestion dieser Partei doch noch verfängt, es gebe tatsächlich einfache Lösungen für die aktuellen Probleme unserer Zeit. Was soll ich sagen? Das (politische) Leben ist kein Ponyhof, war es übrigens auch noch nie. Aber der Weltuntergang, für wann auch immer er mal wieder vorausgesagt wird, findet vorerst nicht statt – auch in Deutschland nicht.

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